Alstom-Übernahme Paris schockt Siemens mit Plan C

Der französische Wirtschaftsminister nennt die Angebote von GE und Siemens "inakzeptabel" - und hat eine andere Idee. Nun will Frankreich Alstom selbst retten. Wie lange macht Siemens das Spiel noch mit?

Noch hat Siemens kein offizielles Angebot für Alstom abgegeben. In München scheint man ernsthaft interessiert, doch das Verhalten der Pariser Regierung irritiert zunehmend. Quelle: REUTERS

"Weder das Angebot von GE noch das von Siemens entspricht unseren Vorstellungen", sagte der französische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg nach Angaben von Philippe Pillot, Sekretär der Gewerkschaft FO beim Treffen mit Arbeitnehmervertretern. Führt der Minister Deutsche und Amerikaner an der Nase herum oder will Montebourg lediglich den Preis für den Technologiekonzern Alstom hochtreiben?

Hintergrund zum Übernahme-Poker um Alstom

Derzeit liegt das Gebot von General Electric bei 12,4 Milliarden Dollar für die Übernahme der Energie-Sparten von Alstom. Siemens veranschlagt rund 10 Milliarden, hat aber noch kein offizielles Angebot abgegeben.

Am Donnerstag haben die Amerikaner der Alstom-Chefetage nun mehr Bedenkzeit eingeräumt. Jetzt kann Chef Patrick Korn bis zum 23. Juni statt bis zum zweiten des Monats überlegen, ob er die Offerte annimmt.

Die Fristverlängerung kann als Zeichen gewertet werden, wie ernst es den Amerikanern mit ihrem Angebot ist. Die Entscheidung sei auf Ersuchen der Regierung in Paris erfolgt und solle dabei helfen, "die laufenden Diskussionen zu erleichtern", teilte der US-Konzern mit.

Widersprüchliche Signale

Die Amerikaner müssen sich jetzt bereits wie das ungeliebte Stiefkind fühlen, das mit Pralinen und Blumenstrauß bewaffnet vor der verschlossenen Haustür der Eltern steht. Dafür hat Paris Siemens zur Alstom-Party geladen - und scheint nun mit dem Betragen des deutschen Gastes ebenfalls nicht zufrieden. Siemens prüft die Bücher der Franzosen und hat mehr Informationen angefordert.

Warum Siemens mehr Informationen will

Alstom-Chef Patrick Kron reagierte genervt und bat die französische Regierung, die GE-Offerte zu unterstützen. Paris kann den gesamten Deal zum Platzen bringen, denn erst vor wenigen Tagen hat sie ein Dekret verabschiedet, nach dem die Regierung die Übernahme durch ausländische Konzerne in strategisch wichtigen Sektoren wie etwa im Energiemarkt, blockieren darf. Montebourg habe sich bereit gezeigt, das Dekret auch zu nutzen.

Der französische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg. Vergrätzt er am Ende beide GE und Siemens? Quelle: REUTERS

Die französische Regierung wirkt uneins. Energieministerin Ségolène Royal sagte im Interview mit "Paris Match": "General Electric ist eine sehr gute Möglichkeit für Alstom. Es ist das beste Industrieprojekt. Warum sollte man das nicht aussprechen?" Präsident Francois Hollande bezeichnete allein das GE-Angebot als “nicht akzeptabel” und forderte das US- Unternehmen auf, die Arbeitsplatzgarantien zu verbessern.

Montebourg ist nun offensichtlich auch das deutsche Angebot nicht gut genug. "Wir haben mit der Prüfung von Plan C begonnen", sagte der sozialistische Politiker. "Plan A ist GE, Plan B ist Siemens und Plan C ist eine einheimische Lösung." Dabei sei eine finanzielle Beteiligung von Privatfirmen wie auch von Staatskonzernen vorstellbar. Alstom hat bereits vor rund zehn Jahren schon einmal Staatshilfe erhalten. Damals war Paris mit 720 Millionen und 21 Prozent bei Alstom eingestiegen.

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