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Anruf vom Kalb Die Landwirtschaft der Zukunft

Die Digitalisierung erhöht die Produktivität auch im Stall.

Ein Kalb Quelle: dpa

Wenn bei Ulrich Westrup nachts das Handy klingelt, weiß der Miteigentümer des landwirtschaftlichen Betriebs Westrup Koch in Bissendorf bei Osnabrück: Jetzt geht’s los – ein Kalb kommt zur Welt. Vor wenigen Jahren bedeuteten Geburten im Stall für die fünf Gesellschafter und sieben Mitarbeiter Stunden des Wartens, oft nächtelang.

Heute kommt eine Meldung direkt aus der Scheide der Kuh aufs Handy: „Kalbung beginnt.“ Ein Thermometer in der Geburtsöffnung erkennt den typischen Temperaturverlauf vor Eintritt der Wehen und sendet die Nachricht an den Bauern. „Die Anzahl der durchwachten Nächte hat sich für uns alle erheblich vermindert“, sagt Westrup.

Autonome Erntehelfer
Eine landwirtschaftliche Maschine auf einem Feld Quelle: Claas
Traktoren mit Lenksystem Quelle: Claas
Agrobot, mechanischer Erntehelfer Quelle: Agrobot
Feldroboter Quelle: David Dorhout
Ein Flugroboter wird über einem Feld fliegen gelassen Quelle: dpa
Satellitenbild Quelle: NASA astronauts
Ein Landwirt ruft Daten in einem Traktor ab Quelle: Claas

60 Euro mehr pro Kuh

Aus Industrie 4.0 mach Stall 4.0 – nach diesem Motto haben Westrup und Co. ihren Hof digitalisiert. Das nützt Mensch und Tier. Dank der SMS über die Geburt etwa gibt es statt acht nur noch vier Prozent Totgeburten.

In Arbeit
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Auch die Befruchtung wird effizienter. Denn die Kühe tragen elektronische Halsbänder. Die registrieren, wenn die Kühe auffällige Bewegungen machen, etwa den Kopf an anderen Tieren reiben oder sich bespringen. Dies ist ein Zeichen dafür, dass die Kühe paarungsbereit sind. Der Zustand hält nur sieben Stunden an und wurde von Mitarbeitern oft übersehen. Dadurch gingen 21 Tage bis zur nächsten möglichen Paarung verloren, und die Kuh gab entsprechend später Milch. Das brachte 60 Euro weniger Einnahmen pro Kuh. „Bei 600 Kühen kommt da ordentlich was zusammen“, sagt Bauer Westrup.

Schließlich steigert auch die Melkanlage zusätzlich die Produktivität. Denn sie meldet, wenn eine Kuh weniger Milch gibt. Das zeigt dem Bauern, dass dem Tier etwas fehlt, und er kann für Abhilfe sorgen. Von Westrups Kühen müssen deshalb nur 20 Prozent jedes Jahr wegen Minderleistung oder Gesundheitsproblemen zum Schlachter, bei anderen Höfen 35 Prozent.

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