Arbeitgeber wollen verhandeln Chemieindustrie will Streiks in letzter Minute abwenden

Exklusiv

Vor der entscheidenden letzten Tarifrunde in der Chemieindustrie ab kommendem Donnerstag setzen die Arbeitgeber auf eine Verhandlungslösung. Sonst droht der erste Streik seit 44 Jahren.

Chemieindustrie Quelle: dpa/dpaweb

„Auf beiden Seiten sind noch große Schritte nötig – vielleicht auch mal ein Spagat“, sagte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Hans-Carsten Hansen, im Interview mit der WirtschaftsWoche. „Jetzt muss die Gewerkschaft signalisieren, in welche Richtung sie gehen will.“

Zugleich machte Hansen für den Fall eines möglichen Arbeitskampfes deutlich: „Wenn es dazu kommen sollte, sind wir nicht unvorbereitet.“ Es wäre der erste Arbeitskampf in der Branche seit 44 Jahren.

Die Gewerkschaft IG BCE will 4,8 Prozent mehr Lohn durchsetzen, die Arbeitgeber bieten 1,6 Prozent. Mit Blick auf die Abschlüsse in der Metall- und Elektroindustrie von 3,4 Prozent unterstrich Hansen: „Die Automobilindustrie hat eine ganz andere Konjunktur als die Chemie. Bei uns ist die Produktivität seit 2010 um vier Prozent zurückgegangen. Das wird 2015 nicht besser. Laut Branchenverband sinken die Umsätze um ein halbes Prozent.“

Zwar könnten nach den Flexi-Klauseln in den Verträgen notleidende Unternehmen die Lohnerhöhungen aussetzen. Dies soll aber nicht ausgereizt werden, betonte Hansen: „Wir können keinen Tarifvertrag akzeptieren, bei dem immer mehr Unternehmen Sonderregelungen beanspruchen müssen. Und wir müssen verhindern, dass immer mehr kleine und mittlere Unternehmen den Tarifvertrag nicht mehr verkraften.“ Die Prognosen über das Wachstum seien bei den vergangenen Tarifabschlüssen drei Mal hintereinander nicht eingetroffen.

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