Aufsichtsratschef tritt zurück Wer gibt den Bilfinger-Aktionären ihr Geld zurück?

Bei Bilfinger ist ein Gerangel um den Vorsitz im Aufsichtsrat ausgebrochen. Dabei sollten sich gebeutelte Aktionäre einen Neuanfang wünschen.

Wer wird neuer Aufsichtsratschef bei Bilfinger? Quelle: dpa

Ein riesiger Kurssprung ist es nicht, mit dem die Börse auf die neue Überraschung bei Bilfinger reagiert: Aufsichtsratschef Bernhard Walter geht vorzeitig und abrupt, Großaktionär Cevian bekommt einen zweiten Sitz im Kontrollgremium.

Vermutlich bleiben zu viele Fragen offen, um Analysten und Anleger so richtig zu begeistern. Vor allem eine: Wird Cevian den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen oder Alt-Vorstandschef Herbert Bodner?

Für ein Großreinemachen käme eigentlich nur Variante eins in Frage. Denn Bodner hat alles zu verantworten, was Bilfinger heute im Positiven wie im Negativen ausmacht: Die Metamorphose vom Bau- zum Industriedienstleister, die kaum zusammengeführte Mischung von 500 Einzelunternehmen, denen der geschasste Roland Koch zwar ein einheitliche Logo und einen gemeinsamen Namen gab. Aber die angestrebte Vernetzung untereinander ist heute nicht viel weiter als bei Bodners Abschied vom Vorstandsamt Mitte 2011.

Auch die Schwerpunkte des Dienstleistungsgeschäfts, wie Bodner sie wählte, erweisen sich als nicht krisenfest. Bei Industriedienstleistungen ist der Preiswettbewerb immer härter geworden. Bei Kraftwerksdienstleistungen sind Margen von beinahe zehn Prozent wie vor zwei Jahren noch heute utopisch – weil die Energiekonzerne den Gürtel enger schnallen und Jobs abbauen. Bilfinger steht da am Ende der Nahrungskette und hat eine schlechte Verhandlungsposition.

Die wird mit der öffentlichen Selbstzerlegung des Mannheimer Unternehmens immer schlechter. Zwei Gewinnwarnungen unter Koch, eine unter Interimschef Bodner, die Abgänge der Top-Chefs und ein Haufen ungelöster Probleme. Kluge Auftraggeber wissen das ganz cool für sich zu nutzen.

Auch das Damoklesschwert der staatsanwaltlichen Ermittlungen in Köln schwebt nicht nur über dem Konzern, sondern insbesondere über Bodner. Er war Chef des Unternehmens, als vor fünf Jahren beim U-Bahn-Bau in Köln das Stadtarchiv samt Nachbarhäusern einstürzte. Zwei Menschen starben, ein Milliardenschaden entstand, Bodner tauchte ab. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 89 Personen – nicht wenige davon gehörten oder gehören zu Bilfinger.

Bodner wird immer wieder in die Rolle kommen, sich rechtfertigen zu müssen für die aktuellen Missstände – weil ihre Ursachen in der eigenen Ära liegen.

Die Frage, wer den Aufsichtsrat steuern sollte, beantwortet sich insofern von alleine: nicht Herbert Bodner. Aus Sicht der Aktionäre müsste es ein Cevian-Entsandter sein, vermutlich der schon im Aufsichtsgremium vertretene Jens Tischendorf. Denn seit Mai hat sich der Kurs des M-Dax-Unternehmens fast halbiert. Cevian hat viel Geld verloren, andere Anleger auch. Wenn sie es zurück haben wollen, ist es am ehesten der ungeduldige schwedische Finanzinvestor, der ihnen die Chance dafür bietet.

Insofern ist die am vergangenen Montag verkündete Erhöhung des Cevian-Anteils von gut 20 auf gut 25 Prozent eher kein Vertrauens-Votum für Herbert Bodner, sondern ein ziemlich klares Zeichen dafür, dass die Geduld der Cevian-Strategen mit der alten Bilfinger-Riege zu Ende ist. Sie wollen jetzt das Sagen haben – und durchgreifen.

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