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Ausländische Firmenkäufe Deutsche Unternehmen als Opfer?

Im vergangenen Jahr haben ausländische Investoren so viele Unternehmen hierzulande gekauft wie nie zuvor. Nun wächst die Sorge vor einem Verlust von deutschem Fachwissen. Doch lassen sich grenzüberschreitende Firmenkäufe aufhalten?

Der Augsburger Roborterhersteller Kuka wurde bereits von einem chinesischen Investor gekauft. Quelle: dpa

Der Anlegerschutzverein DSW sieht „Aggressoren“ am Werk, der Aufsichtsrat wehrt sich gegen ein „Monopoly“ auf Kosten der Beschäftigten und Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) warnt vor einem „unverantwortlichen Machtpoker“. Bei Grammer tobt ein Kampf gegen eine Übernahme durch die bosnische Investorenfamilie Hastor. Auf der Hauptversammlung des Autozulieferers am Mittwoch (24. Mai) könnte eine Entscheidung fallen.

Grammer ist kein Einzelfall. Immer mehr deutsche Firmen geraten ins Visier ausländischer Käufer, darunter prominente wie der Maschinenbauer KraussMaffei, der Pharmakonzern Stada und der Roboterhersteller Kuka, der an den chinesischen Investor Midea ging.

Im vergangenen Jahr haben vor allem Käufer aus den USA, Europa und China die Rekordzahl von 873 deutschen Firmen übernommen, wie neue Zahlen der Beratungsgesellschaft PwC zeigen. Das entspricht einem Plus von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein Ende sei nicht in Sicht, meint PwC-Partner Steve Roberts. „Wir haben einen starken Jahresauftakt gesehen und dürften den Höchststand vom vergangenen Jahr noch übertreffen“. Viele Firmen hätten sich lange mit Zukäufen zurückgehalten und nun viel Bargeld angesammelt.

Für die Beliebtheit deutscher Unternehmer gibt es noch weitere Gründe. In Zeiten von weltweit eher mauem Wachstum ist die stabile deutsche Wirtschaft mit ihren spezialisierten Mittelständlern attraktiv. Und mit Unsicherheiten wie dem Brexit oder US-Präsident Donald Trump gilt die Bundesrepublik als Hort der Beständigkeit.

Übernahmen chinesischer Firmen in Deutschland

Zugenommen haben auch die Käufe durch Private-Equity-Gesellschaften, Finanzinvestoren, die Firmen übernehmen, um sie mit Gewinn weiter zu veräußern. Rund jeder dritte Kauf deutscher Firmen entfiel 2016 auf die Beteiligungsgesellschaften. „Die meisten setzen auf Unternehmen aus der Industrie, also das ökonomische Herz Deutschlands“, sagt Roberts. Für sie sei die Bundesrepublik „ein natürlicher Zielmarkt“.

Daneben steht eine weitere Branche im Fokus: Investoren sehen Gesundheitsunternehmen als „sicheren Hafen“, meint Franz-Robert Klingan, Partner bei der Managementberatung Bain. Die Weltbevölkerung altere, was den Bedarf an medizinischer Betreuung verstärke. Zudem erwirtschaften Pharmafirmen unabhängig von Konjunkturschwankungen und politischen Umbrüchen relativ stabile Erträge.

Droht der Wissensausverkauf?

Selbst hohe Preise für Firmen schreckten nicht ab, sagt Klingan. „Finanzinvestoren weltweit haben fast 1,5 Billionen Dollar freie Mittel, die angelegt werden müssen.“ Und dank Niedrigzinsen sind selbst Milliarden-Kredite relativ leicht zu finanzieren.

Gerade Käufer aus China gehen hierzulande auf milliardenschwere Einkaufstour. Sie haben ihre Investitionen laut der Beratungsfirma EY 2016 fast verdreifacht und sich an über 300 Firmen beteiligt. Jüngst verkaufte der Zulieferer Bosch seine Anlassersparte nach China, das Biotech-Unternehmen Biotest geht nach Fernost und die chinesische HNA-Gruppe stieg bei der Deutschen Bank zum größten Aktionär auf. „Chinesische Käufer haben sich etabliert“, sagt Roberts. „Früher wurden sie oft unter den Interessenten genannt, heute kaufen sie.“

Das schürt Ängste: Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) etwa warnte bei Kuka vor einem Ausverkauf von deutschem Technologiewissen. Gemeinsam mit Frankreich und Italien forderte die deutsche Regierung von der EU-Kommission Regeln, um einzelne Übernahmen zu verhindern. Und der Bundesrat hat sich für einen besseren Schutz deutscher Firmen vor chinesischen Käufern ausgesprochen.

PwC-Experte Roberts sieht Käufe aus Fernost gelassen. „Investoren aus China werden schon lange skeptisch beäugt, haben sich aber als ernsthafte Käufer erwiesen.“ Meist hätten sie Standorte und Beschäftigung in Deutschland erhalten. So hätten sich die Mittelständler Putzmeister, de Betonpumpen-Hersteller Schwing oder der Zulieferer Preh IMA Automation seit dem Kauf durch chinesische Investoren vor einigen Jahren gut entwickelt.

Experte Klingan von Bain meint, dass Übernahmeverbote nur in Einzelfällen Sinn ergeben - etwa aus Gründen der nationalen Sicherheit. So haben die Vereinigten Staaten den Verkauf des deutschen Maschinenbauers Aixtron nach China untersagt, da er eine Niederlassung in den USA hat. Zudem bestehe nicht in allen Branchen die Gefahr, das Fachwissen abwandere, meint Klingan. Während sich in der Industrie Prozesse eher noch abkupfern und Technologien umgehen ließen, sei das im Pharmasektor schwer. „Rechte an Medikamenten werden weltweit fast überall geschützt und Verstöße klar sanktioniert“. Auch ließen sich grenzüberschreitende Übernahmen kaum stoppen, meint Klingan. Passten zwei Unternehmen zusammen, überwiege auch oft der ökonomische Vorteil. „Die Globalisierung lässt sich nicht aufhalten.“

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