Automarkt Tesla besteht die Bewährungsprobe

Kann Tesla seine Produktion deutlich ausbauen? CEO Elon Musk sieht einen Meilenstein erreicht. Der Elektroautobauer schreibt zwar tiefrote Zahlen, übertrifft mit den Quartalsergebnissen aber alle Erwartungen.

Wenige Tage vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen am Mittwoch hatte Tesla das Model 3 vorgestellt. Es ist deutlich günstiger als die beiden bisherigen Modelle des Elektroautoherstellers. Quelle: AP

New YorkDarauf haben an der Wall Street viele gewartet: Tesla verkündete seine Ergebnisse für das zweite Quartal 2017. Analysten stellten vorab skeptische Fragen: Schafft es der Elektroautohersteller, die Produktion des Model 3 ohne Probleme hochzufahren? Wirkt sich das Massenmodell negativ auf die mehr als doppelt so teuren Model S und X aus? „Das ist definitiv eine Bewährungsprobe für Tesla“, sagte Mike Ramsey, Direktor des Marktforscher Gartner.

Ohne Zweifel, Tesla besteht den Test. Der Umsatz stieg um 1,5 Milliarden auf knapp 2,8 Milliarden Dollar. Damit übertraf der Erlös deutlich die Analystenschätzungen, die sich im Durchschnitt auf 2,5 Milliarden Dollar beliefen.

Zwar schrieb das kalifornische Unternehmen nach Ausklammerung von Aktienoptionen einen Verlust von 1,33 Dollar je Aktie. Dieser summierte sich aber nicht wie zuvor befürchtet auf ein Minus von 1,88 Dollar. Die Aktie von Tesla kletterte nach Veröffentlichung der Zahlen um mehr als acht Prozent nach oben.

Tesla-Jünger feiern die ersten Model-3-Fahrzeuge
Elon Musk weiß, wie man einen Rockstar-Auftritt hinlegt. Zu lauter Musik rast der Tesla-Chef mit einem roten Exemplar seines ersten günstigeren Wagens Model 3, springt raus und lässt sich im Scheinwerferlicht von seinen Mitarbeitern feiern. Der Anlass ist ein Meilenstein für Tesla: Die ersten 30 Model 3 werden nach einem Monat Serienproduktion an ihre Besitzer übergeben - allesamt Tesla-Beschäftigte. Die ersten 30 von mehr als einer halben Million Vorbestellungen, die Tesla erst einmal lange abarbeiten muss... Quelle: dpa
Die Zeremonie am Tesla-Werk im kalifornischen Fremont läutet ein neues Kapitel in einem der spannendsten Duelle ein, die heute die Wirtschaft zu bieten hat: Tesla gegen den Rest der Autoindustrie. Eine Firma aus dem Silicon Valley, die früh komplett auf Elektromobilität setzte und von Autobossen zunächst als Exot mit mickrigen Produktionszahlen im für die weitaus meisten Menschen unerschwinglichen Luxussegment abgetan wurde. Doch inzwischen weht in der Branche ein anderer Wind... Quelle: dpa
Inzwischen sagen viele Experten, dass dem Elektroantrieb die Zukunft gehöre, auch wenn es eine lange Übergangszeit geben werde. Für Tesla wird es also künftig nicht mehr darum gehen, mit einigen zehntausend Wagen im Jahr zahlungskräftige Enthusiasten zu begeistern, sondern gegen die geballten Kraft der Autoindustrie mit einer Vielzahl von Modellen, Designvarianten und der traditionellen Markenbindung von Kunden anzutreten... Quelle: dpa
Und angesichts der Vorreiterrolle der Kalifornier dürfte auch der Fortschritt der Elektromobilität am Erfolg dieses Fahrzeugs gemessen werden. Milliarden steckte Musk in den Ausbau der Produktionsanlagen und der Batteriefertigung. Eine riesige Wette. Wenn sie aufgeht, wird Tesla in Fremont jährlich eine halbe Million Model-3-Wagen und rund 100.000 der größeren und teureren bisherigen Fahrzeuge Model S und Model X bauen. In Arbeit ist auch ein Lastwagen, der noch dieses Jahr präsentiert werden soll. Anleger glauben an Musk: Tesla ist trotz überschaubarer Stückzahlen der wertvollste US-Autohersteller an der Börse... Quelle: dpa
„Es war nie unser Ziel, teure Wagen zu bauen“, betont Musk. Das habe sich nur so ergeben, weil die Elektrowagen zunächst nicht günstiger zu produzieren gewesen seien. Und jetzt finanzierten die Käufer von Model S und Model X das günstigere neue Modell mit. Die 35.000 Dollar als Grundpreis des Model 3 sind aber wie so oft in der Branche erst der Anfang. Bucht man alle Extras wie Fahrassistenz-Funktionen, eine bessere Innenausstattung und eine andere Farbe als Schwarz, kommen fast 60.000 Dollar zusammen... Quelle: dpa
Das ist kein Schnäppchen mehr, entscheidend ist im Moment aber dennoch vor allem die Frage, ob Tesla den massiven Produktionssprung von rund 84 000 Fahrzeugen 2016 auf 500 000 im kommenden Jahr sauber hinbekommt. „Die Nachfrage ist hier nicht das Problem“, merkt Musk trocken mit Blick auf die halbe Million Vorbestellungen für das Model 3 an. Im ersten Produktionsmonat Juli wurden 50 Fahrzeuge gebaut, 20 von ihnen behält Tesla für Tests ein. Im September sollen 1500 Wagen produziert werden, auch mit 20 000 Fahrzeugen im Monat zum Dezember wird es lange dauern, die Warteliste abzuarbeiten... Quelle: REUTERS
Um den Produktionsschub zu meistern, ließ Musk die Konstruktion des Model 3 drastisch vereinfachen - auch nachdem es bei vorherigen Wagen Probleme mit ausgeklügelten Design-Ideen wie den Flügeltüren des Model X gab. Selbst die Entwicklung der Rücksitze hatte damals die Produktion des SUV um Monate aufgehalten. Quelle: REUTERS
Keine herausfahrenden Türgriffe, wie beim großen Bruder Model S. Zunächst einmal keine Option eines Vierradantriebs, der einen zweiten Elektromotor braucht. Quelle: REUTERS
Die traditionellen Anzeigen im sogenannten Kombiinstrument hinter dem Lenkrad und die üblichen Knöpfe wurden komplett durch einen Touchscreen in der Mitte des Armaturenbretts ersetzt - als hätte man einfach einen 15-Zoll-Computermonitor ins Auto eingebaut. Beim Fahren stört das allerdings tatsächlich überraschend wenig. Abgesehen davon, dass die Teslas in der Zukunft immer mehr autonom unterwegs sein sollen, kann vieles auch über Sprachbefehl laufen... Quelle: AP,AP
Das Hochfahren der Produktion sei trotzdem auch diesmal wieder wie „durch die Hölle zu gehen“. Vor Monaten schon erzählte der Milliardär, dass er einen Schlafsack in seinem Büro in der Fabrik habe, für die Abende, an denen es mal länger wird. Auch jetzt sagt er zum Produktionsziel von 5000 Wagen pro Woche am Jahresende eher vorsichtig: „Es erscheint durchaus wahrscheinlich.“ Quelle: REUTERS
Hilfe suchte sich Musk dafür auch in der deutschen Autobranche. Von Audi holte Musk im vergangenen Jahr Topmanager Peter Hochholdinger, der unter anderem für die Fertigung der Modelle A5 und Q5 zuständig war. Für die Vision der Fabrik als „Maschine, die Maschinen baut“ wurde für 150 Millionen Dollar der auf automatisierte Anlagen für die Autoproduktion spezialisierte Maschinenbauer Grohmann aus Prüm in Rheinland-Pfalz gekauft. Quelle: REUTERS
In Anbetracht eines Präsidenten Donald Trump im Weißen Haus, der von US-Firmen permanent mehr Produktion im Heimatland einfordert, erwähnt Musk beiläufig, dass 60 Prozent der Wertschöpfung beim Model 3 in den USA stattfänden. Die Batteriezellen dafür kämen jetzt auch nicht mehr aus Asien, sondern aus der neuen „Gigafactory“ in Nevada. Quelle: REUTERS
So wären bei einem Rückruf nicht mehr zehntausende, sondern hunderttausende Wagen betroffen. Um das künftige Service-Aufkommen zu bewältigen, will Tesla auch Techniker in Reparatur-Lieferwagen direkt zu den Kunden schicken. Schließlich will Musk auch beweisen, dass Elektrowagen deutlich einfacher zu warten sind als Verbrenner. Quelle: REUTERS
.Das Fahrzeug bekomme dafür standardmäßig die volle Ausstattung aus acht Kameras und einem Dutzend Ultraschall-Sensoren, sagte Tesla-Chef Elon Musk am Samstag. Zunächst sollen nur die Fahrassistenz-Funktionen aktiviert werden, die Software zum autonomen Fahren werde später in die Fahrzeuge geladen. „Der Plan ist, dass alle Teslas vollständig autonom fahren können“, sagte Musk. Schon jetzt kann die Roboterwagen-Software im Hintergrund mitlaufen, um Daten für die Zukunft zu sammeln. Quelle: REUTERS

Bei Investoren kamen auch andere Neuigkeiten gut an. Tesla-Chef Elon Musk sprach von einer „überwältigenden Nachfrage“ für das Model 3, wöchentlich würden 1800 Bestellungen eingehen. Anders als beim Model X kommt es bislang nicht zu Produktionsproblemen. Musk bleibt bei seinen Versprechungen: Er will bis zum Jahresende die Produktion wöchentlich auf 5000 Fahrzeuge hochfahren, um die Rate 2018 zu verdoppeln. „Das ist ein wichtiger Meilenstein“, sagte Musk.

Analysten pflichten bei. Kaum einer rechnet bislang damit, dass Tesla die Produktion im nächsten Jahr auf 500.000 Fahrzeuge bringen kann. Zum Vergleich: Das Unternehmen lieferte 2016 nur 84.000 Fahrzeuge aus. „Von einer Produktion von einer halben Million geht eigentlich niemand wirklich aus“, sagte Ramsey von Gartner. „Wenn sie auf 250.000 kommen, wäre das für viele bereits ein riesiger Erfolg.“

Model 3 Autos an Käufer übergeben

Die Aktie von Tesla war in den vergangenen Wochen stark gefallen. Analysten wie David Tamberrino von Goldman Sachs befürchteten stagnierende Verkäufe bei der Luxuslimousine Model S und dem Geländewagen Model X durch die Markteinführung des Model 3 vor wenigen Tagen, das mit einem Basispreis von 35.000 Dollar deutlich preiswerter ist. „Wir raten zum Verkauf“, schrieb Tamberrino, der ein Kursziel von 180 Dollar je Aktie vorgibt. Nachbörslich kostete ein Anteilsschein am Mittwoch zeitweise 351 Dollar.

Die Befürchtung von Tamberrino scheint bislang aber nicht einzutreten. Laut Musk stieg die wöchentliche Bestellrate für das Model S und X im Juli um 15 Prozent im Vergleich zur durchschnittlichen Rate im Gesamtquartal.

Tesla feierte am 28. Juli die Markteinführung des Model 3 mit einem großen Event, der in den Medien weltweit für ein starkes Echo sorgte. Das hat potenzielle Käufer offenbar dennoch nicht von den Luxusmodellen abgelenkt: „Wahrscheinlich ist es zu früh, daraus eine starke Schussfolgerung zu ziehen“, sagt Musk. „Aber seit dem Event sehen wir noch stärkere Bestellraten für das Model S.“

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