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Automesse Peking Die smarte Daimler-Limousine soll junge Chinesen begeistern

Größer, vernetzter, glamouröser: Daimler buhlt mit der A-Klasse-Limousine um junge Chinesen – und erwägt zusätzlich den Bau eines Luxus-SUV.

Kein Autosegment in China wächst derzeit so schnell wie die Kompaktwagen. Quelle: Reuters

PekingBreakdancer wirbeln über die Bühne. Lässig gekleidete Chinesen strecken Schilder mit Aufschriften wie „Awesome“ oder „Aspiring“ in die Luft. Und ein Chor aus Smokingträgern mit pinken Hasenohren auf dem Kopf trällert „Hey-ya-oh-hey-ya-oh-hey“.

Diese schrille Inszenierung ist nicht Teil eines kunterbunten Anime-Festivals, sondern der Rahmen, indem der mehr als 130 Jahre alte Autohersteller Daimler seine neueste kompakte Limousine in Peking der Weltöffentlichkeit präsentiert.

Was für Europäer eher befremdlich wirken mag, kommt in China prima an. Nirgendwo sonst hat Daimler so viele und so junge Kunden. Das Durchschnittsalter der fernöstlichen Mercedes-Käufer liegt bei gerade einmal 36 Jahren. Entsprechend jugendlich geben sich die Schwaben daher am Rande der Beijing Motor Show, der größten Automobilmesse der Welt. Daimler-Chef Dieter Zetsche buhlt dabei regelrecht um die junge Kundschaft.

Der 64-jährige Schnauzbartträger springt in Jeans, Sneakers und offenem Hemd auf die Bühne im „The Orange“, einer schmalen Eventhalle im Einkaufsviertel Sanlitun in Chinas Hauptstadt. Zetsche verspricht dem Publikum einen „Gamechanger“, eine bahnbrechende Neuerung. Dramatische Musik ertönt. Die neue A-Klasse Limousine rollt im Speziallack (Rosé Gold) auf die Bühne. Dank des cleveren Sprachassistenten könnten Mercedes-Fahrer künftig auf „revolutionäre Weise“ mit ihrem Auto interagieren, frohlockt Zetsche.

Um die Temperatur zu erhöhen, reicht beispielsweise schon das Kommando: „Hey Mercedes, mir ist kalt.“ Wer sagt: „Ich habe Hunger“, wird prompt zum nächsten Restaurant navigiert. Und für Chinas Smartphone-Junkies besonders wichtig: Sie können Funktionen des beliebten Messengers WeChat in ihren Mercedes integrieren und umgekehrt. „Die neue A-Klasse passt perfekt zum einzigarten Lifestyle junger chinesischer Kunden“, resümiert Zetsche zufrieden. Der Manager verspricht sich viel von dem neuen Modell.

Der Grund: Kein Autosegment in China wächst derzeit so schnell wie die Kompaktwagen. Daimler will daraus mit seiner Luxusvariante der A-Klasse auf dem weltgrößten Automarkt Profit schlagen. Die Schwaben sind mehr denn je auf die Einnahmen aus Fernost angewiesen, um die hohen Investitionen von mehr als zehn Milliarden zur Elektrifizierung der Flotte stemmen zu können.

Im vergangenen Jahr verkaufte Daimler rund 590.000 Fahrzeuge mit Stern im Reich der Mitte. Ein absoluter Absatzrekord und ein Plus von fast 26 Prozent im Vergleich zum Jahr 2016. „Die deutschen Autohersteller sind in höchstem Maße abhängig vom chinesischen Markt – sowohl in Bezug auf die Stückzahlen als auch hinsichtlich der Profitabilität“, sagt Axel Schmidt, Automotive-Chef bei der Beratung Accenture. Daimler verkauft wie BMW und Audi mehr als ein Drittel seiner Autos in China – und das vielfach in Vollausstattung.

Die Gier der Chinesen nach Luxus und Konnektivität will der Stuttgarter Konzern künftig noch besser bedienen. Neben der A-Klasse Limousine präsentierte Daimler in Peking daher auch noch ein neues Showcar. Der Mercedes Maybach Ultimate Luxury ist eine Vision von Daimler-Chefdesigner Gordon Wagener.

Es gehe dabei um einen völlig neuen „Archetyp“, wie man ihn noch nie zuvor gesehen habe. Das Auto ist letztlich eine pompöse Mischung aus sportlichem Geländewagen (SUV) und Limousine mit breitem Heck. Wagener nennt seine Vision einen „SUL“, kurz für „Sport utility limousine“.

Auch wenn das Auto nie in dieser Form in höheren Stückzahlen gefertigt werden wird, passt das Konzept gut zum Markt. Fast jeder zweite Neuwagen in China ist schließlich ein SUV. Warum also nicht einen Geländewagen für Superreiche bauen?

Bisher gibt es die ultraluxuriöse Maybach-Variation von Mercedes freilich nur in der S-Klasse und bei der G-Klasse. Man könne sich aber vorstellen, die Maybach-Edition auf den SUV-Bereich zu erweitern, heißt es bei Daimler. Schon im kommenden Jahr dürfte Bewegung in die Sache kommen. Denn die Schwaben wissen genau: Groß, breit und glamourös bringt die höchsten Margen – allen voran in China.

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