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Autonomes Fahren Video zeigt tödlichen Unfall mit Ubers Roboterauto

Der Unfall sei praktisch unvermeidbar gewesen, sagte die Polizei nach dem Vorfall. Die nun veröffentlichen Aufnahmen nähren Zweifel.

Uber: Video zeigt Sekunden vor tödlichem Unfall mit Roboterauto Quelle: AP

San FranciscoDie Polizei der US-Stadt Tempe hat Aufnahmen des selbstfahrenden Uber-Autos veröffentlicht, das Sonntagnacht eine 49-jährige Frau erfasste und tödlich verletzte. In der Folge des Unfalls stellte Uber vorübergehend alle Test in vier Großstädten in den USA ein und versicherte, eng mit den Behörden zusammen arbeiten zu wollen.

Das Video scheint der ersten Einschätzung der Polizei zu wiedersprechen, wonach der Unfall praktisch unvermeidbar gewesen sei soll. Trotz dieser Bewertung hatte die Polizei Uber nicht von der Verantwortung befreit. Sie nahm die Ermittlungen auf, eine Anklage wurde aber bisher nicht erhoben.

Nach einer kurzen Warnung über den folgenden, verstörenden Inhalt, zeigt das Video zunächst aus der Perspektive des Armaturenbretts, wie das Fahrzeug nachts eine Straße entlang fährt. Bis auf die durch die Scheinwerfer beleuchtete Straße und ein paar Laternen in der Ferne ist kaum etwas zu erkennen.

Ein paar Sekunden nur dauert es, dann taucht die Frau plötzlich mitten auf der Straße vor dem Auto auf. Sie läuft von links nach rechts und schiebt neben sich ihr Fahrrad. Sie merkt noch, dass das Auto, recht schnell, auf sie zukommt, sie dreht den Kopf weg, dann gefriert das Bild.

Als das Scheinwerferlicht des Volvo XC90 auf die Frau fiel hatte sie bereits die halbe Wagenbreite auf dem Weg zum Bordstein hinter sich gebracht und schien noch zu versuchen, ihren Schritt zu beschleunigen. Das Fahrzeug hielt aber ohne erkennbare Verzögerung oder Ausweichmanöver auf sie zu bis es sie erfasste. Die Frau erlag kurz darauf im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.

Die nächste Szene zeigt das Innere des Wagens. Auf dem Fahrersitz sitzt die Sicherheitsperson, die allerdings dem, was außerhalb des Wagen passiert, kaum Aufmerksamkeit zu schenken scheint. Immer wieder blickt sie nach unten. Kurz bevor das Auto die Frau auf der Straße trifft, hebt die Person im Wagen den Kopf, die Augen weiten sich für den Bruchteil einer Sekunde, dann ist das Video zu Ende.

„Das Video ist aufwühlend und nur schwer anzuschauen, und unser Mitgefühl ist mit den Angehörigen des Opfers“, sagte ein Sprecher von Uber in einer Stellungnahme zu den Aufnahmen. „Unsere Wagen bleiben weiter auf dem Boden und wir arbeiter weiter mit den Behörden.“

Während in den Stunden nach dem Vorfall die Polizei von Tempe noch in einer ersten Stellungnahme von einer möglichen Unschuld Ubers und des Fahrers ausgegangen war, lassen die nun veröffentlichten Aufnahmen klar Zweifel daran aufkommen.

Es stellt sich die Frage, warum die Radar- und Sensorsysteme (Lidar), die weiter reichen als der Lichtkegel der Scheinwerfer, offenbar nicht reagierten, und wieso das Fahrzeug nicht langsamer wurde. Die Frau war klar in Bewegung war. Der Wagen hätte das sich bewegende Objekt vor sich erkennen müssen, das scheint aber nicht geschehen zu sein.

Auch hätte die Sicherheitsperson im Wagen zumindest versuchen können, das Steuer herumzureißen. So hätte das Fahrzeug die Person vielleicht verfehlt. Allerdings wäre ein solches Manöver gefährlich auch für die Person hinter dem Steuer werden können.

Nach dem Unfall waren vermehrt Stimmen laut geworden, die Technik sei noch nicht reif genug, um sie auf öffentlichen Straßen auszuprobieren. Uber selbst musste nach einem Prozess mit Googles Waymo wegen Patentverletzung monatelang alle Tests unterbrechen. Der Bundesstaat Arizona hat erst jüngst die gesetzlichen Vorschriften für die Testfahrten verschärft.

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