BASF Die vier größten Probleme des Chemiekonzerns

2015 sind Umsatz und Gewinn beim Ludwigshafener Chemiekonzern BASF gesunken. Die Aktie befindet sich auf Talfahrt. Weshalb es beim einstigen Vorzeigekonzern abwärts geht.

2015 sind Umsatz und Gewinn beim Ludwigshafener Chemiekonzern BASF gesunken. Quelle: dpa

An diesem Freitag erläutern BASF-Chef Kurt Bock und Finanzvorstand Hans Ulrich Engel die BASF-Bilanz für das Jahr 2015. Der Umsatz sank gegenüber 2014 um fünf Prozent auf 70,5 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) reduzierte sich um 18 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro. Den Chemie-Konzern drücken gleich mehrere Probleme.

 Niedrige Ölpreise

Wie kaum ein anderes deutsches Unternehmen hängt die BASF von der Entwicklung des Ölpreises ab. Der notiert aktuell bei etwa 30 Dollar je Barrel – in früheren Zeiten hatten die BASF-Manager noch mit Preisen in Höhe von 60 bis 70 Dollar je Barrel kalkuliert.

„Mineralwasser ist derzeit teurer als Rohöl“, sagt Mario Mehren, Chef der BASF-Tochter Wintershall, die im Konzern für die Öl- und Gasförderung zuständig ist und jeweils gut ein Fünftel zum Jahresumsatz und -gewinn beiträgt.

Wegen des Verfalls der Ölpreise hat die BASF bereits Wertberichtigungen vorgenommen. Besserung ist nicht in Sicht. Auch 2016 sollen die Ölpreise weiter niedrig bleiben.

China-Krise

Die Chinakrise trifft BASF mit Wucht. Hunderte Millionen Euro hat der Konzern in den vergangenen Jahren etwa an den Standorten Nanjing in Ost- und Chongqing in Zentralchina investiert. Im dritten Quartal stürzte das Ebit in der Region Asien – im Wesentlichen China – jedoch um 60 Prozent von 173 auf nur noch 70 Millionen Euro.
Der Konzern habe im Reich der Mitte zu wenig auf Konsumgüter gesetzt, kritisierte kürzlich BASF-Vorstand Sanjeev Gandihi, der seit gut einem Jahr für die Region zuständig ist. „Wir müssen ein möglichst breites Spektrum von Produkten im Portfolio haben und schneller in der Lage sein, unsere Schwerpunkte zu verlagern“, fordert Gandhi.

Angriff aus den USA

Das haben die einzelnen BASF-Sparten 2015 erwirtschaftet

Ende 2015 kündigten die US-Konkurrenten Dow Chemical (unter anderem Erfinder des Plastik-Gefrierbeutels) und DuPont (Teflon, Nylon, Neopren) an, sich in diesem Jahr zu einem Riesen mit etwa 90 Milliarden Dollar Umsatz zusammenzuschließen. Damit wären sie größer als die BASF.

Dabei soll es nicht bleiben. In einem zweiten Schritt wollen Dow Chemical und DuPont drei gemeinsame Teilkonzerne bilden – jeweils für Agrarchemie, Kunststoffe und Spezialchemie. „Jeder dieser Teilkonzerne zielt auch auf die BASF“, sagt Oliver Schwarz, Analyst beim Bankhaus Warburg. „Jedes der neuen Unternehmen ist schlagkräftiger als zuvor DuPont und Dow Chemical alleine.“

Konkurrenz formiert sich

Insbesondere im Agrargeschäft mit Pflanzenschutzmitteln und Saatgut verschärft sich die Konkurrenz. So werden DuPont und Dow Chemical nach ihrer Vereinigung in der Agrarchemie von den Rängen vier und fünf auf Platz eins springen, vor Monsanto aus den USA, Syngenta der Schweiz, Bayer und BASF.

Zugleich weisen die Ludwigshafener gegenüber dem breiten Angebot des künftigen Weltmarktführers DuPont/Dow Chemical für die Äcker rund um den Globus erhebliche Lücken auf. BASF fehlen weitgehend Saatgut und Mittel gegen Insektenbefall.

Und die Branche konsolidiert sich weiter: Der chinesische Mischkonzern Chemchina hat vor wenigen Wochen die Übernahme der Schweizer Syngenta angekündigt. BASF droht, noch weiter zurückzufallen. Eine Alternative für die Ludwigshafener könnte ein Zusammenschluss mit der Agrarsparte von Bayer sein.

Tatsächlich würden die Unkrautbekämpfungsmittel von BASF gut zu den Bayer-Insektenkillern passen. Bislang ist dies Spekulation, doch die Idee hätte Charme. „Wenn in den USA zwei große Unternehmen im Pflanzenschutz zusammengehen, warum sollten das nicht auch BASF und Bayer tun?“, sagt ein Branchenkenner.

In Arbeit
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Doch in der Praxis dürfte eine solche Liaison auf Widerstand der Kartellbehörden stoßen. Bleibt im Grunde nur die Hoffnung, dass Dow Chemical und DuPont ihrerseits aus Wettbewerbsgründen Teile ihres Saatgutgeschäftes abgeben müssen und BASF zum Zuge kommt. Offiziell erklärt der Konzern nur, die Konsolidierung „aufmerksam zu beobachten“.

Derzeit ist die BASF ohnehin dabei, Teile des Geschäftes zu straffen: Wie das Unternehmen am Donnerstag erklärte, soll künftig rund die Hälfte der weltweit rund 700 Forschungs- und Entwicklungs-Arbeitsplätze in der Pflanzenbiotechnologie wegfallen.

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