BASF, Syngenta und Co. Warum Europas Chemieriesen unter Zugzwang stehen

Die Unternehmensberatung A.T. Kearney prognostiziert eine Neuordnung der Chemiebranche. Die deutschen Unternehmen bleiben allerdings bislang außen vor. Doch chancenlos sind sie deswegen nicht.

Chemie-Unternehmen in Europa stehen unter Zugzwang Quelle: dpa

„Europas Unternehmen geraten unter Zugzwang“, sagt Joachim von Hoyningen-Huene, Partner bei A.T. Kearney und Autor einer Studie über die zunehmenden Fusions- und Übernahmeaktivitäten in der Chemiebranche. Denn bislang sind es vor allem die Konkurrenten aus Übersee, die mit Übernahmen und Zusammenschlüssen Schlagzeilen machen. Im Februar kündigte der chinesische Mischkonzern Chemchina die Übernahme des Schweizer Agrarchemie-Konzerns Syngenta für 43 Milliarden Dollar an.

Und kurz vor Jahresende taten die beiden US-Konzerne Dow Chemical und DuPont kund, sich künftig zusammenschließen zu wollen – damit würde der größte Chemiekonzern der Welt entstehen, der sich dann aber flugs wieder in drei Teilkonzern aufspalten möchte.

Angeblich plant die BASF, der amtierende Chemie-Weltmeister, nun ein Gegenangebot für DuPont. Bislang aber bleiben die Europäer – speziell die Deutschen – in diesem Spiel außen vor. „Die aktiven Gestalter der Konsolidierung sind Dow, DuPont und Chemchina“ sagt Hoyningen-Huene.

Die größten Chemiekonzerne der Welt
Platz 10 - PPG Industries (USA) Quelle: AP
Linde Quelle: dpa
Platz 8: Air Liquide (Frankreich) Die Erfindung von flüssiger Luft legte den Grundstein für einen Weltkonzern. Im vergangenen Jahr kam der französische Chemieriese auf einen Umsatz von 19,08 Milliarden Dollar. Quelle: obs
Platz 7: Henkel (Deutschland)Weltweit ist der Düsseldorfer Konzern bekannt für seine Marken Persil, Pril oder Pritt. Mit einem Umsatz von 19,69 Milliarden Dollar spielt der Dax-Konzern auch unter den internationalen Chemieriesen vorne mit. Quelle: dpa
Platz 6: Dupont (USA)Der komplette Name des amerikanischen Chemieriesens lautet „E I Du Pont de Nemours“. Das geht zurück auf die französischen Gründer, die in die USA emigriert waren und dort 1802 begannen, Sprengstoffe zu produzieren. Heute macht das Unternehmen in über 80 Ländern weltweit einen Umsatz von insgesamt 24,6 Milliarden Dollar. 2017 erfolgte die Fusion mit dem Rivalen Dow Chemical zum größten Chemiekonzern der Welt. Quelle: dpa
LyondellBasell Industries (Niederlande) Quelle: REUTERS
Platz 4 - Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien) Quelle: SABIC
Platz 3: Dow Chemical (USA)Kunststoffe, synthetischer Kautschuk und Chlor gehören zu den meistverkauften Produkten der Amerikaner. Der Umsatz von 48,16 Milliarden Dollar wird nur von zwei deutschen Konzernen übertroffen. Quelle: AP
Platz 2: Bayer (Deutschland)Nicht nur unter den Pharmakonzernen gehören die Leverkusen zu den globalen Riesen, auch in der Chemie kann kaum einer Bayer das Wasser reichen. Ein Umsatz von 49,2 Milliarden Dollar ist weltweit der zweithöchste der Branche. Quelle: dpa
BASF Quelle: obs

Bereits 2015 lag der Wert aller Fusionen und Übernahmen in der Chemiebranche bei 110 Milliarden Dollar, wie die A.T. Kearney-Studie zeigt. 2016 wird sich dieses Volumen verdoppeln, schätzt die Unternehmensberatung. Kommt die angekündigte Fusion von Dow Chemical und DuPont sowie die Syngenta-Übernahme durch Chemchina zustande, wäre für 2016 bereits ein Wert von 153 Milliarden Dollar erreicht.

Investoren erhöhen den Druck

A.T. Kearney sieht vier Gründe für die verstärkte Deal-Aktivität:

- zunehmende Optimierung des Geschäftsportfolios,

- steigender Druck durch aktivistische Investoren,

- begrenzte Renditeerwartung aus organischem Wachstum

- sowie die niedrigen Rohstoff- und Ölpreise.

Neben den USA profiliert sich dabei auch das Schwellenland China als Treiber bei Fusionen und Übernahmen: „Erst Pirelli, dann Krauss Maffei und nun Syngenta – diese Transaktionsserie von Chemchina  verdeutlicht, mit welcher Entschiedenheit chinesische Unternehmen ihre strategischen Ziele verfolgen “, sagt Hoyningen-Huene.

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Und die Deutschen und Europäer? Sie könnten indirekt von den Fusionen und Übernahmen der Konkurrenz profitieren, schreibt A.T. Kearney. Wettbewerbsbehörden werden darauf bestehen, dass Unternehmensteile mit Milliarden-Umsätzen veräußert werden, um Marktdominanz in allen Märkten zu vermeiden: „Diese Unternehmensteile können dann weniger spektakulär aber durchaus profitabel das Kerngeschäft europäischer Unternehmen verstärken.“

Schließlich gibt Hoyningen-Huene zu bedenken: „Die Integration von Mega-Deals absorbiert viel Aufmerksamkeit. Wer sich ausschließlich weiterhin auf seine Kunden konzentriert, kann auf dem hart umkämpften Markt Anteile von Wettbewerbern gewinnen, die mit Integrationen beschäftigt sind.“

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