WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

BASF-Vorstand Suckale Die Vorstandsfrau des Jahrhunderts

Seite 3/3

Ärger mit der Bahn

Mehdorn und Suckale Quelle: dpa

Als aus dem Börsengang nichts wird, forciert die Bahn-Managerin ihren Jobwechsel. Auch Daimler und Metro sollen interessiert gewesen sein. Suckale will zu einem Dax-Konzern. Bei der BASF kümmert sie sich fortan um die berufliche Weiterentwicklung der Führungskräfte.

Kaum ist sie im Mai 2011 in den Vorstand aufgerückt, lässt sie sich erst mal den Steamcracker – das Herz der Ludwigshafener Verbundproduktion – erklären. Im Blaumann und mit hellroter Schutzbrille eilt sie durch die Anlage, die Rohbenzin in die wichtigen Chemiestoffe Ethylen und Propylen aufspaltet. Da der Steamcracker gerade einer planmäßigen Revision unterzogen wird, sind Hunderte Spezialisten vor Ort, tauschen etwa 50 000 Schrauben aus, dichten 15 000 Flansche neu ab, überprüfen etwa Pumpen und Wärmetauscher.

Suckale lässt sich das alles erklären, ist begeistert von den motivierten Mitarbeitern. Schließlich sitzt die frisch ernannte Vorstandsfrau mit Betriebsleitern und Experten in einem freudlosen Besprechungsraum irgendwo im Innern der Anlage und verteilt Lob und Anerkennung . „Sehr, sehr beeindruckend“, sagt sie, „große Hochachtung.“ Und setzt hinzu: „Sie sehen alle noch relativ entspannt aus.“ Die Runde lacht.

Ende Juni besucht sie die Messwarte des BASF-eigenen Kraftwerks Mitte; im August nimmt sie an einer Übung der Werksfeuerwehr teil. In einem Testlabor der BASF legt sie den weißen Kittel an, greift zu Becherglas und Pipette und seziert unter fachmännischer Anleitung die DNA aus einer Banane. „Ich bin neugierig“, sagt Suckale über sich, „und draußen lerne ich am besten.“ Sie weiß nun etwa über Produkte und Innovationen besser Bescheid.

Nähe zu den Mitarbeitern

Offen war sie schon während ihrer Zeit bei der Bahn. Da ist sie häufiger mal spontan auf dem ICE-Lokführerstand mitgereist und hörte sich während der Fahrzeit die Sorgen der Bahn-Mitarbeiter an. Lokführer haben schon mal nach ihrer Telefonnummer gefragt, um Anliegen direkt zu besprechen. Ihr damaliger Chef Mehdorn war ihr ein Vorbild. Der habe ein offenes Ohr für die Mitarbeiter gehabt, sagt Suckale.

Bei der BASF diskutiert sie mit Chemikantinnen über Schichtarbeit, hört sich Klagen über den Zustand eines Pausenraums an und nimmt den Frust der Mitarbeiter auf, die mal wieder länger brauchen, um mit ihrem Auto ins Werk zu kommen, weil zu viele Lkws anliefern und die Einfahrt verzögern. Die Vorstandsfrau wird so auch schon mal zur Kummerkastentante.

Einer der Arbeitnehmervertreter, mit denen sich die Personalchefin regelmäßig trifft, hat ihr kürzlich gesagt, sie könne ruhig deutlicher sein. Kritik bringt Suckale vornehm an. Wenn ihr die Präsentation eines Mitarbeiters nicht gefällt, versucht sie immer noch, das Positive zu sehen.

So ist sie. Damals, bei Anne Will, hat sie mit solcher Diplomatie Erfolg gehabt.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%