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BASF-Vorstand Suckale Die Vorstandsfrau des Jahrhunderts

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Blaumann statt Kostüm

Jürgen Hambrecht Quelle: AP

Doch obwohl Suckale oft farblos wirkt, kommt sie bei vielen Mitarbeitern gut an. Die passionierte Eisschnellläuferin ist überall im Werk zu finden, spricht mit Mitarbeitern und Gewerkschaftern. Etwa alle 14 Tage besucht sie, oft im Blaumann und mit Schutzbrille, einen Betrieb.

Außerhalb des Werksgeländes, an reinen Bürotagen, sieht man sie oft mit Halstuch, ihrem bevorzugten Accessoire. An den Wänden ihres Arbeitszimmers im zweiten Stock eines Backsteinbaus, direkt hinter Tor 1, hängen Management-Cartoons und großformatige Industriefotos von Horst Hamann. Suckale spricht ruhig und unaufgeregt.

Etwa darüber, dass sie den Standort Ludwigshafen stärken will – auch wenn BASF und andere Chemiekonzerne inzwischen häufig in China investieren. 900 Mitarbeiter sind bereits 2011 dazugekommen, und vor einigen Wochen verkündete Suckale, dass auch in diesem Jahr in Ludwigshafen neue Jobs entstehen. Die Geschäfte laufen rund. Bis 2015 will BASF neun bis zehn Milliarden Euro in Ludwigshafen investieren. Suckale setzt damit allerdings Pläne um, die schon vor Jahren beschlossen wurden.

Als Personalchefin will sie bei BASF eine Feedback-Kultur etablieren: Führungskräfte sollen sich von Mitarbeitern, Kollegen und Vorgesetzten beurteilen lassen. Zudem will sie flexible Arbeitszeiten fördern, damit Mütter und Väter nach der Elternzeit besser in den Beruf einsteigen können. Wichtig ist ihr das geplante Zentrum für Work-Life-Management. Den Mitarbeitern will der Konzern dort etwa Kinderbetreuung und Gesundheitskurse anbieten.

Entlastung durch externes Gutachten

Viele Mitarbeiter waren skeptisch, als die Bahn-Frau vor drei Jahren zu BASF kam. Suckale sei durch die Bahn-Datenaffäre vorbelastet und passe nicht zu dem Chemiekonzern, ätzten Arbeitnehmervertreter. Die Bahn hatte ohne konkrete Verdachtsmomente Führungskräfte und Mitarbeiter auf Bestechlichkeit hin überprüft. Suckale, von 1997 bis 2004 Leiterin der Rechtsabteilung, geriet in Verdacht, davon gewusst zu haben. Inzwischen ist das, auch für die BASF-Belegschaft, kein Thema mehr. Die Bahn wies die Vorwürfe gegen ihre Managerin zurück, ein externes Gutachten entlastete Suckale.

Die Juristin beginnt ihre Karriere 1985 als Justiziarin beim Ölkonzern Mobil Oil in Hamburg. Nach zwölf Jahren kommt das Angebot der Bahn. Dort leitet sie zunächst den Zentralbereich Recht, arbeitet dann Mehdorn zu, steigt schließlich 2005 in den Vorstand auf. Damals ist sie der einzige weibliche Vorstand in den 100 größten deutschen Unternehmen. Ihre Vorreiterrolle spielt die Pionierin herunter. „Das war eher Zufall“, sagt Suckale, andere Frauen wären genauso infrage gekommen.

Kurz nach ihrem Talkshow-Auftritt und der Tarifeinigung muss sie ihren Platz im Holdingvorstand der Bahn räumen. Denn vor dem geplanten Börsengang organisiert sich der Staatskonzern neu. Suckale verliert beim Job-Geschacher und findet sich im Führungskreis der Tochtergesellschaft DB Mobility Logistics wieder.

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