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Bayer Immer Ärger mit Monsanto – ein Grüner soll es jetzt richten

Der Ärger um Monsanto geht weiter. Der Skandal um Kritiker-Listen kommt nun nach Deutschland. Quelle: REUTERS

Die Bayer-Tochter Monsanto hat vermutlich auch in Deutschland fragwürdige Kritiker-Listen anlegen lassen. Ein früherer grüner Politiker soll nun die Aufklärung vorantreiben und kündigt Konsequenzen an.

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Es nennt sich „Stakeholder Mapping“: Konzerne listen dabei auf, welche Positionen Interessengruppen zu brisanten Themen vertreten. Das Verfahren gehört bei vielen Unternehmen und PR-Agenturen zum Standardrepertoire der Öffentlichkeitsarbeit.

Die Bayer-Tochter Monsanto ist dabei allerdings wohl deutlich über das Ziel hinausgeschossen – und das kann für die Muttergesellschaft Bayer, die ohnehin gerade wegen der Monsanto-Übernahme in der Kritik steht und sich wegen der möglichen Krebsgefahr des Monsanto-Pflanzenwirkstoffs Glyphosat vor US-Gerichten verantworten muss, gravierende Folgen haben. Wobei Bayer eine Krebsgefahr von Glyphosat klar bestreitet und dies mit zahlreichen Studien belegt.

Als 2016 in der EU darüber diskutiert wurde, ob Glyphosat weiter zugelassen wird, ließ Monsanto in Frankreich eine Kritiker-Liste anlegen, die womöglich gegen ethische Grundsätze und gesetzliche Regelungen verstößt. Zwei PR-Agenturen hatten im Auftrag von Monsanto Informationen über rund 200 Wissenschaftler, Politiker und Journalisten gesammelt. Dabei sollen auch private Daten, etwa Hobbys, aufgeführt worden sein. Die 200 Personen wurden dabei in vier Gruppen eingeteilt. Von „Verbündeten“ bis hin zu Kritikern, die unter Beobachtung stehen. Die Staatsanwaltschaft in Paris leitete ein Verfahren gegen Monsanto wegen illegaler Erfassung privater Daten ein.

Und das ist womöglich erst der Anfang. Er halte es für wahrscheinlich, dass solche Listen auch in anderen europäischen Ländern angelegt wurden; potenziell kämen alle EU-Staaten infrage, auch Deutschland, sagte Matthias Berninger, der bei Bayer seit dem 1. Januar für Öffentlichkeit und Nachhaltigkeit verantwortlich ist, während einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Der Vertrag mit der Kommunikationsagentur sei europaweit abgeschlossen worden. Der frühere Grünem-Politiker Berninger, der auch mal Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium war und lange für den Süßwarenkonzern Mars arbeitete, soll nun bei Bayer die interne Aufklärung vorantreiben.

Bayer und Grüne, das geht für Berninger durchaus zusammen: „Ich bin nicht bei Bayer, obwohl ich, sondern weil ich Grüner bin“, sagte er heute während einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Kaum ein anderes Unternehmen hätte einen solchen Einfluss darauf, dass die UN-Nachhaltigkeitsziele erreicht werden. Das Potenzial müsse man ausschöpfen.

An deutlichen Worten lässt es Berninger dabei nicht mangeln. Dazu bediente er sich dann auch mal einer Analogie aus dem Fußball: Es gebe einige Beispiele, wo Monsanto nicht den Ball gespielt habe, sondern eher auf den Mann oder die Frau gegangen sei. Bereits beim Übernahmeangebot an Monsanto im Mai 2016 hatten etwa Umweltgruppen auf die miserable Reputation von Monsanto verwiesen.

Was Bayer bislang über den Fall in Frankreich gehört habe, sei „komplett unangemessen“, sagte Berninger. Der Umgang sei „nicht in Ordnung“. Er sei gebeten worden, zu Bayer zu kommen, auf dass Bayer nach einem klaren Wertekonzept handele. Bayer-Konzernchef Werner Baumann hatte bereits nach dem Übernahmeangebot an Monsanto gesagt, dass Bayer auch künftig nach Bayer-Grundsätzen handele. „Das ist meine Priorität eins, zwei und drei“, sagte Berninger dazu.

Konkret hat Bayer bereits am Wochenende um Entschuldigung gebeten. Eine externe Kanzlei wird mit der Prüfung der Vorwürfe beauftragt. Der für das umstrittene Projekt zuständige Manager habe das Unternehmen bereits im vergangenen Jahr verlassen – allerdings, wie Berninger heute ergänzte, infolge der Monsanto-Übernahme durch Bayer und nicht aufgrund von entsprechenden Vorwürfen. Die Zusammenarbeit mit den PR-Agenturen liegt auf Eis. Weitere Konsequenzen sind nicht ausgeschlossen.

Ob das hilft? Ob das reicht? Schon bislang hat Monsanto Bayer jede Menge juristischen Ärger bereitet. 13.400 US-Klagen wegen einer möglichen Krebsgefahr des Wirkstoffs Glyphosat stehen noch aus. Am Montag fiel in San Francisco ein weiteres Urteil – zulasten des Konzerns. Bayer will in die Revision gehen. Zwei weitere Prozesse hat Bayer erstinstanzlich verloren und ist dabei zu Millionenstrafen verurteilt worden. Aufgrund der Unsicherheit – Aktionäre befürchten, dass auf Bayer Milliardenforderungen zukommen – hat die Bayer-Aktie in jüngster Zeit rund 40 Prozent an Wert verloren. Auf der jüngsten Hauptversammlung wurde der Bayer-Vorstand um Werner Baumann von den Aktionären nicht entlastet – einmalig in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Und nach den schlechten Nachrichten aus Frankreich geht der Absturz weiter: An der Börse verlor die Bayer-Aktie am Montag weitere 1,5 Prozent.

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