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Bayer Ist das der Durchbruch beim Glyphosat-Vergleich?

Bayer: Ist das der Durchbruch beim Glyphosat-Vergleich? Quelle: imago images

Der Pflanzen-Wirkstoff Glyphosat steht im Verdacht, Krebs auszulösen. 125.000 Klagen sind angeblich gegen den Hersteller Bayer in den USA anhängig. Nun soll sich Bayer mit einem Großteil der Kläger auf eine Beilegung geeinigt haben. Was steckt dahinter? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Wie sicher ist ein Vergleich?

Noch nicht sicher. Ein Unternehmenssprecher von Bayer spricht lediglich von „Fortschritten“ bei den Verhandlungen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass sich Bayer mit 50.000 bis 85.000 der geschätzten 125.000 Klagen geeinigt habe. Allerdings müssen die Vereinbarungen noch unterzeichnet werden. Und auch der Bayer-Aufsichtsrat muss noch zustimmen. Eine Vereinbarung könnte im Juni bekanntgegeben werden.

Wie teuer wird der Vergleich für Bayer?

Laut Bloomberg soll der Vergleich Bayer insgesamt zehn Milliarden Dollar kosten. Danach reichen die Entschädigungen – je nach Fall – von einigen Tausend Dollar bis hin zu einigen Millionen Dollar. Einige Kläger-Anwälte seien jedoch noch nicht bereit, einzulenken.

Kann Bayer einen Vergleich finanziell überhaupt stemmen?

Ganz klar: Ein Vergleich würde Bayer finanziell zwar weh tun, die Existenz des Unternehmens ist jedoch nicht gefährdet. Durch einige geplante Verkäufe kommt auch wieder Geld in die Kasse. So hat Bayer bereits vereinbart, seine Tiermedizin-Sparte für 7,6 Milliarden Dollar an das US-Unternehmen Elanco zu verkaufen.

Wie wahrscheinlich ist eine Einigung?

Der vom Gericht bestellte Mediator Ken Feinberg ist jedenfalls seit Monaten „vorsichtig optimistisch“. Grundsätzlich haben beide Parteien ein Interesse an einer Einigung. Für die Klägeranwälte ist es wenig sinnvoll, jahrelang zu prozessieren. Da ihre älteren, kranken Mandanten ja noch etwas von dem Geld haben sollen, ist eine frühzeitige Einigung angebracht. Die Gegenseite, Bayer, steht unter dem Druck der Aktionäre, die infolge der Glyphosat-Klagen massiv unter fallenden Kursen leiden. Drei Prozesse hat Bayer in den vergangenen gut anderthalb Jahren erstinstanzlich verloren; der Aktienkurs ging seither um etwa dreißig Prozent zurück.

Was bedeutet ein Vergleich für die Aktie?

Ein Vergleich zu einem angemessenen Preis würde die Bayer-Aktie nach oben treiben. Das zeigt sich bereits an der Börse. Nach der Bloomberg-Meldung legte die Bayer-Aktie um acht Prozent auf 62 Euro zu. Einen Betrag von zehn Milliarden Dollar halten viele Aktionäre für verkraftbar und machbar. Analysten sehen noch weiteres Steigerungspotenzial der Aktie.

Was sind jetzt noch die Knackpunkte?

Bayer hat auch aktuell noch einmal klargemacht, dass nur eine Lösung in Betracht kommt, die wirtschaftlich sinnvoll und so strukturiert ist, das auch künftige Rechtsstreitigkeiten zu einem Abschluss gebracht werden. Dies betrifft Patienten, die erst künftig eine Krebsdiagnose erhalten und für ihre Krankheit dann den Gebrauch von Glyphosat verantwortlich machen.

Worauf stützen sich die Kläger?

Die Argumente der Kläger gehen vor allem auf eine Studie der internationalen Krebsforschungsagentur IARC zurück, die Glyphosat 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ klassifizierte.

Welche Argumente hat Bayer noch?

Bayer bestreitet die Vorwürfe und ist gegen die erstinstanzlichen Urteile in Berufung gegangen. Das erste Urteil aus einem Berufungsverfahren wird im August erwartet. Bayer führt zudem zahlreiche Studien an, die belegen, dass Glyphosat bei sachgemäßer Anwendung sicher ist. Zuletzt erhielt der Konzern etwa Unterstützung von der US-Umweltbehörde EPA, die Glyphosat weiterhin für nicht krebserregend hält.

Und was ist, wenn ein Vergleich noch scheitert?

Das würde der Bayer-Aktie vermutlich schaden. Die meisten Aktionäre, etwa der Hedgefonds Elliott, setzen darauf, dass die Bayer-Aktie nach einem Vergleich wieder zulegt.

Mehr zum Thema
Konzernchef Baumann arbeitet am Comeback von Bayer. Wenn der Vergleich mit Klägern in den USA endlich gelungen ist, sollen neue Produkte und digitale Angebote beweisen, dass der Kauf von Monsanto doch eine gute Idee war. Mehr über Baumanns Strategie lesen Sie hier.

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