Bayer/Monsanto Neue Medikamente und alter Ärger

Chemiekonzern Bayer: Nach der Monsanto-Übernahme ist die Klageflut gegen Bayer wegen möglicher Gesundheitsschäden durch Glyphosat nach wie vor groß. Quelle: Bloomberg

Zuletzt wartete Bayer mit richtig guten Nachrichten aus der Medikamenten-Sparte auf. Doch die frohen Botschaften verfangen nicht, Milliardenrisiken aus der Monsanto-Übernahme belasten Bayer weiterhin.

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Genaueres erfahren die Aktionäre am 1. März. Dann stellt Bayer-Chef Werner Baumann die Bayer-Bilanz für 2021 vor. Im Jahr 2020 erreichte der Agrar- und Pharmakonzern Bayer einen Jahresumsatz von über 41 Milliarden Euro, für 2021 erwarten Analysten einen Umsatz von über 43 Milliarden Euro. Zuletzt lief es gut im Agrargeschäft, zu dem auch der 2016 übernommene US-Konzern Monsanto gehört. Und aus der Pharma-Sparte gab es zuletzt zahlreiche positive Neuigkeiten.

Etwa zum Thema Prostatakrebs, der zweithäufigsten Krebsart bei Männern. Das bereits auf dem Markt befindliche Bayer-Präparat Nubeqa lieferte erfolgreiche Studiendaten – und könnte der neue Blockbuster werden. Bayer traut seinem Prostatakrebsmittel einen jährlichen Spitzenumsatz von über drei Milliarden Euro zu. Für das Nierenmedikament Kerendia, das kürzlich die EU-Zulassung erhielt, sieht Bayer einen jährlichen Spitzenumsatz von etwa einer Milliarde Euro. Ebenso bei dem Mittel Elinzanetant, das Frauen bei Beschwerden in den Wechseljahren helfen soll; für das Hormonpräparat läuft gerade die entscheidende Studie. Auch das Herzpräparat Vericiguat, seit einigen Monaten in Europa zugelassen, soll für steigende Pharma-Umsätze sorgen.

Testosteron-Präparat vor Verkauf

Die neuen Top-Präparate könnten so die drohenden Umsatzrückgänge beim Schlaganfall-Prophylaxe-Mittel Xarelto auffangen, dessen Patente in einigen Jahren auslaufen. 2021 dürfte Xarelto einen Jahresumsatz von mehr als vier Milliarden Euro eingefahren haben. Gleichzeitig trennt sich Bayer im Pharmageschäft auch von Randbereichen: Das Hormonersatzpräparat Nebido – für Männer mit genetisch oder durch Krankheiten bedingten Testosteronmangel – soll zum Verkauf stehen.

Doch so richtig verfangen haben all die guten Nachrichten aus der Pharmasparte an der Börse nicht. Neben dem Krieg in der Ukraine und den weltwirtschaftlichen Unsicherheiten drücken vor allem die immer noch ungelösten Rechtsrisiken aus der Monsanto-Übernahme auf den Bayer-Aktienkurs. Immer noch sieht sich Bayer in den USA Tausenden Produkthaftungsklagen ausgesetzt. Die Kläger argumentieren, dass Glyphosat – der Wirkstoff des Monsanto-Pflanzenschutzmittels Roundup – Krebs verursacht. Bayer bestreitet dies anhand zahlreicher Studien. In diesem Jahr könnte das Oberste Gericht der USA, der Supreme Court, endgültig über die Causa Glyphosat entscheiden. Sofern die Richter im Sinne Bayers votieren, wären die Rechtsrisiken mit einem Schlag vom Tisch. Dann dürfte die Aktie auch wieder steigen. Infolge der Monsanto-Übernahme hat das Bayer-Wertpapier rund fünfzig Prozent seines Wertes verloren.

Zuletzt hat auch der für das Agrargeschäft zuständige Vorstand Liam Condon Bayer verlassen. In der Vergangenheit hatte die Agrarsparte nicht nur heftige Kursverluste, sondern auch Milliardenabschreibungen ausgelöst. Condon war – neben Bayer-Chef Werner Baumann – einer der Protagonisten des Monsanto-Deals. Baumanns Vertrag läuft 2024 aus. Bis dahin soll er nicht nur für weiterhin gute Nachrichten aus dem Pharmageschäft sorgen, sondern vor allem  die milliardenschweren  Rechtsrisiken aus der Monsanto-Übernahme endgültig lösen.        

Mehr zum Thema: Wegen der Monsanto-Übernahme klagen am Kölner Landgericht Hunderte Investoren gegen Bayer. Sie wollen ihre Kursverluste wettmachen. Die Forderungen summieren sich auf 2,2 Milliarden Euro.


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