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Bayer-Tochter Frankreich nimmt Ermittlungen gegen Monsanto auf

Bayer steht wegen der milliardenschweren Übernahme von Monsanto und den Problemen mit dem Unkrautvernichter Roundup unter immer größer werdendem Druck. Quelle: dpa

Die französische Staatsanwaltschaft hat eine vorläufige Untersuchung gegen Bayers Saatgut-Tochter Monsanto aufgenommen. Aus Leverkusen heißt es, man nehme die Vorwürfe „sehr ernst“.

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Dem Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer droht wegen seiner amerikanischen Saatgut-Tochter Monsanto erneut Ärger. Die französische Staatsanwaltschaft eröffnete am Freitag eine vorläufige Untersuchung gegen Monsanto. Den Amerikanern wird laut Medienberichten vorgeworfen, eine Liste mit rund 200 Kritikern in Frankreich angelegt zu haben, um diese später zu beeinflussen. Dazu zählten Journalisten und Abgeordnete.

Man wisse derzeit nicht, auf welche Dokumente sich die Vorwürfe bezögen, erklärte ein Sprecher von Bayer. Daher könne man sich momentan zu dem Vorgang nicht äußern. „Wir nehmen die erhobenen Vorwürfe sehr ernst.“

Bayer steht wegen der milliardenschweren Übernahme von Monsanto ohnehin unter Druck. Die Aktionäre hatten der Führung vor kurzem einen historischen Denkzettel verpasst. Auf der Hauptversammlung wurde der Vorstand nicht entlastet. Werner Baumann ist damit der erste amtierende Vorstandschef eines Dax-Konzerns, dem die Anteilseigner das Vertrauen entzogen haben. Sie kritisieren vor allem die teure Übernahme des US-Rivalen Monsanto, der das umstrittene Pflanzengift Glyphosat herstellt.

Dass Baumann seinen Posten bald los ist, gilt jedoch als eher unwahrscheinlich. So scheint es den Aktionären bei diesem Schritt vor allem um den Denkzettel, nicht um eine ernsthafte Führungsdebatte gegangen zu sein. „Ein neues Management würde das Chaos nur noch vergrößern“, sagte beispielsweise Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei der Fondsgesellschaft Deka Investment, gegenüber der WirtschaftsWoche. Zudem kann sich Baumann der Unterstützung des Aufsichtsrats, insbesondere des Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Wenning, sicher sein.

Nichtsdestotrotz wirkt die Monsanto-Übernahme von Tag zu Tag mehr wie Bayers Öffnen der Büchse der Pandora. Seit die Leverkusener den Glyphosat-Entwickler im vergangenen Sommer kauften, rollt eine Prozesslawine auf den Konzern zu. Inzwischen sieht sich Bayer mit Monsanto in den USA mit rund 13.400 Klägern wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des Herbizids konfrontiert. In zwei Fällen wurde das Unternehmen bereits zu millionenschweren Schadenersatzzahlungen verurteilt. Bayer hat zwar Berufung eingelegt oder dies angekündigt, viele Experten gehen aber letzten Endes von einem teuren Vergleich aus. Derzeit sei es aber noch viel zu früh für eine mögliche Entscheidung darüber, hatte Vorstandschef Baumann kürzlich gesagt. Manche Analysten haben für einen Vergleich Kosten von 15 bis 20 Milliarden Euro prognostiziert.

Nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's kann Bayer einen möglichen Vergleich angesichts der Glyphosat-Klagewelle von bis zu fünf Milliarden Euro verkraften. In diesem Fall dürfte der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern, auch dank hoher Einnahmen durch den geplanten Verkauf von Unternehmensteilen, seine Kreditqualität behalten, schätzt die Ratingagentur. Eine Zahlung von 20 Milliarden Dollar bei niedrigeren Verkaufseinnahmen dürften für Bayer aber schwerer zu verdauen sein und zu einer deutlichen Verschlechterung der Kreditqualität beitragen. Diese Szenarien seien aber rein hypothetisch, betonte Moody's zuletzt.

Unabhängig von den Ergebnissen vor Gericht sieht Moody's Bayer vor erheblichen Reputationsrisiken. „Die anhaltende öffentliche Debatte könnte die Nachfrage beeinträchtigen, während auch die Gefahr besteht, dass Regulierungsbehörden wie die Europäische Union Lizenzen für die Verwendung von Glyphosat widerrufen“, erklärte Martin Kohlhase, Senior Credit Officer bei der Ratingagentur.

Seit dem Kauf im vergangenen Sommer hat Bayer gut 38 Milliarden Euro an Börsenwert verloren.

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