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Bayer Zum letzten Mal mit Chemie

In diesem Jahr bilanziert Bayer zum letzten Mal sein Chemiegeschäft. Spätestens Mitte 2016 verabschiedet sich der Konzern von der Sparte. Die großen Umsätze macht Bayer längst woanders.

Logo der Bayer AG Quelle: dpa

Seine Erfolge feiert der Chemiekonzern Bayer (Umsatz 2013: 40 Milliarden Euro) längst woanders - bei Gesundheit und Pflanzenschutz. Allein das Geschäft mit Pillen und Salben macht schon etwa die Hälfte des Konzernumsatzes aus – und steht für zwei Drittel des Konzerngewinns. Hingegen erwirtschaftet Bayer mit seinen hochwertigen Chemieprodukten und Kunststoffen zwar noch ein Viertel des Konzernumsatzes, aber gerade mal acht Prozent des Gewinns.

Vor diesem Hintergrund war dann Bayer-Chef Marijn Dekkers nicht mehr bereit, die hohen Investitionen in die Chemie zu finanzieren. Bis spätestens Mitte 2016 will sich der Konzern nun von der Chemie trennen. Das Geschäft soll bevorzugt an die Börse gebracht werden; auch ein möglicher Verkauf wird weiterhin diskutiert.

An diesem Donnerstag stellt Bayer-Chef Marijn Dekkers die Bayer-Bilanz für 2014 vor – und gibt einen Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr. 2015 ist schließlich das letzte Jahr, in dem die Chemiegeschäfte vollständig bilanziert werden.

Bayer - mehr als 150 Jahre Unternehmensgeschichte
Bayer blickt zurück auf eine wechselvolle Geschichte. Der Konzern hat bahnbrechende Medikamente wie Aspirin erfunden, aber auch Heroin als Arznei verkauft. Bayer schuf bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts Wohltaten für die eigenen Mitarbeiter, gründete Sportvereine und Werksbüchereien - und rekrutierte andererseits als Teil der I.G. Farben während des Zweiten Weltkrieges Tausende Zwangsarbeiter, die unter menschenunwürdigen Bedingungen schufteten. Wie alles begann... Quelle: dpa
1863Am 1. August gründen der Kaufmann Friedrich Johann Bayer und der Färber Johann Friedrich Weskott die "Friedr. Bayer et comp.". Sitz der Gesellschaft ist Wuppertal, Zweck die Produktion von Farbstoffen. Quelle: Presse
1876Das junge Unternehmen expandiert rasch im Ausland. Erste Produktionsbetriebe entstehen – zunächst in Russland, später auch in Frankreich, England und den USA. Quelle: Presse
1898Das Unternehmen lässt sich Heroin als Warenzeichen schützen. Den Bayer-Chemikern gilt Heroin als ungefährliches, nahezu nebenwirkungsfreies Medikament, das die Atmung beruhigt. Nach der Einnahme sollen sich die Bayer-Arbeiter "heroisch" gefühlt haben - davon soll sich der Name Heroin ableiten. Bis 1915 produziert die Farbenfabrik jährlich eine knappe Tonne Heroin; das angebliche Medikament wird bald in 22 Länder exportiert. Erst 1931 stellte Bayer die Produktion ein. Quelle: Gemeinfrei
1899Unter der Nummer 36433 wird das Medikament Aspirin in die Warenzeichenrolle des Kaiserlichen Patentamtes in Berlin aufgenommen. Entdeckt wurde Aspirin von dem jungen Chemiker und Pharmakologen Felix Hoffmann, der seinem rheumakranken Vater mit einem Antischmerzmittel helfen wollte. Bis heute ist Aspirin das bekannteste Bayer-Produkt. Quelle: Creative Commons-Lizenz
1904Die Bayer-Arbeiter bekommen einen Sportverein. Der TuS 04 Leverkusen gründet sich – der Vorläufer des heutigen TSV Bayer 04 Leverkusen, der vor allem durch seine Fußball-Bundesligamannschaft bekannt ist. Quelle: Presse
1912Carl Duisberg wird Generaldirektor, Leverkusen Firmensitz. Der Standort Wuppertal ist zu klein geworden; Duisburg entwickelt einen Plan für ein neues Chemiewerk in Leverkusen. Die Wahl des neuen Hauptstandorts stößt nicht überall auf Begeisterung. Bayer-Arbeiter reimen ein Klagelied: "Kann er einen nicht verknusen, schickt er ihn nach Leverkusen. Dort, an diesem End der Welt, ist man ewig kaltgestellt." Quelle: Gemeinfrei

2014, soviel ist sicher, dürfte auf jeden Fall ein gutes Bayer-Jahr werden; die meisten Analysten erwarten steigende Umsätze und Gewinne. Bayer selbst rechnet mit einer Umsatzsteigerung von 40 auf 42 Milliarden Euro. Den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) will Bayer „im mittleren einstelligen Prozentbereich“ steigern.

Bei Gesundheit und Pflanzenschutz laufen die Geschäfte gut – dank einer Reihe neuer Medikamente gegen Krebs, Schlaganfall oder Augenerkrankungen. Das Pflanzenschutzgeschäft entwickelte sich deutlich besser als etwa beim Konkurrenten BASF.

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Fast nur aufwärts dank Pharma

Für Aufregung sorgen eigentlich nur Personalien: Der Leiter der Gesundheitssparte, Olivier Brandicourt, verlässt Bayer, um zum 1. April Chef des französischen Pharmakonzerns Sanofi zu werden. Dessen Posten übernimmt Bayer-Strategievorstand Werner Baumann, der gute Chancen hat, Ende 2016 Bayer-Chef Marijn Dekkers zu beerben.

Brandicourt hatte es gerade mal anderthalb Jahre auf seinem Posten gehalten, auch die Verweildauer seiner Vorgänger auf diesem Posten war nur kurz. Dem Geschäft scheinen die ständigen Wechsel an der Spitze allerdings nichts auszumachen.

Vor allem dank Pharma ging es für die Bayer-Aktie im vergangenen Jahr fast nur aufwärts. Mittlerweile hat Bayer einen Börsenwert von über 100 Milliarden Euro erreicht – und ist damit wertvollste Unternehmen Deutschlands. Für die Aktionäre hatte Bayer-Chef Dekkers denn auch schon vorab eine gute Nachricht: Die Dividende steigt um 15 Cent auf 2,25 Euro.

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