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BergbaukonzernRio Tinto: Umweltproteste verhindern Lithium-Abbau in Serbien

Die serbische Regierung untersagt ein umstrittenes Förderprojekt des australischen Konzerns. Das könnte auch mit Novak Djokovic zusammenhängen. 21.01.2022 - 17:16 Uhr

Die Beziehungen Serbiens zu Australien litten zuletzt unter dem Streit über die Teilnahme des serbischen Tennisstars Novak Djokovic an den Australian Open.

Foto: Reuters

Proteste von Umweltschützern haben ein milliardenschweres Projekt des Bergbaukonzerns Rio Tinto zum Lithium-Abbau in Serbien zu Fall gebracht. Die Aktien des britisch-australischen Unternehmens setzten am Freitag ihre Talfahrt an der Londoner Börse fort, nachdem die serbische Regierung am Donnerstagabend die Abbaulizenzen wegen Umweltbedenken widerrufen hatte.

Dem waren wochenlange Proteste der Bevölkerung gegen die geplante Mine im westserbischen Jadar-Tal vorausgegangen. Rio Tinto wollte mit dem 2,4 Milliarden Dollar schweren Vorhaben - seinem bislang einzigen zur Förderung von Lithium, einem wichtigen Rohstoff für E-Autobatterien - zum größten Produzenten in Europa und einem der zehn größten weltweit aufsteigen.

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Vor Kurzem erst war wegen Verzögerungen im Genehmigungsprozess der Produktionsbeginn um ein Jahr auf 2027 verschoben worden. Die serbische Regierungschefin Ana Brnabic begründete die Entscheidung mit Forderungen von Umweltschützern. Nach deren Ansicht würde die Mine Land und Grundwasser verschmutzen. Der Bergbaukonzern habe die anliegenden Gemeinden nicht ausreichend informiert, hielt Brnabic Rio Tinto vor. Das Unternehmen hatte früher erklärt, sich an Gesetze zu halten und den Dialog zu suchen.
Serbien steht vor der Wahl im April. Die Beziehungen zu Australien litten zuletzt unter dem Streit über die Teilnahme des serbischen Tennisstars Novak Djokovic an den Australian Open. Der Weltranglistenerste wurde kurz vor Beginn des Turniers zur Abreise gezwungen, weil die australische Regierung sein Visum annulierte. Djokovic hatte im Dezember auf Instagram ein Foto der Umweltproteste mit einem unterstützenden Kommentar gepostet. In den sozialen Medien machte nach der Absage an das Projekt der Jux die Runde, Rio Tinto sei jetzt so wie Djokovic ausgewiesen worden.

Der Bergbaukonzern erklärte, er sei äußerst besorgt über den Beschluss der Regierung in Belgrad und werde deren Rechtsbasis überprüfen. Der Konzern hat bereits 450 Millionen Dollar für Machbarkeitsstudien und andere Untersuchungen zu dem Projekt ausgegeben. Die Regierung Australiens erklärte, sie bedaure den Rückzug. „Wir weisen auf die großen wirtschaftlichen Vorteile der beachtlichen Investition von Rio Tinto in Serbien hin.“

Der Verzicht Serbiens könnte sich auch auf die Versorgung der Autoindustrie mit dem Batterierohstoff auswirken. Die Kapazität wurde auf 58.000 Tonnen Lithiumcarbonat pro Jahr taxiert, genug für eine Million E-Autos. Es wäre die größte Förderung in Europa gewesen - und ein wichtiger Beitrag dazu, den Kontinent von Lithium-Importen unabhängiger zu machen. Schon jetzt ist der Rohstoff knapp und würde es nach bisheriger Prognose die nächsten drei Jahre bleiben, erklärten Experten. Das könne sich durch den Ausfall der Rio-Tinto-Lieferungen noch länger hinziehen und die Lithium-Preise weiter in die Höhe treiben. „Wir sind an einem Punkt, wo das Lithium-Angebot das Tempo des Hochlaufs von Elektroautos bestimmen wird“, sagte Saul Kanovic, Analyst von Credit Suisse.

Mehr zum Thema: Europa braucht Lithium für den Bau von Elektroautos – ist bisher aber komplett auf Importe angewiesen. Die EU-Kommission will den Abbau europäischer Vorkommen vorantreiben. Doch die Projekte stagnieren, wie Satellitenbilder zeigen.

rtr
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