WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Bilanzbetrug Olympus ist nur die Spitze des Eisbergs

Der Bilanzbetrug bei dem Kamerahersteller steht für die großen Kontrollschwächen in vielen japanischen Unternehmen.

Fragliche Unternehmens-Kultur in Japan - Tepco, Toyota und Olympus, die Wahrheit scheint es schwer zu haben Quelle: REUTERS

Die Wahrheit hat es schwer in japanischen Unternehmen. Jahrelang leugnete der Autobauer Toyota jeden Zusammenhang zwischen klemmenden Gaspedalen und tödlichen Unfällen. Auch der Versorger Tepco enthüllte im Frühjahr das Ausmaß des Atomdesasters in Fukushima nur scheibchenweise. Und der Optikspezialist Olympus räumte erst nach wochenlangen Dementis am vergangenen Dienstag Bilanzfälschungen in großem Stil ein. Bei mindestens vier Firmenübernahmen wurden noch aus den Neunzigerjahren durchgeschleppte Investmentverluste versteckt, wie der neue Chef Shuichi Takayama zugab.

Nippons Skandalkette
Bei einer Übernahme flossen dubiose 700 Millionen Dollar Provision, Olympus-Präsident Shuichi Takayama gestand erst spät. Quelle: REUTERS
Daio Paper 2011 Branche. Papierindustrie Ex-Chairman Motoka Ikawa lieh sich von sieben Tochterfirmen 93 Millionen Euro - niemand unternahm etwas dagegen Quelle: obs
Livedoor 2006 Branche: Internet Firmengründer Takafumi Horie fälschte Geschäftsberichte und sitzt dafür seit Kurzem im Gefängnis Quelle: AP
Nikko Cordial 2006 Branche: Wertpapierhandel Der CEO duldete Verschiebung von Gewinnen aus Wertpapiergeschäften in andere Firmen der Gruppe: 6,5 Millionen Dollar Strafe Quelle: REUTERS

In Luft aufgelöst

Um diese zu tarnen, zahlte das Unternehmen für eine 1,9 Milliarden Dollar teure Firmenübernahme die Horrorprovision von knapp 700 Millionen Dollar an ominöse Berater.

Die Chronologie des Olympus-Skandals

Inzwischen hat die Polizei in Tokio mit Ermittlungen gegen das Unternehmen begonnen, die Börse in Tokio hat den Konzern auf ihre Kontrollliste für eine mögliche Streichung vom Kurszettel gesetzt. Prompt stürzte die Olympus-Aktie um weitere 17 Prozent auf den tiefsten Stand seit 1980. Damit haben sich seit Bekanntwerden der Affäre Mitte Oktober mehr als drei Viertel des Unternehmenswertes in Luft aufgelöst.

Korpsgeist in Chefetagen

Nippons Firmen, lange wegen ihrer Verquickung mit dem Staat und untereinander als Japan AG verspottet, sind trotz mancher Veränderungen noch immer weit von einer guten Unternehmensführung entfernt. Bilanzmanipulationen wie bei Olympus gibt es zwar überall. Doch Vorkehrungen, die solche Missstände verhindern sollen, fehlen in Japan ganz oder funktionieren nicht richtig.

Formal unabhängige Verwaltungsräte wie in den USA verstehen sich nach wie vor kaum als Kontrolleure, sondern nicken bei den wenigen Board-Sitzungen ab, was der Vorstand ihnen vorsetzt. Dadurch können Manager Fehler verheimlichen und die Interessen der Aktionäre vernachlässigen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%