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Bilfinger Sollbruchstellen im "Koch-Studio"

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Kämpfe hinter den Kulissen


Klaus Raps war von 2007 bis 2012 Vorstands-Mitglieder bei Bilfinger Berger. Quelle: Presse

Im September 2012 hatte Koch auch schon den langjährigen Vorstand Klaus Raps geschasst – ebenfalls wegen „unterschiedlicher Auffassungen über die Umsetzung der Geschäftspolitik“. Das war insofern erklärbar, weil Raps den Hochbau verantwortet – genau die Sparte, die Bilfinger schon unter Koch-Vorgänger Bodner immer weiter zurück gefahren hat, um vom Bau- zum Dienstleistungs-Konzern zu werden. Für den Töpfer-Abgang aber fehlt - vorerst zumindest - eine plausible strategische Erklärung, die Analysten, Aktionäre und Mitarbeiter überzeugen kann. An der Aufgabe, Töpfer einzubinden, ist Koch gescheitert. Seine nächste Aufgabe, nun Töpfers Mannschaft einzubinden, wird umso schwerer

Unklar ist auch, ob Koch mehr Antreiber ist oder Getriebener. Der Finanzinvestor Cevian hat seinen Anteil an Bilfinger peu á peu auf inzwischen 19 Prozent gesteigert und erwartet, dass sich seine Investments schnell rentieren. Schon beim Lastwagenbauer Volvo, beim Versicherer Skandia und beim Rückversicherer Munich Re erstritt Cevian Korrekturen der Unternehmensstrategie. Koch versucht womöglich vorauseilend, die Wünsche des aggressiven Anteilseigners zu erfüllen, bevor es öffentlich Krach gibt auf der nächsten Hauptversammlung – und mit Blick auf die von Koch erwünschte und keineswegs sichere Verlängerung seines Vertrages für noch einmal fünf Jahre ab 2016.

Industrie



Anders als in Essen, wo der spanische Hochtief-Chef Marcelino Fernández ohne Rücksicht auf seinen Ruf im Management innerhalb eines Jahres ein wahres Blutbad angerichtet hat, muss der Ex-Politiker aber erklären, woran sich sein Geist und der Töpfers denn tatsächlich schieden bei dem massiven Bilfinger-Konzernumbau. Vermutlich ist der gleichzeitig verkündete Personalabbau einer der Gründe. Töpfer sagte offenbar Nein zu Kochs Plan, die Eigenständigkeit der Industrieservicesparte zu beenden. Genau dort, in Töpfers autarkem Reich in München, sollen Verwaltungsaufgaben abgebaut und in die von Mannheim gesteuerte Zentralverwaltung integriert werden.

„Noch steckt Sand im Getriebe des Netzwerks“ von Bilfinger, schrieb die WirtschaftsWoche April 2012, und am „bisher selbstverständlichen Ressortegoismus“ könne der Seitenwechsler und Jung-Manager scheitern. Nun wird sichtbar, dass es so ist. Es wird gekämpft hinter den scheinbar friedlichen Kulissen des Roland-Koch-Studios, und zwar brutalstmöglich.

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