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Bilfinger Sollbruchstellen im "Koch-Studio"

Aufruhr bei einem M-Dax-Glanzlicht. Warum Bilfinger-Chef Roland Koch seinen Vorstandskollegen Thomas Töpfer entlässt und 1250 Stellen abbaut.

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Bilfinger-Chef Roland Koch war sich mit Vorstand Thomas Töpfer offenbar über den Personalabbau nicht einig. Töpfer verlässt das Unternehmen. Quelle: REUTERS

Klar, Besserwisserei ist nicht sympathisch. Aber nun mögen wir uns doch - für alle am Geschick des Bilfinger-Konzerns Interessierten - nicht den arroganten Hinweis verkneifen: Die einen sind überrascht, dass es bei dem vermeintlich friedlichen M-Dax-Glanzlicht in Mannheim plötzlich offenen Disput gibt mitsamt Personalabbau und krachendem Vorstands-Rauswurf – und die anderen haben im April 2012 WirtschaftsWoche gelesen.

Rückblick: Kochs Zwischenbilanz ein Jahr nach dem Wechsel von der Politik ins Top-Management fiel nicht schlecht aus. Aber damals schon waren Sollbruchstellen im Bilfinger-Reich erkennbar. Vor allem die Sparte BIS (Bilfinger Industrial Services) - entstanden aus dem 2002 gekauften Industriedienstleister Rheinhold & Mahla – beschrieb ein Insider als "Konzern im Konzern". Bei der Übernahme brachten die Münchner 732 Millionen Euro Umsatz und 8500 Mitarbeiter mit. Heute erwirtschaftet BIS dank weiterer Zukäufe mit 3,6 Milliarden Euro zwei Fünftel Prozent des Konzernumsatzes und stellt die Hälfte der Belegschaft. BIS-Chef Thomas Töpfer, 52, ein Rheinhold & Mahla-Mann, galt als Nachfolgekandidat des langjährigen Bilfinger-Chefs Herbert Bodner. Aber Quereinsteiger Koch bekam den Job. So was geht nur manchmal gut.

Gleichzeitig stand Koch vor der Aufgabe, aus dem bisher eher lockeren Zusammenschluss von mehr als 500 Bilfinger-Einzelfirmen in aller Welt ein erkennbar einheitliches Unternehmen und ein kooperierendes Netz zu machen - Kochs Großprojekt seiner bis Mitte 2016 dauernden Amtszeit. Doch der Umbau war nur mit dem BIS-Urgestein Töpfer zu leisten, nicht gegen ihn. "Die alten Hasen wollen sich nicht in die Karten gucken lassen", unterstellte ein Bilfinger-Kenner den Industriedienstleistern um Töpfer. Mit einem "Mia-san-mia-Gefühl" schauten die Bilfinger-Bajuwaren auf den Rest der Mannschaft herab.

Koch fordert konzerninternen Austausch. Aber Wissen und Geschäftskontakte mit anderen Sparten zu teilen, die dann mit besseren Ergebnissen glänzen können, ist nicht wirklich im Interesse der starken Industrie-Dienstleister.

Thomas Töpfer scheidet zum 31. Oktober aus dem Bilfinger-Konzern aus. Quelle: Presse

Töpfer, geht nun, weil „unterschiedliche Auffassungen über die Umsetzung der Geschäftspolitik bestehen“, schrieb Bilfinger gestern in der abends um halb zehn verschickten Pressemitteilung. Klarer kann man nicht sagen, dass es fundamentale Probleme gibt bei dem Konzern, der nun von weltweit 70 000 Mitarbeitern 1250 in der Verwaltung abbauen will – erst einmal - und künftig pro Jahr 170 Millionen Euro an Personal- und Sachkosten einsparen soll.

Kämpfe hinter den Kulissen


Klaus Raps war von 2007 bis 2012 Vorstands-Mitglieder bei Bilfinger Berger. Quelle: Presse

Im September 2012 hatte Koch auch schon den langjährigen Vorstand Klaus Raps geschasst – ebenfalls wegen „unterschiedlicher Auffassungen über die Umsetzung der Geschäftspolitik“. Das war insofern erklärbar, weil Raps den Hochbau verantwortet – genau die Sparte, die Bilfinger schon unter Koch-Vorgänger Bodner immer weiter zurück gefahren hat, um vom Bau- zum Dienstleistungs-Konzern zu werden. Für den Töpfer-Abgang aber fehlt - vorerst zumindest - eine plausible strategische Erklärung, die Analysten, Aktionäre und Mitarbeiter überzeugen kann. An der Aufgabe, Töpfer einzubinden, ist Koch gescheitert. Seine nächste Aufgabe, nun Töpfers Mannschaft einzubinden, wird umso schwerer

Unklar ist auch, ob Koch mehr Antreiber ist oder Getriebener. Der Finanzinvestor Cevian hat seinen Anteil an Bilfinger peu á peu auf inzwischen 19 Prozent gesteigert und erwartet, dass sich seine Investments schnell rentieren. Schon beim Lastwagenbauer Volvo, beim Versicherer Skandia und beim Rückversicherer Munich Re erstritt Cevian Korrekturen der Unternehmensstrategie. Koch versucht womöglich vorauseilend, die Wünsche des aggressiven Anteilseigners zu erfüllen, bevor es öffentlich Krach gibt auf der nächsten Hauptversammlung – und mit Blick auf die von Koch erwünschte und keineswegs sichere Verlängerung seines Vertrages für noch einmal fünf Jahre ab 2016.

Industrie



Anders als in Essen, wo der spanische Hochtief-Chef Marcelino Fernández ohne Rücksicht auf seinen Ruf im Management innerhalb eines Jahres ein wahres Blutbad angerichtet hat, muss der Ex-Politiker aber erklären, woran sich sein Geist und der Töpfers denn tatsächlich schieden bei dem massiven Bilfinger-Konzernumbau. Vermutlich ist der gleichzeitig verkündete Personalabbau einer der Gründe. Töpfer sagte offenbar Nein zu Kochs Plan, die Eigenständigkeit der Industrieservicesparte zu beenden. Genau dort, in Töpfers autarkem Reich in München, sollen Verwaltungsaufgaben abgebaut und in die von Mannheim gesteuerte Zentralverwaltung integriert werden.

„Noch steckt Sand im Getriebe des Netzwerks“ von Bilfinger, schrieb die WirtschaftsWoche April 2012, und am „bisher selbstverständlichen Ressortegoismus“ könne der Seitenwechsler und Jung-Manager scheitern. Nun wird sichtbar, dass es so ist. Es wird gekämpft hinter den scheinbar friedlichen Kulissen des Roland-Koch-Studios, und zwar brutalstmöglich.

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