Bilfinger Utnegaards Skizze für einen Neuanfang bei Bilfinger

Optisch erschien Bilfinger bei der Pressekonferenz in Mannheim noch wie der Bilfinger-Konzern Roland Kochs. Die unter der Regie des Ex-Politikers und gescheiterten Ex-Managers erfundene Endlosschleife prangte als Logo hinter der Vorstandsriege auf dem Podium.

Der Vorstandsvorsitzende des Bau- und Industriedienstleisters Bilfinger, Per Utnegaard Quelle: dpa

Kochs neue Firmen-Farben - ein kräftiges Blau und ein knalliges Gelb mit Grünstich - leuchten in einem Lichtband in der Front des Vorstandstischs und prägten vom Kugelschreiber bis zur Pressemappe die Utensilien der Veranstaltung.

Inhaltlich jedoch skizziert der neue Vorstandschef Per Utnegaard ein Unternehmen, das die Ära Koch als einen einzigen Irrtum erscheinen lässt:

- Für Koch waren die drei Säulen des Dienstleistungskonzerns - Energieservice, Industrieservice sowie Facility Management und Hochbau - unantastbar. Utnegaard hingegen stützt sich nur noch auf zwei - der desolate Energieservice wird verkauft.

- Koch schuf aufwändige Programme, um Synergien zwischen den drei Standbeinen zu heben. Utnegaard sagt schlicht, zwischen den beiden verbleibenden Sparten "gibt es keine Synergien".

- Koch entmachtete die eigenständig agierenden Bereichsmanager und zerschlug ihre Verwaltungseinheiten zugunsten einer starken Zentrale. Utnegaard verkündet zwei Jahre später die radikale Kehrtwende und postuliert "mehr Freiheit für die Segmente".

Das Bilfinger-Geschäftsjahr 2014 nach Sparten

Gut an den neuen Bilfinger-Leitplanken des Norwegers mit dem schweizerischen Akzent ist die Verbindlichkeit. Hinter Utnegaard steht der Großaltionär Cevian, der sein spektakuläres Fehlinvestment mit Hilfe des früheren Swissport-Chefs retten will. Auch im Vorstand, in dem nur noch der smarte Bau- und Facitlity-Chef Jochen Keysberg mit 20 Jahren Firmenzugehörigkeit die erst erfolgreiche und dann desaströse Wandlung vom Bau- zum Dienstleistungskonzern selbst erlebt hat, hat Utnegaard keinen Gegenspieler. Koch hingegen musste stets um sein Standing kämpfen - und schasste letztendlich die Falschen.

Viele Entscheidungen stehen noch aus

Mehr als eine Skizze allerdings ist Utnegaards Vision des tief abgestürzten M-Dax-Unternehmens nicht. Viel Substanzielles entscheidet sich frühestens 2016:

- Findet Utnegaard einen Käufer für die Power-Sparte? Angeblich gibt es Interessenten, die die Sparte en bloc übernehmen würden. Wie viel und was muss Utnegaard drauf legen, um das perspektivlose Sammelsurium von Unternehmen los zu werden?

- Akzeptieren die Kunden die nun verkündete Beschränkung auf Europa als Kernmarkt Bis jetzt hieß es stets, ein Dienstleister wie Bilfinger müsse den großen Kunden bei deren Investitionen im Ausland stets folgen, weil die alles aus einer Hand wollten. Gilt das nicht mehr?

- Zieht die gebeutelte Mannschaft mit beim Gesundschrumpfen von ehemals acht auf nur noch fünf Milliarden Euro Umsatz im neu definierten Kerngeschäft? Oder ist die Luft raus aus der Bilfinger-Truppe, die nie ein richtiges Team war?

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Unbeantwortet blieb an diesem Donnerstag auch die Frage, warum die beiden unzusammenhängenden Unternehmensteile, die Utnegaard führen will, überhaupt zusammen bleiben sollen. Einem Vergleich mit breit aufgestellten Konzernen wie General Electric, Siemens oder Mitsubishi hält Bilfinger nicht stand. Die genannten haben eine eigene DNA.

Die DNA von Bilfinger hingegen wirkt heute wie aufgelöst - aufgerieben und verbraucht in desorientierten Strategiewechseln, wahllosen Firmenkäufen und katastrophalem Missmanagement. Die wird der Management-Import aus Zürich, der gerade eine Wohnung in oder um Mannheim herum sucht, kaum ersetzen können.

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