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Biotech-Urgestein Thermo Fisher übernimmt Qiagen wohl doch

Das Hildener Biotechnik-Unternehmen Qiagen wird wohl von Thermo Fisher Scientific aufgekauft. Quelle: dpa

Ende 2019 war eine Übernahme noch am Veto der Qiagen-Geschäftsführung gescheitert – nun wird das deutsche Biotech-Unternehmen wohl doch vom US-Konzern Thermo Fisher Scientific aufgekauft.

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Nach einigem Hin und Her wird Qiagen nun wohl doch vom US-Technologiekonzern Thermo Fisher Scientific geschluckt. Thermo Fisher bietet den Aktionären des deutschen Gendiagnostik- und Biotechkonzerns 39 Euro je Aktie, wie beide Unternehmen am Dienstag mitteilten. Die Offerte liegt fast 23 Prozent über dem Schlusskurs vom Montag. Ende 2019 hatte Qiagen bereits mehrere Interessensbekundungen für eine Übernahme erhalten, der Aktienkurs war damals stark gestiegen, bis auf die nun gebotenen 39 Euro. Die Chefetage schob dem Verkauf dann aber einen Riegel vor, woraufhin der Kurs einbrach.

Inklusive Schulden wird Qiagen damit im Übernahmeangebot mit 10,4 Milliarden Euro bewertet. Die Transaktion soll in der ersten Jahreshälfte 2021 erfolgen, sofern genug Aktionäre das Angebot annehmen um Thermo Fisher die Übernahme von mindestens 75 Prozent des Grundkapitals zu sichern. Auch die Finanzaufsichtsbehörde BaFin muss noch zustimmen.

Qiagen ist auf Erbgutanalyse spezialisiert. In der Polizeiarbeit, etwa um Spuren an Waffen zu sichern, kommt die Technologie ebenso zum Einsatz wie bei Vaterschaftstests und bei der Analyse von Gewebeproben bei der Krebs-Diagnose. Ärzte können ihre Behandlung dann besser abstimmen, wenn sie wissen, um welche Mutation es sich genau handelt.

Zuletzt lieferte Qiagen auch neue Testkits zum Nachweis des Corona-Virus an vier Krankenhäuser in China. Sie sollen innerhalb einer Stunde verlässliche Ergebnisse liefern – im Gegensatz zu den aktuell üblichen, aufwändigeren Labortests, bei denen bis zur Übermittlung der Ergebnisse bis zu 24 Stunden verstreichen. Weitere Test-Kits sollen an öffentliche Gesundheitseinrichtungen in der ganzen Welt geliefert werden, wie Qiagen mitteilte.

Wer hinter dem Bieterkampf Ende 2019 steckte gab, Qiagen damals nicht bekannt. Aus Branchenkreisen war aber durchgedrungen, dass auch Thermo Fisher Scientific unter den Bewerbern war. Dem US-Konzern galt damals aufgrund möglicher besonders hoher Synergieeffekte als Favorit für eine Übernahme. Im nun vorliegenden Übernahmeangebot nennt Thermo Fisher ein Ziel von 200 Millionen Dollar Einsparungen durch Synergien in den ersten drei Jahren.
Die Übernahmeideen kamen auf, weil Qiagen eine ungewöhnliche Schwächephase durchlebt: Das Biotech-Unternehmen der ersten Stunde geriet bei Geräten zur Genom-Analyse ins Hintertreffen, bei der das Erbgut von Lebewesen entschlüsselt wird. Anstatt ein eigenes Gerät anzubieten, kooperiert das Unternehmen hier nun mit dem US-Wettbewerber Illumina. Qiagen musste seine Prognose senken, Vorstandschef Peer Schatz trat zurück.

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