Boeing 747-8i Ein Freudentag für die Lufthansa

Auf diesen Mittwoch dürfte sich Lufthansa-Chef Christoph Franz richtig gefreut haben. Nach den negativen Schlagzeilen der vergangenen Woche gibt es endlich etwas Positives zu melden.

Christoph Franz, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa AG, und Carsten Spohr, Lufthansa-Vorstand Passage, vor einer neuen Boeing 747-8. Als erste Passagier-Airline der Welt hat die Deutsche Lufthansa den neuen Jumbo in die Flotte aufgenommen. Quelle: dpa

Statt Sparmaßnahmen, mögliche Serviceverschlechterungen, Streit mit Gewerkschaften um einen eventuellen neuen Lufthansa-Billigableger oder den Zank mit den wertvollsten Vielfliegern um den plötzlichen Wertverlust der Vielflieger-Meilen, geht es endlich mal um das wofür die Lufthansa gerne stehen will: modernste Technik und einen besseren Kundendienst.

Die größten Flugzeuge der Welt
Boeing 747-8Die Geschichte der 747-8 ist ein echtes Drama. Nachdem Airbus dem Jumbojet die Krone als größtes Passagierflugzeug zu entreißen drohte, reagierte Boeing zuerst mit Hochmut und dann mit einer ganzen Reihe von Projekten mit immer neuen Namensanhängseln wie 747-500, -600, X. X Stretch. Aber das Interesse blieb gering.  Und auch heute hat das Modell mit gut 100 Bestellungen deutlich zu wenig Orders, um damit Geld zu verdienen. Denn obwohl die Maschine auf den ersten Blick stark an die früheren Versionen erinnert, hat ihr Innenleben und der Flügel nichts mit den Vorgängern zu tun. Darum kostete der Bau am Ende doch deutlich mehr als geplant. Länge: 76,30 Meter Spannweite: 68,50 Meter Maximales Startgewicht: 449 Tonnen Quelle: Reuters
Antonov An225Der Mrija genannte Riese aus der Ukraine ist nicht nur das größte Verkehrsflugzeug der Welt, sondern auch das wohl am seltensten gebaute. Bislang gibt es gerade mal zwei Exemplare des im Jahr 2001 in Dienst gestellten Superfrachters, der im Prinzip eine verlängerte Version des Rote-Armee-Frachters Antonow An-124 ist. Und flugfähig ist davon sogar nur einer. Aber der hat sein festes Publikum: wer auf der Welt etwas besonders großes uns schweres zu transportieren muss und genug Geld hat, der kommt an dem Monster mit seinen sechs Triebwerken nicht vorbei. So hält der Vogel eine ganze Reihe von Frachtrekorden wie den für das schwerste einzelne Frachtstück: einen 190 Tonen schweren Generator für ein Gaskraftwerk, den die An225 im August 2009 vom Flughafen Hahn im Hunsrück nach Armenien transportiert hat.  Länge: 85,30 Meter Spannweite: 88,40 Meter Maximales Startgewicht: 600 Tonnen Quelle: AP
Boeing 747-100Der erste Jumbojet begann Ende der sechziger Jahre mit einem Desaster. Eigentlich als Militärfrachter geplant, war das Flugzeug lange eine große Belastung für Boeing und hätte den Konzern fast in die Pleite getrieben. Doch dann bestellte die legendäre Linie Pan Am den Vogel und rüstete ihn mit einer Lounge im Obergeschoss aus. Damit begann eine Revolution des Luftverkehrs. Dafür sorgte nicht nur die Größe des Jumbos. Die 747 classic, wie sie heute heißt war das erste Flugzeug, das bequem und ohne Zwischenlandung von den USA über den Pazifik oder Europa nach Ostasien fliegen konnte. Das verkürzte die Reisezeit gewaltig. Und sich der große Vogel nur mit preiswerten Tickets füllen ließ, machte er Flugreisen nicht nur für Jetsetter erschwinglich. Länge: 70,60 Meter Spannweite: 59,60 Meter Maximales Startgewicht: 333 Tonnen Quelle: Eduard Marmet
Airbus A380-800Der Stolz des Luftfahrtkonzerns Airbus hat nicht nur den Jumbo-Jet vom Thron als weltgrößtes Passagierflugzeug gestoßen, sondern brachte auch dank Mehrkosten von weit mehr als zehn Milliarden Euro und einer mehrjährigen Verspätung den Mutterkonzern EADS ins Wanken. Und so ganz ist das Drama auch fast fünf Jahre nach der ersten Auslieferung noch nicht überwunden. Denn nachdem die Explosion eines Triebwerks Ende 2010 fast zu einem Absturz geführt hätte, hängt die Produktion nun daran, dass die klammern, die bei Flügel die Ober- und Unterseite festhalten zu schwach sind. Darum mag das Flugzeug auch bei den Passagieren so beliebt sein, dass viele einen Aufpreis zahlen, um damit fliegen zu dürfen. Wann Airbus damit Geld verdient, ist unklar. Trotzdem denkt Airbus bereits an eine noch längere Version: A380-900 Länge: 72,30 Meter Spannweite: 79,80 Meter Maximales Startgewicht: 391 Tonnen Quelle: dapd
Antonov An-124Der Ruslan genannte Militärfracht-Esel ist Vorgänger und kleiner Bruder des ukrainischen Riesen An-225. Diese ist bei gleichem Rumpfquerschnitt ein paar Meter länger – und fliegt daher die ganz großen Frachtstücke. Knapp zehn Jahre lang war die An-124 auf langen Strecken das wichtigste Transportmittel der Roten Armee, besonders weil er mehr transportieren konnte als die großen US-Maschinen wie die C-5 Galaxy oder die C-17. Seit dem Ende des Sowjetimperiums arbeiten die knapp 60 Maschinen im Charterfrachtverkehr. Denn im Gegensatz zu moderneren Frachtern wie der Boeing 777 oder dem Airbus A330 kann die Maschine auch abseits klassischer Flughäfen auf wenig befestigten Pisten landen. Und weil sie wie die Frachtversion des Jumbojets 747 die Front hochklappen kann, passen auch große Stücke ohne Probleme in den Frachtraum.  Länge: 69.10 Meter Spannweite: 73,30 Meter Maximales Startgewicht: 405 Tonnen Quelle: AP
C-5 GalaxyDer Militärtransporter des US-Rüstungskonzerns Lockheed war ab 1968 bis zum Erstflug der An124 15 Jahre lang die weltgrößte Transportmaschine. Einen Titel hat sie freilich behalten: die Galaxy war das mit angeblich 60 Milliarden Entwicklungskosten auch das mit Abstand teuerste Projekt der Luftfahrt und bekam den Spitznamen FRED für Fantastic Ridiculous Economic Desaster (fantastisch lächerliches ökonomische Katastrophe).  Zwar haben die US-Streitkräfte mit der C-17 inzwischen ein effizienteres – und vor allem weniger laut und spritdurstiges Flugzeug. Doch dank mehrere Erneuerung ist die Maschine immer noch das Rückgrat der US-Streitkräfte wenn schwere Dinge besonders weit geflogen werden sollen. Länge: 75,60 Meter Spannweite: 67,90 Meter Maximales Startgewicht: 381 Tonnen Quelle: AP

Denn heute bekommt die Lufthansa das erste Exemplar der neuen Boeing 747-8i – der je nach Zählweise insgesamt 21sten und neuesten Fassung des legendären Jumbojets. Das Flugzeug ist nicht nur sparsamer und leiser als die bisherigen 747-Jets. Es ist für die Lufthansa auch der Anlass, endlich ihre neue Business-Class für die Langstrecke vorzustellen. In dem Flugzeug und einigen der kleineren Airbus 330 bekommen die Kunden nun endlich ein ebenes Bett – statt der bislang üblichen Rutsche.

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Doch wie bei Lufthansa üblich ist das fliegende Bett keine echte Revolution. Obwohl das Angebot mehr als zehn Jahre nach dem Business-Bett der British Airways kommt, ist es doch eher konventionell. Um Platz zu sparen, hat die Lufthansa die Betten mit einer kleinen Drehung zur Mitte eingebaut.

So liegen Sitznachbarn nun in V-Form nebeneinander – und verhaken sich beim Umdrehen schon mal ein wenig mit den Füßen. Aber das sollte den Freudentag nicht trüben. Am Ende ist das echte Bett nun doch ein wenig bequemer als bisher.

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