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Boeing Späte Überraschung bei Dreamliner

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Mangelhafte Stromversorgung

Der Dreamliner 787 startet am Flughafen Tokio Quelle: dapd

Trotzdem sind die Flugbegleiter ein wenig angespannt. „Der Vogel hat trotz der Verspätung noch ein paar Kinderkrankheiten“, erzählte mir im Flughafen einer, der es wissen muss. Zwar hatte Boeing eigentlich genug Zeit für Tests. Doch Pannen bei den Entwürfen, nicht passenden Einzelteilen, die erst bei der Endmontage auffielen, weil Boeing so viel Arbeiten außerhalb des Unternehmens vergeben hatte, sorgten dafür, dass die Amerikaner am Ende etwas den Überblick verloren. Doch um nicht noch mehr Zeit bis zur Auslieferung zu verlieren, verzichtete man auf ein paar - der im Fachjargon Route Proving - Übungsflüge mit Testpassagieren.
Das haben bereits die Gäste bemerkt, die mit der 787 heute morgen aus Tokio gekommen sind. Die Maschine fuhr nicht direkt bis zum Fluggastgebäude, sondern hielt außerhalb und ließ sich dann von einem Schlepper des Flughafens ans Terminal bringen. „Die 787 ist praktisch die erste Maschine, die ohne Testflug zu uns gekommen ist“, erzählt ein Fraportmitarbeiter. „Da wollte der Pilot lieber, dass wir die letzten Meter übernehmen, bevor der irgendwo aneckt und der Flieger dann ein paar Tage oder gar Wochen hier rumsteht. Dann hätte der wahrscheinlich für den Rest seines Lebens das Gesicht verloren.“
Und auch wir merken es. So startet das Unterhaltungssystem zwar wie geplant. Doch bereits die Stromversorgung für die USB-Anschlüsse, die iPod-Buchse und die Steckdose startet zögerlich. Im zweiten Manga-Cartoon sitzt das kleine Mädchen in der Reihe vor mir plötzlich vor einem schwarzen Bildschirm. Auch die Stromversorgung ist tot.

Ein Plüschhase zum Trost

Prompt gibt es bei paar Unmutsäußerungen. Der Geschäftsreisende neben mir nimmt es gelassen. „Mein Akku mit Ersatz reich noch zwölf Stunden.“ Nebenan klagt einer „Mist, mein Akku reicht nur noch zwei Stunden."
Ein weiterer ergänzt: „Das ist eben so bei einem so komplexen neuen Flugzeug.“ Ich höre etwas von den Neuerungen, die seit dem Start des Programms vor acht Jahren alle Flugnerds begeisterten. Die voll digitale Architektur, 100 Kilometer Kupferkabel, eine Hydraulik mit einem Druck von einer halben Tonne pro Quadratzentimeter und die Bauweise aus dem in der Größenordnung völlig unerprobten Verbundwerkstoffen, die so große und stabile Teile erlaubt, dass zum zusammenbauen des Flieger nur noch 10 000 Löcher nötig sind statt der bis zu einer Million bei anderen Modellen.
Doch das kleine Mädchen stutzt. Und als statt Schwärze auf einmal Befehlszeilen aus dem Betriebssystem im klassischen MS-DOS-Design auf dem Monitor auftauchen, beginnt der kindliche Unmut. Sofort kommt die Flugbegleiterin und entschuldigt sich - sogar auf japanisch. Das Mädchen nickt und nickt. Dann öffnet die Stewardess ein Gepäckfach und holt einen großen Plüschhasen heraus.

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