Bombardier Höherer Nettoverlust als im Vorjahr

Der kanadische Flugzeug- und Zughersteller Bombardier hat im dritten Quartal mit 117 Millionen Dollar einen größeren Verlust eingefahren als im Vorjahr. Großaktionär CDPQ drängt auf Prüfung aller Lösungsmöglichkeiten.

Bombardier-Fabrik in Belfast Quelle: CLODAGH KILCOYNE

Der kanadische Flugzeug- und Zughersteller Bombardier gerät nach weiteren Verlusten unter Druck. Der Konzern fuhr im dritten Quartal unter dem Strich einen Fehlbetrag von 117 Millionen Dollar (rund 100 Millionen Euro) ein, wie der Siemens- und Airbus-Konkurrent am Donnerstag mitteilte. Im Vorjahreszeitraum war ein Verlust von 94 Millionen Dollar angefallen.

Das Unternehmen räumte zudem ein, dass es wegen Verspätungen bei den Motoren in diesem Jahr wohl nur 20 bis 22 Flugzeuge seiner C-Serie statt der geplanten 30 ausliefern werde. Zwar habe ein nicht genannter europäischer Kunde Interesse am Kauf von bis zu 61 Maschinen des Typs bekundet. Dafür setzt aber ein Großaktionär das Management in der Zugsparte unter Druck.

Bombardier solle hier alle Möglichkeiten prüfen, darunter eine Partnerschaft mit dem staatlichen chinesischen Hersteller CRRC, forderte der Chef des kanadischen Großaktionärs CDPQ, Michael Sabia. Einen Verkauf des Geschäfts an die Chinesen lehnte er jedoch ab. Die Zugsparte habe langfristige Bedeutung für den Konzern. Eine Partnerschaft mit Siemens und dem französischen Hersteller Alstom könne er sich hingegen nur schwer vorstellen. "Ein Tanz zu Dritt ist eine schwierige Sache. Es ist schwer, niemanden auf die Füße zu treten."

Die dramatische Geschichte der Bombardier CSeries
5. Februar 1996: Erste Pläne eines 100-sitzigen JetsBombardier beginnt Verhandlungen zur Übernahme des niederländischen Flugzeugherstellers Fokker als der Eigentümer Daimler-Benz die Gesellschaft fallen lässt. Bombardier interessiert das 100-sitzige Modell Fokker 100. Doch wegen der technischen Probleme und der nötigen Investitionen wollen die Kanadier lieber ein eigenes Modell bauen. Quelle: dpa
08. September 1998: Erste ProgrammideeNach zwei Jahren Arbeit präsentiert Bombardier das Modell BRJ-X – Kurzform für "Bombardier Regional Jet eXpansion". Mit bis zu 110 Plätzen war der Entwurf kleiner als die heutigen C-Serie. Sie hatte aber bereits einen breiteren Rumpf mit fünf Sitzen pro Reihe. Die Treibwerke waren unter dem Flügel statt wie bei CRJ-Regionalfliegern am Heck. Die ersten Linienflüge sollten 2003 stattfinden. Doch am Ende waren Bombardier die Entwicklungskosten von einer Milliarde Dollar zu hoch. Und so streckte das Unternehmen lieber seine alten CRJ-Regionaljets auf bis zu gut 100 Sitze. Quelle: REUTERS
15. März 2005: Offizieller ProgrammstartWeil den Airlines die alten CRJ-Flieger angesichts steigender Spritpreise zu teuer fliegen, entstaubt Bombardier die Idee für ein größeres Flugzeug. Nachdem der Konzern 2004 den ehemaligen Boeing-Manager Gary Scott (links) engagiert hat, gibt der Aufsichtsrat grünes Licht für Verhandlungen mit Fluglinien. Doch nach zwei Jahren erfolglosem Klinkenputzen legt Bombardier das Projekt 2006 wieder auf Eis. Quelle: AP
13. Juli 2008: Erster AuftragNach langen Verhandlungen bekundet Lufthansa auf der Luftfahrtmesse im englischen Farnborough als erste Fluglinie ernsthaftes Interesse an der CSeries. Mit einer Absichtserklärung zum Kauf von bis zu 60 Maschinen – je zur Hälfte für die C100 mit 130 Sitzen und für die C300 für bis zu 160 Plätzen - rettet die Lufthansa das Programm. Die ersten Flüge mit zahlenden Passagieren sollen 2013 bei der Tochter Swiss starten. Quelle: AP
07. November 2012: Erste VerspätungNach Beginn der Serienfertigung tauchen die ersten Probleme auf. Also verschiebt Bombardier den Termin für die Übergabe an Lufthansa ins Jahr 2014. Vier weitere Verzögerungen folgen. Doch mit zwei Jahren und neun Monaten sind die Verspätungen am Ende nicht ungewöhnlich für die Branche. Quelle: REUTERS
16. September 2013: ErstflugBei strahlendem Wetter hebt die C-Series erstmals am Werksflughafen in Mirabel ab. Die Flugtestes laufen vielversprechend - bis am 29. Mai 2014 während des Testprogramms am Boden eines der neuen Triebwerke explodiert. Die Fehlersuche dauert am Ende gut ein halbes Jahr. Quelle: REUTERS
18. August 2014: FührungswechselNach weiteren Pannen wirft Bombardier schrittweise die Führung raus. Zuerst sind es die Leiter des Linienfluggeschäfts, dann die Manager an der Spitze der Flugsparte. Am Ende drängen die Investoren darauf, dass auch Unternehmenschef Pierre Beaudoin als Vertreter der Eigentümerfamilie geht. Sein Nachfolger wird Alain Bellemare, der zuvor das Fluggeschäft des US-Technologiekonzerns United Technologies leitete. Quelle: REUTERS
29. Oktober 2015: StaatshilfenWeil die Kosten steigen und sich die Produktion weiter verschiebt, muss Bombardier den Wert der in der Bilanz erwarteten Einnahmen nach unten korrigieren. Die Wertberichtigung liegt bei rund 3,1 Milliarden Dollar. Weil dem ganzen Bombardierkonzern nun das Geld knapp wird, kauft die Regierung der Provinz Quebec für eine Milliarde Dollar knapp die Hälfte des Programms CSeries. Später überweist Kanadas Bundesregierung eine weitere Milliarde Dollar Finanzhilfe. Gegen diese Subvention klagt später Brasilien auf Druck des dortigen Herstellers und Bombardier-Wettbewerbers Embraer. Quelle: REUTERS
04. Juli 2016: Übergabe an den ErstkundenIm Rahmen einer Feierstunde übernimmt die Lufthansa-Tochter Swiss das erste Exemplar der CSerie. Nach einer großen Feier in Zürich soll die Maschine am 15. Juli in den Liniendienst gehen. Der erste Swiss-Flug führt von Zürich nach Paris. Quelle: REUTERS

Die Pläne der Kanadier für eine Fusion der Zugsparte mit dem Bahn-Geschäft von Siemens waren kürzlich geplatzt. Der Münchner ICE-Hersteller entschied sich für eine Zusammenlegung der Bereiche mit dem französischen TGV-Bauer Alstom. Damit steht Bombardier alleine da in einem Markt, der vom weltgrößten Zughersteller CRRC und von Siemens/Alstom dominiert wird. 

Siemens ist auch noch im Rennen

Siemens hat im Ringen um einen milliardenschweren Auftrag für Hochgeschwindigkeits-Züge in Großbritannien zwei Eisen im Feuer. Sowohl der Münchner Konzern als auch sein französischer Fusionspartner Alstom gehören zu den fünf Bahntechnik-Konzernen, die sich im Frühjahr um die Produktion der Züge für das "High Speed Rail 2"-Netz (HS2) bewerben dürfen, wie die staatliche HS2-Entwicklungsgesellschaft am Donnerstag mitteilte. Mindestens 54 Züge sollen von 2026 an mit bis zu 360 Kilometern pro Stunde zwischen London und den Großstädten im Norden des Landes verkehren. Das Projekt ist wegen steigender Kosten und der Auswirkungen auf die Landschaft und die Städte entlang der Strecken umstritten.

Neben Siemens und Alstom sind der Rivale Bombardier aus Kanada, die spanische Talgo und die japanische Hitachi Rail im Rennen um den 2,75 Milliarden Pfund schweren Auftrag. Einer von ihnen soll 2019 den Zuschlag erhalten. Teil des Auftrags ist auch die Wartung der Züge. Die Regierung geht davon aus, dass mit dem Projekt rund 25.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden

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