Bosch Schwächelnde Konjunktur zwingt Autozulieferer zur Kurzarbeit

1800 Arbeiter arbeiten kürzer: Seit Juni hat der Autozulieferer die Arbeitszeit in seinen Werken reduziert. Betroffen sind Mitarbeiter der Unternehmensbereiche Industrietechnik sowie Energie- und Gebäudetechnik.

Die größten Job-Schaffer in Europa
Platz 10: IBMDer Experte für Informationstechnologie generierte zwischen 2003 und 2012 genau 10.527 neue Arbeitsplätze und schafft es damit knapp in die Top Ten. Für IBM arbeiten weltweit 430.000 Menschen. Quelle: „European Investment Monitor“ von Ernst & Young, eine Datenbank, die die tatsächlichen ausländischen Direktinvestitionen in Europa analysiert. Wichtig: Die Zahlen zu geschaffenen Arbeitsplätzen basieren auf den Angaben der Unternehmen zum Zeitpunkt der Projektankündigung – spätere Aufwärts- oder Abwärtsentwicklungen werden nicht erfasst. Quelle: dpa
Platz 9: SiemensDer Münchener Industriekonzern steht derzeit wegen bisher nicht ausgelieferter Hochgeschwindigkeitszüge und Fehlinvestitionen in der Kritik. Ein Sparprogramm, das auch Stellenstreichungen vorsieht, ist bereits aufgelegt. In den vergangenen zehn Jahren schuf Siemens jedoch auch eine große Zahl von Arbeitsplätzen in Europa: 11.356. Außerdem ist der Technologieriese die Nummer eins unter den Investoren in Europa. Kein anderes Unternehmen hat in den vergangenen zehn Jahren mehr Investitionsprojekte („Foreign Direct Investments“, kurz FDI) durchgeführt. Siemens investierte zwischen 2003 und 2012 insgesamt 112 Mal im europäischen Ausland und gründete dort neue Forschungszentren oder Fertigungsstätten. Quelle: dpa
Platz 8: Robert Bosch GmbHDer baden-württembergische Autozulieferer- und Technikriese verabschiedete sich vor wenigen Monaten von seinem verlustreichen Solargeschäft - 3000 Stellen fallen weg. Auch im Kerngeschäft Automotive muss sich Bosch anstrengen, um die Konkurrenz auf Abstand zu halten. Noch zehrt Bosch von der erfolgreichen Entwicklung der Vorjahre. Zwischen 2003 und 2012 schuf der Konzern europaweit 12.432 neue Arbeitsplätze. Quelle: dpa
Platz 7: Hyundai Motor CoDer koreanische Autobauer hat in den letzten zehn Jahren weltweit massiv expandiert und ist derzeit der sechsgrößte Hersteller. Gemeinsam mit Schwestermarke Kia verkaufte er 2012 mehr als 7,1 Millionen Autos. Wie stark Hyundai gewachsen ist, zeigt sich auch an der Zahl der Neueinstellungen. 13.020 neue Arbeitsplätze haben die Koreaner geschaffen. Quelle: AP
Platz 6: Renault Der französische Autobauer hängt derzeit am Tropf von Konzernschwester Nissan. Wegen der Krise in Südwesteuropa sind die Absatzzahlen des Herstellers in den vergangenen Monaten eingebrochen. Renault verzeichnet in den ersten fünf Monaten 2013 in Westeuropa einen Minus von fast 12 Prozent - Billigtochter Dacia konnte dafür um mehr als 20 Prozent wachsen. Werkschließungen soll es keine geben, auch wenn Kapazitäten brach liegen. Vor ein paar Jahren sah es bei Renault noch ganz anders aus. Der Autobauer schuf zwischen 2003 und 2012 genau 13.075 neue Arbeitsplätze. Vielleicht kann die Elektro-Offensive mit dem Flitzer Twizy (im Bild) und dem neuen Zoe das Blatt wieder wenden. Quelle: REUTERS
Platz 5: AmazonSpielend schafft es der Online-Händler unter die Top Ten der Unternehmen, die in den vergangenen zehn Jahren in Europa die meiste neuen Jobs geschaffen haben. Damit Pakete und Päckchen schnellstmöglich beim Kunden landen, hat der US-Konzern in Europa mehrere Verteilerzentren aufgebaut und 14.437 neue Arbeitsplätze geschaffen. Jetzt allerdings gerät das Geschäftsmodell ins wanken. Die Beschäftigten in Deutschland begehren auf, wollen mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen. Bisher weigert sich das Management, auf die Forderungen einzugehen. Quelle: dpa
Patz 4: EADSDer Luftfahrt- und Rüstungskonzern, zu dem auch die Hubschraubersparte Eurocopter gehört, schuf zwischen 2003 und 2012 genau 14.921 neue Jobs. Quelle: dpa
Platz 3: FordDer US-Autohersteller schuf in den vergangenen zehn Jahren 15.040 neue Arbeitsplätze in Europa. Im Frühjahr 2013 beschloss das US-Management allerdings, das Werk im belgischen Genk Ende 2014 zu schließen. Dort arbeiten derzeit noch rund 4000 Beschäftigte. Auch in Großbritannien stehen viele Arbeitsplätze auf der Kippe. Wegen der schwachen Nachfrage will Ford ein Fünftel seiner Kapazitäten in Europa kappen. Quelle: obs
Platz 2: LG GroupDer südkoreanischen Elektronikkonzern LG schuf in den vergangenen zehn Jahren 17.744 neue Stellen in Europa. Weltweit arbeiten rund 220.000 Menschen für das Unternehmen mit Sitz in Seoul. Quelle: REUTERS
Platz 1: VolkswagenVolkswagen hat die meisten Jobs in Europa geschaffen. Bei den Foreign Direct Investments-Projekten (kurz FDI) des Autokonzerns sind in den vergangenen zehn Jahren 30.537 Arbeitsplätze im europäischen Ausland entstanden. Über das gesamte Ranking betrachtet, haben die deutschen Konzerne in den vergangenen zehn Jahren insgesamt gut 261.000 Arbeitsplätze im europäischen Ausland geschaffen – mehr als britische, französische, niederländische und Schweizer Unternehmen zusammen. Doch damit nicht genug, die deutschen Unternehmen sind auch die aktivsten Investoren. Von den zehn Unternehmen, die in den vergangenen zehn Jahren die meisten Investitionsprojekte in Europa durchgeführt haben, kommen vier aus Deutschland: Siemens (Rang1), Volkswagen (4), Deutsche Bahn (7) und Deutsche Post (8). Neben den deutschen Unternehmen haben sich auch US-Konzerne stark in Europa engagiert: IBM, General Electric und Microsoft zählen ebenfalls zu den zehn aktivsten Investoren. Quelle: dpa

Der weltgrößte Autozulieferer Bosch hat wegen schwächelnder Aufträge die Arbeitszeit von rund 1800 Mitarbeitern in Deutschland verkürzt. Der Nachrichtenagentur Reuters sagte ein Sprecher, dasss einige Standorte von der Möglichkeit Gebrauch machten, die jüngste Betriebsvereinbarung zur Bewältigung konjunkturbedingter Krisen zu nutzen. Ihm zufolge sind damit etwa 1,5 Prozent aller Mitarbeiter hierzulande betroffen. Die aktuellen Maßnahmen reichen den Angaben zufolge vom Abbau von Arbeitszeitkonten bis hin zu Kurzarbeit.

Betroffen sind Mitarbeiter der Unternehmensbereiche Industrietechnik sowie Energie- und Gebäudetechnik. In der bevorstehenden Urlaubszeit entspanne sich die Situation etwas, stellte er in Aussicht.

Der Autozulieferer und Industrieausrüster hatte zum Jahresende 2012 für die meisten Standorte in Deutschland Betriebsvereinbarungen abgeschlossen, mit deren Hilfe die Beschäftigung bei Konjunkturschwankungen schnell der Nachfrage angepasst werden soll. Umsatzeinbrüche von bis zu 20 Prozent sollen demnach zunächst durch Arbeitszeitabsenkungen ohne gesetzliche Kurzarbeit wettgemacht werden. Die Mitarbeiter erhalten bei Arbeitszeitverkürzungen eine Beschäftigungsgarantie von mindestens zwölf Monaten, zum Teil zahlt Bosch einen Ausgleichsbetrag für den entgangenen Lohn.

Bei gesetzlicher Kurzarbeit, die bei Umsatzeinbußen von mehr als 20 Prozent greifen soll, beteiligen sich die Bosch-Beschäftigten mit einem finanziellen Sonderopfer: Die Beschäftigen zahlen einen Teil ihres Urlaubs- und Weihnachtsgeldes in einen Solidaritätstopf ein, da der Arbeitgeber für jede Ausfallstunde allein die Sozialversicherungsbeiträge schultern muss. Bosch nannte folgendes Beispiel: Wenn zehn Prozent der Belegschaft ein Viertel weniger arbeiten, verzichten die Mitarbeiter auf etwa zwei bis drei Prozent vom Weihnachtsgeld. Gesetzliche Kurzarbeit wird damit aus Sicht von Bosch "ein kosteneffizienteres Instrument zur Beschäftigungssicherung".

Über das Ausmaß der laufenden Arbeitszeitverkürzung sowie die betroffenen Standorte wollte Bosch keine Angaben machen. Im Frühjahr hatte der Konzern im Stiftungsbesitz ein Umsatzwachstum von rund drei Prozent im laufenden Jahr in Aussicht gestellt. Weltweit waren zuletzt rund 306.000 Menschen für das Unternehmen tätig, das 2012 mit 52,5 Milliarden Euro zwei Prozent mehr als im Vorjahr umsetzte. Damit lag Bosch weit hinter seinem langfristigen Wachstumsziel, das im Schnitt jährliche Zuwächse der Erlöse um acht Prozent vorsieht.

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