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Branche ist zu behäbig Der Vorsprung der deutschen Chemie-Industrie schmilzt

Raffinerie Quelle: imago images

Eine Studie schlägt Alarm: Die deutschen Chemie-Hersteller sind schlecht für die Zukunft gerüstet. Anbieter aus Schwellenländern gewinnen Marktanteile und entwickeln sich zu ernsthafter Konkurrenz.

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Spezialchemikalien wie etwa Zusatzstoffe in Lebensmitteln, Flammschutz- oder Lichtschutzmittel sollen eigentlich für gute Margen bei den Herstellern sorgen. Nun schlägt eine Studie des Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) Alarm: Die heimischen Hersteller sind für die Zukunft eher schlecht gerüstet.

Danach verringert sich der bisherige technologische Vorsprung der Deutschen. Anbieter aus Schwellenländern gewinnen zunehmend Marktanteile und entwickeln sich zu ernsthaften Konkurrenten. Strategien für eine internationale Markterweiterung fehlen häufig, dafür steigt der Kostendruck.

Die bitteren Erkenntnisse stammen von den verantwortlichen Managern selbst, der BDU hat dazu 160 Führungskräfte in deutschen Spezialchemieunternehmen befragt. „Insbesondere Wettbewerber aus dem Nahen Osten wie Sabic oder Saudi Aramco sind mittelfristig eine ernstzunehmende Gefahr für deutsche Hersteller“, sagt Carsten Suntrop, Professor für Industriemanagement an der Europäischen Fachhochschule Rhein-Erft, der die Studie wissenschaftlich begleitet hat.

Gerade Länder wie Saudi-Arabien beschränken sich nicht mehr auf die Öl- und Gasförderung, sondern weiten ihre Aktivitäten zunehmend auf weitere Verarbeitungsstufen aus. Suntrop sieht bereits Parallelen zu China: „Die Chinesen haben es – mit Unterstützung zahlreiche deutscher Chemiekonzerne – ja auch innerhalb von zehn Jahren geschafft, eine eigene Chemieindustrie aufzubauen.“
Bei der Auslandsexpansion gibt es für viele Unternehmen – jenseits großer Konzerne wie der BASF – noch Handlungsdruck: „Viele Unternehmen besitzen keine Internationalisierungsstrategie, sie müssen aber raus aus ihrer nationalen Komfortzone“, heißt es in der BDU-Studie. Auch eine innovationsfördernde Unternehmenskultur müsse aufgebaut werden.

„Die Branche ist behäbig“, sagt Fachhochschul-Professor Suntrop, „die Unternehmen müssen sich untereinander viel stärker vernetzen und sich vom Silodenken zwischen Abteilungen und Unternehmen verabschieden. In der Praxis ist es jedoch schon sehr schwierig, wenn sich Unternehmen auf eine gemeinsame Logistikversorgung einigen sollen.“

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