Brexit und Konjunktursorgen Unsicherheit ist Gift für Deutschlands Maschinenbauer

Brexit-Votum, Konjunkturschwäche in China, Putschversuch in der Türkei - die exportorientierten deutschen Maschinenbauer bekommen die Turbulenzen der Welt zu spüren. Kann die Branche dem Gegenwind trotzen?

Einen riesigen Lagerring vermisst ein Karusselldreher beim Schweriner Maschinenbauer Maplan. Quelle: dpa

Die weltweiten Konjunkturaussichten trüben sich ein, das Brexit-Votum, die Turbulenzen in der Türkei und Terroranschläge sorgen für Verunsicherung bei Investoren. Das trifft exportorientierte Branchen wie die deutschen Maschinenbauer.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: „Die Produktion entwickelte sich in den ersten Monaten des Jahres besser als erwartet, das schafft etwas Luft“, sagt Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des Maschinenbauverbandes VDMA.

Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds hat das Nein der Briten zu Europa neuen Sand ins Getriebe der Weltwirtschaft gestreut. Vor allem die Industrie blickt dem Ifo-Institut zufolge nach dem Brexit-Votum „merklich weniger optimistisch“ auf die kommenden Monate.

Wie kaum eine andere Branche sind die vor allem mittelständisch geprägten Maschinenbauer jedoch darauf angewiesen, dass Unternehmen an eine gute Zukunft glauben und in Maschinen und Anlagen investieren.

„Eine lange Phase der Unsicherheit ist Gift für das Investitionsklima in Europa. Großbritannien und die EU müssen möglichst zügig mit den Austrittsverhandlungen beginnen“, mahnt VDMA-Präsident Reinhold Festge. Bereits den ersten fünf Monaten - also vor dem Referendum am 23. Juni - sanken die Exporte der Maschinenbauer auf die Insel um 3,7 Prozent.

Wenige Impulse kommen derzeit auch aus den beiden wichtigsten Auslandsmärkten der Branche - China und den USA. „Wir spüren, dass die chinesische Wirtschaft bei Investitionsgütern auf der Bremse steht“, sagt Wiechers. In den ersten fünf Monaten sanken die Auslieferungen in das Reich der Mitte um mehr als 12 Prozent. China ist nach den USA der zweitwichtigste Markt für die deutschen Maschinenbauer.

Folgen kaum abschätzbar

In den USA leiden viele Kunden der Maschinenbauer unter dem Rückgang der Ölpreise. Sie schieben Investitionen daher auf die lange Bank. „Die USA sind derzeit kein deutlicher Wachstumsbringer“, erläutert Wiechers. Im vergangenen Jahr legten die Exporte in die Vereinigten Staaten noch um 11,2 Prozent auf 16,8 Milliarden Euro zu.

Auf Hochtouren lief zuletzt das Türkeigeschäft: In den ersten fünf Monaten gingen 7,5 Prozent mehr Maschinen „Made in Germany“ in das Land am Bosporus als im Vorjahr. Welche Folgen der jüngste Putschversuch und die politischen Turbulenzen in der Türkei für die Branche haben, lässt sich derzeit kaum abschätzen.

Produkte des Maschinenbaus

Selbst der Wechselkurs gibt der deutschen Schlüsselindustrie mit mehr als einer Million Beschäftigten in diesem Jahr bisher keinen Rückenwind. Im vergangen Jahr kurbelte der schwache Euro die Geschäfte außerhalb des gemeinsamen Währungsraumes noch an. Er machte Maschinen „Made in Germany“ auf dem Weltmarkt billiger und erhöhte so die Absatzchancen. Zugleich fielen Einnahmen in einer anderen Währung bei der Umrechnung in Euro höher aus.

Schub bekommt die Branche derzeit vor allem aus Europa und dem Heimatmarkt. In Deutschland läuft die Konjunktur nach wie vor rund, auch wenn das Wachstum nach Einschätzung von Ökonomen im zweiten Quartal an Schwung verloren haben dürfte. „Die konjunkturelle Grundtendenz ist aber weiter recht kräftig, und für das Sommerquartal ist wieder mit einem deutlichen Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Leistung zu rechnen“, sagt die Bundesbank voraus.

Trotz des Gegenwindes außerhalb Europas fällt die vorläufige Zwischenbilanz der Branche besser aus als auf den ersten Blick zu vermuten. Die Produktion stieg von Januar bis Mai real um etwa ein Prozent. Für das Gesamtjahr hatte der VDMA eine Produktion auf dem Niveau des Vorjahres vorausgesagt. „Es sind viele kleine Impulse, die insgesamt Wachstum bringen“, sagt Wiechers.

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