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Chefaufseher Lehner führt straffes Regime ein

Probleme über Probleme. Thyssen-Krupp-Chef Hiesinger steht vor 1,5 Milliarden Euro Verlust und muss den Verkauf der Edelstahlsparte rückgängig machen. Jetzt nimmt Aufsichtsratschef Lehner das Management an die Kandare.

Aufsichtsratsmitglieder René Obermann und Ulrich Lehner wollen das Management von ThyssenKrupp stärker kontrollieren Quelle: REUTERS

René Obermann, noch ein paar Wochen Chef der Deutschen Telekom, ist ein Mann klarer Worte. Als er vor einem Jahr ankündigte, den Vorstandsvorsitz aufzugeben und sich neuen Aufgaben zu widmen, tat er dies mit dem Satz: „Ich will zurück in den Maschinenraum.“

Obermann macht seine Ankündigung nun wahr – als neuer Aufsichtsrat bei ThyssenKrupp. Dort ist er seit 1. November einfacher Maschinist unter Ex-Henkel-Chef und Telekom-Oberaufseher Ulrich Lehner, der seit April die Überwachungsanlage des Ruhr-Konzerns steuert.

Was der Aufsichtsratschef und sein Adlatus bei dem schwer angeschlagenen Stahl- und Technologieriesen vorhaben, verheißt nicht nur Gutes für ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger. Am Samstag musste er bekanntgeben, dass ThyssenKrupp das dritte Mal in Folge einen Nettoverlust eingefahren hat. Dieser war mit einem Fehlbetrag von rund 1,5 Milliarden Euro zwar deutlich niedriger als die fünf Milliarden Euro Miese im Jahr zuvor, doch das bleibt ein mehr als schwacher Trost. Entscheidend verantwortlich für die Verluste waren die Stahlwerke in den USA und Brasilien. Immerhin für das Werk in Alabama hat Hiesinger einen Käufer gefunden. Wenn auch zu einem Spottpreis von 1,6 Milliarden Euro. Damit nicht genug. Abstriche muss Thyssen im Nachhinein beim Verkauf seiner Edelstahltochter Inoxum machen. Dieser Deal mit einem Transaktionsvolumen von 2,7 Milliarden Euro muss überraschend zum Teil rückgängig gemacht werden.. Das fordert die EU-Wettbewerbskommission.

200 Jahre Krupp in Bildern
"Stammhaus" und Schmelzbau um 1819. Quelle:
Friedrich Krupp um 1820. Quelle: PR
"Vom Stammhaus zum Quartier": Ein Gemälde von Julius Grün, es zeigt Alfred Krupp in den 1880er-Jahren. Quelle: PR
Ein Plan der Gussstahlfabrik, 1889 Quelle: PR
Innerer Bereich der Gussstahlfabrik in Essen, 1864 Quelle: PR
Friedrich Alfred Krupp seiner Verlobte und Margarethe von Ende 1882 Quelle: PR
Die Friedrich-Alfred-Hütte in Rheinhausen ca. 1910 Quelle: PR

ThyssenKrupp hatte noch eine Forderung an den finnischen Outokumpu -Konzern über 1,2 Milliarden Euro offen, die nun gelöscht wird. Stattdessen nimmt der Dax-Konzern das Verluste schreibende Edelstahlwerk im italienischen Terni und den profitablen Werkstoffhersteller VDM zurück. Den Wert beider Firmen beziffert ThyssenKrupp auf rund eine Milliarde Euro. Es gilt als wahrscheinlich, dass der Konzern diese weiterverkaufen will.

Dabei könnten hohe Abschreibungen drohen ebenso wie bei dem angekündigten Verkauf der Beteiligung an Outokumpu in Höhe 29,9 Prozent. Der Konzern, der auch unter einer Schuldenlast in Milliardenhöhe ächzt, hatte vergeblich versucht, Terni unter dem Druck der EU-Kommission zu veräußern. ThyssenKrupp kehrt nun notgedrungen in das stark schwankende Edelstahlgeschäft zurück, von dem sich der Konzern längst verabschieden wollte. "Der Transformationsprozess unseres Unternehmens wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen."

Doch egal, welche guten oder schlechten Nachrichten Hiesinger noch hätte verkündet hätte, der Aufsichtsratschef nimmt die Zügel nun straffer in die Hand. Überraschungen im Geschäftsverlauf, das Dauerproblem des früheren Chefkontrolleurs Gerhard Cromme, sollen vermieden werden.

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