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Chemie BASF stampft Genkartoffel Amflora ein

Der Chemiekonzern BASF verlegt – wie die WirtschaftsWoche bereits am Wochenende meldete – seine Unternehmenszentrale für grüne Gentechnik von Deutschland in die USA. Dies gab das Unternehmen nun auch offiziell bekannt. Die umstrittene Genkartoffel Amflora wird eingestampft.

BASF Quelle: dpa

Die Geschäfte mit der grünen Gentechnik wird die BASF künftig, wie berichtet, vom Forschungszentrum Research Triangle Park im US-Bundesstaat North Carolina aus führen.

Fortan wird sich das Unternehmen in der Pflanzenbiotechnologie auf die Hauptmärkte in Nord- und Südamerika und in Asien konzentrieren, sagte BASF-Vorstand Stefan Marcinowski. Europa bleibt nun weitgehend außen vor.

In Limburgerhof bei Ludwigshafen, der bisherigen Pflanzenbiotech-Zentrale der BASF, fallen im Zuge der Umstrukturierung etwa 150 Arbeitsplätze weg. Die Standorte im ostdeutschen Gatersleben (57 Arbeitsplätze) und in Svalöv/Schweden (6 Arbeitsplätze) werden geschlossen. Dagegen sollen die Standorte North Carolina, im belgischen Gent sowie in Berlin ausgebaut werden. Summa summarum will der Ludwigshafener Konzern in Europa 140 Arbeitsplätze streichen.

Wo deutsche Konzerne ihre Zukunft sehen
Volkswagen: Neuer Vorstoß nach NordamerikaEs gibt einiges aufzuarbeiten: Vor 23 Jahren zog sich Volkswagen nach Jahren horrender Verluste aus der Fertigung in den USA zurück. Nun soll die noch offene Rechnung beglichen werden. Umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro, investierten die Wolfsburger in den letzten Jahren, um in Nordamerika künftig wettbewerbsfähige Autos zu produzieren. Gestern gab Winterkorn, hier mit Frank Fischer, CEO und Chairman von Volkswagen USA, den Startschuss für das Kernprojekt: ein eine Milliarde Dollar teures neues Autowerk in Chattanooga (Tennessee). Dazu kommt unter anderem die Entwicklung einer eigens für die USA kreierten Limousinenversion des Passats. Dagegen stehen staatliche Subventionen, die über die nächsten Jahre gut eine halbe Milliarde Dollar betragen dürften. Quelle: dapd
Die Lohnkosten im neuen Werk sind niedriger als in den meisten anderen Autofabriken der USA. Mit 14,50 Dollar pro Stunde starten die Mitarbeiter, nach drei Jahren verdienen sie maximal 19,50 Dollar. 1700 Mitarbeiter sind bereits an Bord. Mehr als 2000 sollen es werden, sobald VW die Produktion voll auf die Jahreskapazität von 150.000 Autos hochfährt. In diesem Jahr will Winterkorn 400.000 Autos in den USA absetzen, 2018 sollen es eine Million sein. Quelle: dpa
RWE: Auslandsexpansion für ein grünes ImageWährend RWE in Deutschland wegen seiner Atom- und Kohlekraftwerke am Pranger der AKW-Gegner steht, arbeitet der Energiekonzern im Ausland an seinem grünen Image: Vor zwei Wochen weihte der Versorger im US-Bundesstaat Georgia die 120 Millionen Euro teure und weltweit größte Anlage zur Herstellung von Holzpellets ein. Hier will der Konzern ab Sommer jährlich 750.000 Tonnen Pellets – das sind gepresste Stäbchen aus Holzschnitzeln und Sägespänen – produzieren, sie nach Europa verschiffen und dort in Kohlekraftwerken zu Energie verbrennen. So kann RWE den Ausstoß des Gases pro Jahr um rund eine Million Tonnen verringern – und spart sich den Kauf teurer Emissionszertifikate. Quelle: dpa
Mit der eigenen Produktion der begehrten Biomasse in den USA sichert sich der Versorger die benötigten Pellets langfristig. Schon heute verbrennt er in Steinkohlekraftwerken in den Niederlanden rund 30 Prozent Biomasse mit, langfristig soll der Anteil auf 80 Prozent steigen. In Großbritannien will RWE das Kohlekraftwerk Tilbury noch bis Ende dieses Jahres in ein reines und dann weltgrößtes Biomassekraftwerk umwandeln. RWEs Tochter für erneuerbare Energien, Innogy, vereinbarte in Serbien ein Joint Venture, das für 350 Millionen Euro fünf Wasserkraftwerke bauen soll. Quelle: dapd
Henkel: Grundstein für das größte Klebstoffwerk in ChinaFür Henkel-Finanzchef Lothar Steinebach ist die Sache ganz einfach: Henkel, sagte er vor Analysten, müsse künftig dort sein, wo auch die Kunden sind - in Asien. Nun baut der Düsseldorfer Klebstoff- und Konsumgüterkonzern sein weltgrößtes Klebstoffwerk im Großraum Schanghai in China. „Wir passen damit die Verteilung unserer Werke der Verteilung unserer Kunden an“, sagte Steinebach. „Zugleich verringern wir die absolute Zahl unserer Werke, um die Effizienz zu steigern.“ Henkel profitiert davon, dass immer mehr Hersteller Produktion nach Asien verlagern. Autos für den Heimatmarkt kommen inzwischen zu einem großen Teil aus China, außerdem kommt Kleber für dort gefertigte IT-Produkte wie Apples iPhone oft von Henkel. Quelle: dpa
Der Grundstein für das Werk in Shanghai (im Bild das Stammwerk in Düsseldorf) wird in den kommenden Wochen gelegt. Ende 2012 soll dort die Produktion starten. Die Kosten beziffert Henkel mit einem zweistelligen Millionenbetrag. Inzwischen stammen 45 Prozent der Umsätze der Klebstoff-Sparte aus den Wachstumsländern. Mit 7,3 Milliarden Euro Jahresumsatz ist sie die größte Sparte im Konzern. Nach der Krise stimmt in der Sparte der operative Gewinn wieder: 878 Millionen Euro sprudelten 2010 – fast 600 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Quelle: dpa
Thyssen-Krupp: Milliarden für das Geschäft in AmerikaDer Industriekonzern Thyssen-Krupp will unter der Führung des neuen Vorstandschefs Heinrich Hiesinger den zweiten Teil seiner Auslandsexpansion starten. Indien, Brasilien, Osteuropa und vor allem China – in aller Welt ziehen die Essener neue Werke hoch. Die Aufzüge und Komponenten für den Maschinenbau, die Thyssen weltweit verkaufen will, sollen auch weltweit gefertigt werden. Allein in China sollen mindestens zwei neue Aufzugfabriken entstehen. Quelle: dapd

Gegenwind aus der Europäischen Union

Schon seit Jahren hatten sich BASF-Chef Kurt Bock und seine Vorstandskollegen über die mangelnde Akzeptanz der grünen Gentechnik in Europa und in Deutschland geärgert. Die Chemie-Manager hatten in der Vergangenheit schon häufiger mit dem Gedanken gespielt, die grüne Gentechnik aus Deutschland weg zu verlagern.

In jüngster Zeit hatten sie sich zunehmend Gegenwind von der Europäischen Union aus Brüssel verspürt. Im Bundesland Rheinland-Pfalz, wo die BASF ihren Firmensitz hat, darf es auch in keinen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen geben – so steht es im Koalitionsvertrag der rot-grünen Landesregierung.

Laut einer Umfrage („Eurobaromter Biotechnologie“) unter Verbrauchern lehnen 61 Prozent der Europäer gentechnisch veränderte Lebensmittel ab, in Deutschland sind es sogar 72 Prozent. Die genveränderten Produkte seien „nicht sicher“ und „unnatürlich“, lauten die gängigen Argumente.

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