Chemie Bayer klotzt im Pflanzenschutz

Die Chemiekonzerne leiden unter der Flaute. Nur das Geschäft mit Unkraut- und Insektenvernichtungsmitteln boomt. Von genveränderten Pflanzen in Deutschland und  Europa lassen die meisten Unternehmen inzwischen die Finger.

Die Chemiekonzerne leiden unter der Flaute. Quelle: dapd

2,4 Milliarden Euro will der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern Bayer zwischen 2013 und 2016 in seine Pflanzenschutz-Sparte "Bayer Crop Science"  investieren. Das  gab Spartenleiter Liam Condon heute in Monheim bei Düsseldorf bekannt. 2012 erwirtschaftete Bayer mit Pflanzenschutzmitteln einen Umsatz von 8,4 Milliarden Euro.

Die Baustellen des Bayer-Konzerns
Um Bayer steht es wahrlich nicht schlecht: Der Umsatz 2012 um fast neun Prozent auf 39,7 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis ging allerdings um 4,6 Prozent auf 3,9 Milliarden zurück. Dennoch haben die über 30.000 Bayer-Mitarbeiter in Deutschland beim 150. Geburtstag des Konzerns Grund genug zum Feiern. Während bei anderen deutschen Großkonzernen wie Siemens und ThyssenKrupp Stürme toben, gleitet der Chemie-Dampfer auf ruhiger See dahin. Doch Ausruhen ist nicht, Bayer-Chef Marijn Dekkers hat mehr Baustellen als es auf den ersten Blick scheint. Foto: obs/Bayer AG Quelle: obs
Da wäre etwa das Problem mit den Anti-Baby-Pillen: Meliane und Yasmin, eine weitere Bayer-Tablette zur Empfängnisverhütung, stehen unter einem schweren Verdacht: Sie sollen mehr Thrombosen (Blutgerinnsel) und Embolien (Verschlüsse von Blutgefäßen) auslösen als ältere, vergleichbare Antibabypillen. In den USA, Kanada, der Schweiz, Deutschland und Frankreich laufen deswegen Klagen gegen Bayer. Gegen Yasmin sind allein in den USA über 10.000 Klagen wegen unerwünschter Nebenwirkungen anhängig. Quelle: dpa
Xarelto muss beweisen, dass das Medikament das Zeug zur Umsatzrakete hat. Der Thrombosehemmer ist aktuell das wichtigste Medikament von Bayer: Alle Einsatzgebiete in allen Regionen addiert soll die Tablette Bayer einmal in der Spitze mehr als zwei Milliarden Euro an Umsatz jährlich einbringen. Im vergangenen Jahr erzielte Bayer mit dem Mittel Umsätze von 322 Millionen Euro - bis zu den zwei Milliarden ist es noch weit. Quelle: REUTERS
Marijn Dekkers hat bei seinem Antritt ein hartes Sparprogramm erlassen. Bis Ende 2012 wurden weltweit 4500 Stellen abgebaut - in Deutschland waren es allein 1700. Ein zweites Programm ist nicht in Sicht. Das heißt aber nicht, dass das Sparen nur ein Ende hat. Gegenüber der Rheinischen Post sagte Dekkers: "Bayer muss stets daran arbeiten, effizienter zu werden. Das gilt vor allem – aber nicht nur – für Verwaltung und Informationstechnik. Unser Ziel ist es immer, möglichst viele Ressourcen für die Stärkung unserer Innovationskraft freizumachen – denn davon lebt Bayer". Im Klartext: Bayer muss weiter Möglichkeiten finden, die Kosten zur drücken und wird dazu alle möglichen Register ziehen. Quelle: dpa
Der Bayer-Chef hat sich selbst ein überaus ehrgeiziges Ziel gesetzt. Er will es in den nächsten Jahren unter die zehn größten Pharma-Hersteller der Welt aufsteigen. Aktuell belegen die Leverkusener Rang 16. Sollten sich der Absatz von Xarelto, dem Augenmittel VEGF und den Krebsmitteln Alpharadin und Regorafenib entwickeln wie geplant, sei damit ein Umsatz von fünf Milliarden möglich, so Dekkers. "Sicher fallen die Spitzenumsätze nicht gleichzeitig an – aber sie würden unseren Pharma-Umsatz von heute rund 10 Milliarden Euro deutlich erhöhen." Brächte die Pipeline den erhofften Erfolg, könne man unter die Top Ten aufsteigen. Quelle: dpa

Wie bei anderen Herstellern läuft das Agrochemie-Geschäft für Bayer derzeit rund. Um fünf Prozent legte der Geschäftszweig im ersten Halbjahr gegenüber Vorjahr zu. Konkurrent BASF verzeichnete sogar ein Plus von 17 Prozent - und konnte damit das eher schwache, klassische Chemiegeschäft etwas überstrahlen. Da die Landwirte gute Preise erzielen können, investieren sie weltweit verstärkt in Pflanzenschutzmittel. "Die Nachfrage nach unseren Produkten nimmt so stark zu, dass wir unsere Kapazitäten deutlich verstärken werden", sagte Condon. Allein 380 Millionen Euro will das  Unternehmen in den Bau einer neuen Anlage für den Unkrautvernichter Liberty im US-Bundesstaat Alabama investieren.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Solche Investitionen gehen zunehmend an Deutschland vorbei: Denn Liberty basiert auf genverändertem Saatgut. Und vom Geschäft mit genmodifizierten Pflanzen lassen die Konzerne in Deutschland und Europa die Finger - zu groß erscheint ihnen der Widerstand gegen ihre Projekte. Anfang 2012 zog sich die BASF aus entsprechenden Forschungen in Deutschland zurück, nachdem etwa zuvor  Gegner Teile eines Versuchsfeldes in Sachsen-Anhalt zerstört hatten. Nun betreibt die BASF das Geschäft mit genmodifizierten Pflanzen vor allem von North Carolina aus.

Im dortigen Research Triangle Park investiert das Unternehmen 33 Millionen Dollar. Im Gegensatz zu BASF hat Bayer beim Geschäft mit den Gen-Pflanzen schon immer einen Bogen um Deutschland gemacht. Vor wenigen Wochen kündigte zudem der US-Agrarkonzern Monsanto an, alle Zulassungsanträge für Genpflanzen in Europa zurückzuziehen. "Die Europäische Union baut praktisch keine Pflanzen mit genveränderten Organismen an. Das Unternehmen hat daraus Konsequenzen gezogen", klagte ein Sprecher.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%