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Chemie Das Ende von BASF als weltgrößter Chemiekonzern naht

Flaggen von BASF in Monheim. Quelle: REUTERS

In China und in Arabien rücken große Chemiekonzerne enger zusammen. Wie gefährlich sind die neuen Konkurrenten für die deutschen Unternehmen?

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Beide sind im Königreich Saudi-Arabien beheimatet: Saudi-Aramco ist das größte Raffinerieunternehmen der Welt, Sabic einer der weltweit profitabelsten Chemiekonzerne. Seit einigen Tagen mehren sich nun Berichte, dass die beiden arabischen Giganten enger zusammenrücken: Aramco soll Milliardenkredite ausloten, um Anteile an Sabic zu erreichen. Damit entstünde der Chemiekonzern mit der weltweit größten Rohstoffbasis. Allein der Börsenwert von Sabic, das unter anderem Kunststoffe und Düngemittel produziert, liegt mit gut 100 Milliarden Dollar bereits über dem der BASF.

Eine ähnliche Entwicklung gibt es in China: Seit Jahren wird dort über eine Fusion der staatlichen Chemie-Giganten Sinochem und Chemchina spekuliert. So weit ist es noch nicht. Doch offensichtlich rücken die beiden Konglomerate nun enger zusammen: Ning Gaoning, der Geschäftsführer von Sinochem, leitet nun auch Chemchina. Dessen Gründer Ren Jinaxin soll die Macht eher ungern aus der Hand gegeben haben. Die gemeinsamen Erlöse von Chemchina und Sinochem würden den BASF-Umsatz von 64 Milliarden Euro im Jahr 2017 deutlich übertrumpfen.

Das Wettbewerbsumfeld für deutsche Chemiekonzerne ändert sich gerade dramatisch. Wer sich in der Branche nach den Folgen für BASF, Covestro, Evonik oder Lanxess umhört, bekommt zu hören, dass die Herausforderung durch die erstarkenden arabischen Wettbewerber deutlich größer ist: Saudi-Aramco und Sabic verfügen nicht nur über billiges Öl, sondern konkurrieren bei vielen Chemieprodukten wie Kunststoffen auch mit deutschen Herstellern. „Beides zusammenzufassen, ergibt inhaltlich eine Menge Sinn“, sagt ein Branchenanalyst. Saudi-Aramco hat bereits klargemacht, dass es seine Zukunft nicht nur im reinen Ölgeschäft sieht – und kooperiert etwa bei einem Kautschuk-Joint-Venture mit dem Kölner Chemiekonzern Lanxess.

Mehr aus der Not geboren ist dagegen die Annäherung zwischen Sinochem und Chemchina in China. Die Begeisterung in beiden Unternehmen soll sich in Grenzen halten. Viel Synergien gibt es nicht: Sinochem ist ein weltweit führender Düngemittelhersteller und Chemchina spielt nach der Übernahme der Schweizer Syngenta im Agrargeschäft mit Pflanzenschutzmitteln und Saatgut eine wichtige Rolle. Vielleicht gebe es da bei der Digitalisierung und beim Marktzugang einige Synergien, sagt ein Branchenkenner: „Aber eine richtig überzeugende Logik für den Deal sehe ich nicht.“ BASF brauche sich jedenfalls keine großen Sorgen zu machen.
Wobei der noch größte Chemiekonzern der Welt in China seine eigene Strategie fährt. BASF plant gerade in der südchinesischen Provinz Guangdong den Bau eines neuen Groß-Standortes. Geschätzte Kosten: rund zehn Milliarden Euro. 2030 sollen die Anlagen stehen. „Wir sind das erste ausländische Unternehmen, das in China einen solchen Verbundstandort alleine baut“, sagt Vorstandschef Martin Brudermüller, „China steht für rund vierzig Prozent des globalen Chemiemarktes.“ Allzu bange vor den neuen Konkurrenten scheint er nicht zu sein: „Unser Fokus liegt eher auf privat geführten Unternehmen, nicht auf staatlichen Unternehmen.“

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