Chemie Lanxess findet reiche Freunde im Mittleren Osten

Der Chemiekonzern Lanxess verbündet sich im Kautschukgeschäft mit dem saudi-arabischen Ölriesen Saudi-Aramco. Auf den ersten Blick passen die Unternehmen kaum zueinander. Doch die  Kooperation bringt beiden Vorteile.

Der Vorstandsvorsitzende der Lanxess AG, Matthias Zachert, Quelle: dpa

Da ist zum einen der saudi-arabische Staatskonzern Saudi Aramco, der größte Ölförderkonzern der Welt, der zuletzt mehr als 300 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz erwirtschaftete. Da ist zum anderen der private Kölner Chemiekonzern Lanxess, der gegenüber Saudi Aramco wie ein Zwerg erscheint: Das eher mittelgroße Chemieunternehmen bringt es auf gerade mal  acht Milliarden Euro Jahresumsatz.  Die beiden ungleichen Partner bilden, wie Lanxess heute bekanntgab, nun ein Joint-Venture im Kautschukgeschäft - die Chancen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit stehen gut.

Die Lanxess-Krise

Lange hatte Lanxess nach einer solchen Kooperation gesucht. Denn das Kautschukgeschäft, das etwa 40 Prozent zum Lanxess-Konzernumsatz beiträgt, leidet seit Jahren unter weltweit zunehmender Konkurrenz, Überkapazitäten und Preisverfall.  Die frühere Führung unter Unternehmenschef Axel Heitmann hatte die Probleme lange schleifen lassen. Im Januar 2014 übernahm sein Nachfolger Matthias Zachert und kündigte eine grundlegende Neuausrichtung an.

Saudis profitieren von Know-How

Doch trotz der Krise hat Lanxess im Kautschukgeschäft einiges zu bieten: Der Konzern hält gute Marktpositionen und gilt als technologisch führend. Das macht Lanxess auch für die ungleich größere Saudi Aramco attraktiv. Denn die Saudis sind schon länger bemüht, sich vom billigen Öl unabhängiger zu machen und wollen verstärkt in nachgelagerte Produkte wie etwa Kautschuk investieren. Von dem Know-How von Lanxess können die Saudis also profitieren. Und umgekehrt erhalten die Kölner einen besseren und günstigeren Zugang zu den Rohstoffen; die Öl-Rechnung von Lanxess dürfte künftig deutlich billiger ausfallen. 

Beide Unternehmen werden jeweils 50 Prozent an dem Joint-Venture halten. Die gemeinsame Holding mit allerdings nur 15 Mitarbeitern entsteht in den Niederlanden in der Nähe von Geleen – kurz hinter der deutsch-niederländischen Grenze und auf halbem Wege zwischen dem Lanxess-Sitz in Köln und der  Europazentrale von Saudi Aramco in Den Haag. Die operative Führung liegt bei Lanxess, das sowohl den Vorstandschef als auch den Vorsitzenden des Aufsichtsrates stellen wird. Während der Vorstandschef noch nicht benannt ist, soll Lanxess-Chef Zachert das Kontrollgremium leiten.

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Für seinen Anteil erhält Lanxess von Saudi Aramco etwa 1,2 Milliarden Euro. Das Geld soll – wenn die kartellrechtlichen Prüfungen abgeschlossen sind – Mitte nächsten Jahres fließen. „Das ist ein Befreiungsschlag für Lanxess“, freut sich Zachert. Für Lanxess soll dann wieder eine Wachstumsphase beginnen. Das Geld will Zachert zum Schuldenabbau nutzen sowie in die verbliebenen Geschäftsfelder, in Fein- und Spezialchemikalien, investieren. Dazu zählen etwa Vorprodukte für Pflanzenschutzmittel oder besondere Chemikalien, etwa zur Lederreinigung oder zum Materialschutz. Wo genau Zachert das Geld anlegen will, möchte er erst im weiteren Verlauf des Jahres verraten. Einen Teil investiert der Lanxess-Chef auch in Aktienrückkäufe – in der Hoffnung, damit den Kurs nach oben zu treiben.

An der Börse ist die Kooperation allerdings schon gut aufgenommen worden. Der Lanxess-Kurs stieg um mehr als drei Prozent. Das sind dann auch mal wieder positive Börsennachrichten für Lanxess: Aufgrund des geringen Börsenwertes muss Lanxess in diesen Tagen den Dax verlassen, dafür rückt das Immobilienunternehmen Vonovia auf.

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