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Chemie Saudi Aramco übernimmt Kautschukgeschäft von Lanxess

Matthias Zachert, Chef des Kölner Spezialchemiekonzerns Lanxess Quelle: imago

Matthias Zachert, Chef des Kölner Spezialchemiekonzerns Lanxess, gibt Gummi. Früher als erwartet trennt sich das Unternehmen von seinem Kautschukgeschäft. Der Käufer ist ein Geschäftspartner aus Saudi-Arabien.

Die Vereinbarung sieht vor, dass der arabische Staatskonzern Saudi Aramco den 50-Prozent-Anteil von Lanxess am gemeinsamen Kautschukgeschäft übernimmt. Der Kölner Chemiekonzern erhält dadurch 1,4 Milliarden Euro, die er überwiegend zum Schuldenabbau verwenden will. Die Kartellbehörden müssen noch zustimmen, Ende 2018 soll der Deal abgeschlossen sein.

Für Lanxess ist der Verkauf ein Einschnitt: Der frühere Chef Axel Heitmann hatte noch stark auf den Ausbau des Kautschukgeschäftes gesetzt – auch als sich weltweit bereits Überkapazitäten abzeichneten. Heitmann hatte Lanxess gut ein Jahrzehnt lang geführt und aus der früheren Bayer-Chemie („Resterampe“) einen veritablen Dax-Konzern gemacht. Doch Heitmanns Mythos verblasste – auch wegen seiner Fehleinschätzung bei Kautschuk. Anfang 2014 musste er gehen.

Zachert, ehemals Finanzvorstand bei Lanxess und Merck, übernahm – und fuhr eine gänzlich andere Strategie: Statt auf Kautschuk setzte er auf profitablere Bereiche wie  Spezialchemikalien, Zusatzstoffe und Kunststoffe. Das ungeliebte Kautschuk-Geschäft brachte er in ein Joint-Venture mit Saudi Aramco unter dem Namen „Arlanxeo“ ein. Eigentlich wollte Zachert erst 2021 entscheiden, ob er den 50-Prozent-Anteil an Aramco verkauft. Nun hat er seinen Entschluss vorgezogen.

Sein bisheriger Partner ist gerade dabei, sich neu aufzustellen: Aus dem weltgrößten Ölförderer soll ein Chemiekonzern werden, der zunehmend auf die Verarbeitung der Rohstoffe setzt. Daher kam den Arabern auch das Kautschuk-Joint-Venture mit Lanxess sehr gelegen, um außerhalb des klassischen Ölgeschäfts zu diversifizieren. Um seine Position in der Verarbeitung zu stärken, lotet Saudi Aramco derzeit auch Möglichkeiten aus, um Anteile am Konkurrenten Sabic zu erwerben.
Der nun abgeschlossene Deal freut jedoch nicht nur Saudi-Aramco, sondern auch die Lanxess Aktionäre, die offensichtlich froh sind, das schwankungsanfällige Kautschukgeschäft los zu sein: Das Lanxess-Papier legte um fünf Prozent zu.
Lanxess ist einer der führenden Chemiekonzerne Deutschlands und erreichte zuletzt einen Jahresumsatz von rund zehn Milliarden Euro.

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