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Chemie stimmt nicht Der große Chef-Clinch bei BASF

Bei BASF stimmt die Chemie nicht. Und zwar die zwischen Konzernchef Kurt Bock und seinem Vorgänger Jürgen Hambrecht, der als künftiger Aufsichtsratsboss gehandelt wird. Ein großer Clinch droht.

BASF-Chef Kurt Bock Quelle: Presse

Kurt Bock sagt: „Upps!“ So antwortet der Vorstandsvorsitzende von BASF einem Studenten, der ihn fragt, was passieren müsse, damit alle Menschen auf der Welt genug zu essen haben. Bock stutzt kurz, wiegt den Kopf, dann beginnt er zu reden. Ähnlich locker reagiert er, als ein junger Mann ihn nach seiner Meinung zur Energiewende fragt – der BASF-Boss pflegt kein Manager- und kein Politikersprech und liefert keine Statements aus der Stanze. „Und das soll ich jetzt in einer Minute beantworten?“, frotzelt Bock stattdessen.

Es ist Mitte Juni, der Chef des weltgrößten Chemiekonzerns diskutiert mit Studenten der Universität Bayreuth über die BASF und die Weltwirtschaft. Als die Moderatorin sagt, dass er laut einer aktuellen Untersuchung als bester Redner unter den Dax-Konzernchefs gelte, antwortet Bock schmunzelnd: „Sie wissen doch, wie man das mit Statistiken macht.“

Deutschlands wichtigster Chemiemanager, 55 Jahre alt, hochgewachsen, lichter Haarkranz, kommt an bei den Leuten, sowohl in Bayreuth als auch in der BASF-Zentrale in Ludwigshafen. Sie rühmen seinen trockenen Humor und wertschätzen, dass Bock erst einmal zuhört, bevor er Entscheidungen fällt – ganz im Gegensatz zu seinem Vorgänger Jürgen Hambrecht. „Bock ist akribisch, humorvoll und lässt die Leute machen, Hambrecht war stur, bissig und mischte sich stark ein“, sagt einer, der beide erlebt hat. Während Hambrecht gerne lautstark poltere, sei Bock leise und sachlich.

In welchen Sparten BASF zugekauft und abgebaut hat

Trotz solchen Zuspruchs könnten die Zeiten für den BASF-Chef bald härter werden. Im Mai 2011 löste Bock den altersbedingt ausscheidenden Hambrecht an der Spitze ab. Der Neue hat in der ersten Hälfte seiner Amtsperiode nicht nur den Führungsstil verändert, sondern in dem Weltkonzern mit 78 Milliarden Euro Jahresumsatz und global über 100.000 Mitarbeitern auch für reichlich neue Impulse gesorgt. Statt auf Massenchemikalien setzt BASF zunehmend auf die Produktion von Substanzen für Gesundheit und Ernährung, zum Beispiel Kosmetika und Medikamente, darunter Omega-3-Fettsäuren gegen Herz-Kreislauf-Krankheiten. Im Gegenzug kappt Bock etwa Kapazitäten in der Textil-, Leder- sowie Bauchemie und streicht dort insgesamt Hunderte von Stellen.

Künftig muss der Erneuerer allerdings wohl mit mehr Widerstand rechnen. Denn wenn nicht alles täuscht, wird Bock bald sein Vorgänger Hambrecht als Aufsichtsratsvorsitzender im Nacken sitzen. Fest steht, dass der Vertrag des amtierenden BASF-Oberkontrolleurs Eggert Voscherau im Frühjahr 2014 ausläuft. Im Konzern gilt als nahezu sicher, dass Hambrecht dann den Vorsitz übernehmen wird – bislang ist noch nahezu jeder BASF-Vorstandschef an die Spitze des Aufsichtsgremiums gewechselt.

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