Chemiekonzern Die drei Problemfelder der BASF

So richtig rund läuft es für den Ludwigshafener Chemiekonzern nur im Geschäft mit Kunststoffen für die Auto- und Bauindustrie. Die meisten anderen Sparten kämpfen mit rückläufigen Erträgen.

Logo von BASF Quelle: dpa

Insgesamt erzielte die BASF im zweiten Quartal nur einen leichten Zuwachs bei Umsatz (plus drei Prozent) und Gewinn vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen (plus zwei Prozent.) In drei seiner fünf Geschäftsfelder kämpft der Chemieriese dagegen mit rückläufigen Erträgen. Dies wurde bei der Vorlage der Quartalszahlen deutlich.

Öl und Gas

Der Erfolg der Sparte hängt vom Ölpreis ab. Der kennt jedoch seit gut einem Jahr nur eine Richtung – nach unten. Verglichen mit dem zweiten Quartal des Vorjahres ist der Ölpreis (auf Basis des US-Dollars) um 44 Prozent gesunken. Aktuell notiert er bei etwa 55 Dollar je Barrel. Die Folgen für die BASF: Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen (Ebit) reduzierte sich im zweiten Quartal um 21 Prozent – von 546 Millionen auf 431 Millionen Euro. Den Bereich Öl und Gas haben die Ludwigshafener in den vergangenen Jahren stark ausgebaut – und sind damit auch anfälliger geworden für Schwankungen.

Das haben die einzelnen BASF-Sparten 2014 erwirtschaftet

Performance Products

Hinter diesem englischen Begriff verbergen sich unter anderem Geschäfte mit Pigmenten und Papierchemikalien. Wegen der Ertragsprobleme will die BASF nun das Pigmentgeschäft ausgliedern, ein vollständiger Rückzug ist nicht ausgeschlossen. Die Ausgliederung der Aktivitäten -  mit 2500 Mitarbeitern und einer Milliarde Jahresumsatz – in eine eigene Gesellschaft soll im zweiten Halbjahr 2016 über die Bühne gehen. „Wir prüfen alle Optionen für das Pigmentgeschäft“, sagt eine Sprecherin – was auch einen kompletten Rückzug nicht ausschließt.

Ähnlich schwierig ist es im Geschäft mit Papierchemikalien, das unter hohen Produktions- und Verwaltungskosten leidet, auch dort hat die BASF bereits umorganisiert und Arbeitsplätze gestrichen. Die Papierchemikalien und große Teile des Pigmentgeschäfts waren 2008 durch die Akquisition des Schweizer Chemiekonzerns Ciba zur BASF gekommen – der Zukauf gilt intern mittlerweile als Fehlkauf. Der Ebit vor Sondereinflüssen im Segment „Performance Products“ reduzierte sich im zweiten Quartal um 19 Prozent.  

Agricultural Solution

Zu deutsch: Pflanzenschutz. Das Ebit vor Sondereinflüssen ging in der Sparte um 16 Prozent auf 365 Millionen Euro zurück. BASF-Chef Kurt Bock klagt über „geringere Mengen“ und „gestiegene Fixkosten durch die Inbetriebnahme neuer Anlagen“. Doch seit Jahren hinkt die BASF etwa dem Pflanzenschutzgeschäft von Bayer hinterher. Bei BASF hapere es an Innovationen im Agrargeschäft, sagen Analysten. Zusätzlich profitiert Bayer – im Gegensatz zur BASF – vom Saatgutgeschäft. „Wer, wie BASF, fast nur Pflanzenschutzmittel verkauft, hängt stärker vom Wetter ab“, sagt Warburg-Analyst Oliver Schwarz, „das Saatgutgeschäft ist dagegen weniger schwankungsanfällig.“

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Kritiker vermissen bei BASF-Chef Bock eine klare Strategie und den Mut zu Zukäufen. Zeit genug, die Probleme anzugehen, hat er noch: Der Aufsichtsrat hat erst vor wenigen Tagen seinen Vertrag bis 2021 verlängert.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%