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Chemieriese vor dem Umbruch Wie BASF den Ruf des "Unantastbaren" verliert

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Konzernchef Bock hat beschränkte Optionen

Das wird Konzernchef Bock generell schwerfallen. Vor allem im Wettbewerb mit den künftig selbstständigen Sparten von DuPont/Dow Chemical sind Bocks Optionen beschränkt. Denn die Aufspaltung der Amerikaner in starke, unabhängig voneinander agierende Einheiten kann er nicht ohne Weiteres kopieren. Kein anderer Chemiekonzern hat seine Produktionsstätten so miteinander verzahnt wie BASF. Ob in Antwerpen (Belgien), Nanjing (China), Geismar und Freeport (USA), Kuantan (Malaysia) oder Ludwigshafen, überall gilt das sogenannte Verbundprinzip: Nebenprodukte aus einer Anlage dienen als Ausgangsstoffe für andere Produktionsstätten.

Allein im Werk Ludwigshafen sind 2800 Kilometer oberirdische Rohrleitungen verlegt, um die Stoffe zwischen den rund 110 Produktionsbetrieben und 200 Anlagen hin und her zu transportieren. Das effiziente System spart erhebliche Energie- und Logistikkosten, insgesamt rund eine Milliarde Euro pro Jahr. Eine Zerschlagung ist da schwierig.

Bock bleibt deshalb nur, sich auf die bisherige schiere Größe zu verlassen und mit Blick auf die neue Konkurrenz Gelassenheit zu demonstrieren. „Die BASF hat in der Chemieindustrie eine starke Marktposition“, lässt er ausrichten. „In rund 70 Prozent unserer Geschäftsfelder belegen wir einen der ersten drei Plätze im Markt.“

BASF hat Lücken im Angebot

Wie lange das so bleibt, ist fraglich. Eines der großen Problemfelder bei BASF ist das Geschäft mit Saatgut sowie mit Pflanzenschutzmitteln. So werden DuPont und Dow Chemical nach ihrer Vereinigung in der Agrarchemie von den Rängen vier und fünf auf Platz eins springen, vor Monsanto aus den USA, Syngenta aus der Schweiz, Bayer und BASF.

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    Zugleich weisen die Ludwigshafener gegenüber dem breiten Angebot des künftigen Weltmarktführers DuPont/Dow Chemical für die Äcker rund um den Globus erhebliche Lücken auf. So fehlen der BASF weitgehend Saatgut und Mittel gegen Insektenbefall. Eine Möglichkeit, das Manko zu beseitigen, könnte ein Einstieg bei Syngenta sein. Um die buhlen gerade der chinesische Mischkonzern Chemchina und wohl auch erneut der US-Konzern Monsanto.

    Auch eine mögliche Verbindung mit Bayer stieße auf Probleme. Zwar würden die Unkrautbekämpfungsmittel von BASF gut zu den Bayer-Insektenkillern passen. Und Branchenkenner sehen dies durchaus als Option. „Wenn in den USA zwei große Unternehmen im Pflanzenschutz zusammengehen, warum sollten das nicht auch BASF und Bayer tun?“, sagt einer von ihnen. Doch in der Praxis dürfte eine solche Liaison auf Widerstand der Kartellbehörden stoßen. Bleibt im Grunde nur die Hoffnung, dass Dow Chemical und DuPont ihrerseits aus Wettbewerbsgründen noch Teile ihres Saatgutgeschäftes abgeben müssen und BASF zum Zuge kommt. Offiziell erklärt der Konzern nur, die Konsolidierung „aufmerksam zu beobachten“.

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