Chemikalienhändler: Brenntag treibt Aufspaltung voran
Der Chemikalienhändler Brenntag geht den nächsten Schritt, um seine beiden Sparten unabhängiger aufzustellen.
Foto: dpaDer Chemikalienhändler Brenntag geht den nächsten Schritt zu einer Aufspaltung in zwei weitgehend eigenständige Geschäftsbereiche. Das Massengeschäft mit Standardchemikalien und das kleinteilige, aber lukrativere Geschäft mit Spezial-Produkten sollen von 2024 an als eigenständige Unternehmen mit einer mächtigeren Führung aufgestellt werden, kündigte Brenntag am Dienstag auf einem Kapitalmarkttag in London an. Zusammengehalten würden die beiden Unternehmen nur von einer schlanken Holding. Vorstandschef Christian Kohlpaintner reagiert damit auf den Druck des aktivistischen Investors PrimeStone. Er ließ aber offen, ob der Konzern eines der beiden Geschäfte an die Börse bringen oder verkaufen werde.
Für die Entscheidung will sich der Brenntag-Vorstand noch drei Jahre Zeit lassen: „Eine Abspaltung ist eine Möglichkeit, aber es gibt auch andere Möglichkeiten“, sagte Kohlpaintner. „Mit der jetzt eingeleiteten Entflechtung kreieren wir Optionalitäten und bereiten Brenntag bis 2026 auf die nächsten strategischen Schritte vor.“
Primestone hatte mehrfach eine Aufspaltung gefordert, die zu höheren Gewinnmargen und einem steigenden Aktienkurs führen soll.
Der lange Weg zu einer möglichen Trennung schreckte einige Anleger ab. Die im Leitindex Dax notierten Brenntag-Titel bröckelten um 1,3 Prozent auf 76,86 Euro ab.
Vorstandschef Kohlpaintner hatte die Forderungen von Primestone zuletzt als „nicht ganz unberechtigt“ bezeichnet. Brenntag komme aber aus dem Massengeschäft und entwickle sich erst vom Generalisten zum Spezialanbieter. „Unsere Kunden und Lieferanten haben sich bereits in die Welt der Spezialitäten auf der einen Seite und der Industriechemikalien auf der anderen Seite sortiert“, sagte er nun. „Unsere beiden unabhängigen und eigenständigen Geschäftsbereiche werden noch näher an die Marktentwicklungen und die Bedürfnisse unserer Kunden und Lieferanten rücken.“
Vor der Aufteilung in Brenntag Essentials (Massengeschäft) und Brenntag Specialties (Spezialitäten) sortiert der Konzern die Sparten teilweise neu. So sollen alle Pharma-Aktivitäten von Essentials auf Specialties übergehen, bestimmte Spezialitäten-Produkte wandern dagegen zu Essentials. Damit „werden wir das Potenzial der attraktiven Wachstumsmärkte für Spezialitäten heben, unsere Performance steigern und unsere Profitabilität deutlich verbessern“, versprach Michael Friede, Chef des Spezialitätengeschäftes.
Die Kosten für die Entflechtung und ein Effizienzprogramm bezifferte Brenntag bis 2027 auf 450 bis 650 Millionen Euro. Es gehe um Einsparungen von 300 Millionen Euro pro Jahr.
Mehr Rendite soll Brenntag aber auch ohne eine vollständige Aufspaltung abwerfen. Das operative Ergebnis (Ebita) soll bis 2027 um sieben bis neun Prozent pro Jahr verbessert werden. Für Specialties seien ebenfalls sieben bis neun Prozent zu erwarten, für Essentials nur fünf bis sieben Prozent. Insgesamt kämen aber 70 Prozent des Rohertrags aus dem Massengeschäft. Ende des vergangenen Jahres hatte Kohlpaintner für den Konzern ein Ebita-Wachstum von sechs bis acht Prozent im Jahr bis 2026 in Aussicht gestellt.
2024 werde besser als 2023, sagte Kohlpaintner. Wie stark die Erholung ausfallen werde, sei aber noch unklar. Brenntag hat wie seine Rivalen Lanxess und BASF mit einer gedämpften Nachfrage zu kämpfen. Die Kunden bauen wegen der flauen Konjunktur zunächst ihre Lagerbestände ab.
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