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China Warum die goldenen Jahre für deutsche Firmen vorbei sind

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„China first“ statt dem angekündigten freien Handel

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos hatte Parteichef Xi leidenschaftlich für freien Welthandel plädiert: In der Praxis folgt er jedoch der Devise „China first“. So haben sich Hersteller von Windkraftanlagen wie Nordex und Repower längst wieder aus China verabschiedet, weil bei Ausschreibungen nur noch chinesische Anbieter zum Zuge kamen. Michael Clauss, deutscher Botschafter in Peking, kennt die Beschwerden deutscher Unternehmen und forderte denn auch prompt, dass Xi seinen Worten bitte schnell Taten folgen lassen soll.

Wenig mit Freihandel zu tun haben auch die strengeren Kapitalverkehrskontrollen: Ausländische Unternehmen haben zunehmend Probleme, Gewinne von China in die Heimat zu transferieren. Die Beschränkungen hat Peking eingeführt, um den Devisenabfluss zu stoppen. Weil immer mehr Chinesen das Vertrauen in die heimische Wirtschaft verlieren, versuchen sie, ihr Vermögen ins Ausland zu schaffen. Ende Dezember lagen die Devisenreserven mit drei Billionen Dollar auf dem niedrigsten Stand seit fünf Jahren. Die für Chinesen gemachten Regeln treffen auch die deutschen Unternehmen.

Mit ganz anderen Problemen durch chinesische Bürokratie kämpfen die Versicherer. Wer wie Allianz oder die Munich-Re-Tochter Ergo in China Versicherungen verkaufen will, muss sich – genauso wie ausländische Autohersteller – mit einem chinesischen Partner verbünden. Lizenzen für den Vertrieb von Policen vergibt die Regierung zudem nur für einzelne Provinzen. Seit mehr als drei Jahren darf Ergo in der Nordostprovinz Shandong Kapitallebensversicherungen verkaufen, profitabel ist der Betrieb bis heute nicht. Kürzlich erhielt das Unternehmen immerhin eine zweite Lizenz für die Provinz Jiangsu. Das Unternehmen soll überlegt haben, sich vom Chinageschäft zu verabschieden, die Pläne sind aber wohl vom Tisch.

Die Allianz will mehr machen – wird aber gebremst

„Das regulatorische Umfeld ist weiterhin herausfordernd, dabei würden wir als Ausländer gern mehr machen“, sagt Uwe Michel, der bei der Allianz das Asiengeschäft verantwortet. Der Konzern verkauft in China Lebens-, Sach- und Krankenversicherungen. Offizielle Zahlen wollen die Münchner nicht nennen. Insidern zufolge erzielt die Allianz allerdings im viel kleineren Indonesien im Lebensversicherungsgeschäft mehr als doppelt so hohe Prämieneinnahmen wie in China. Trotzdem erwirtschaftet die Allianz in China mit Lebensversicherungen im vergangenen Jahr einen kleinen Gewinn immerhin.

Generell hat sich die Gewinnsituation ausländischer Unternehmen in China verschlechtert. In einer aktuellen Umfrage der Europäischen Handelskammer in Peking geben gerade noch 24 Prozent der befragten Unternehmen an, dass ihr Chinageschäft rentabler läuft als der weltweite Durchschnitt. 41 Prozent der Unternehmen wollen deshalb in China die Kosten senken.

Um Verbesserungen zu erreichen, setzen westliche Unternehmen jetzt auf mehr Druck. Kammerpräsident Wuttke fordert genauso wie Siemens-Chef Kaeser den gleichen Marktzugang für europäische Unternehmen in China, wie ihn chinesische Unternehmen in Deutschland genießen; Botschafter Clauss verlangt in Interviews in chinesischen Zeitungen mehr Reformen, China müsse seine Versprechen halten. „Man muss viel Druck machen, um Verhaltensänderungen zu erwirken“, pflichtet eine chinesische Beraterin in Peking bei. „Druck machen“ ist für deutsche Manager aber nur eine theoretische Option: Zu groß ist die Furcht, dass dann das Geschäft leiden könnte. Häufig ist es auch die chinesische Seite, die Druck macht.

In Finanzkreisen heißt es etwa, Siemens-Chef Kaeser hätte, als die Bundesregierung einen deutschen Käufer für den Roboterbauer Kuka suchte, durchaus Interesse gehabt. Nach einem Wink, dass dies dem Siemens-Geschäft in China nicht zuträglich wäre, seien die Deutschen eingeknickt – und Kuka ging an die chinesische Midea.

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