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China Roboter übernehmen Jobs im Reich der Mitte

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Chinesen auf der Überholspur

Billigarbeit als Auslaufmodell - 160 Millionen ungelernte chinesische Wanderarbeiter stehen wegen der Automatisierung vor einer ungewissen Zukunft Quelle: Egill Bjarke für WirtschaftsWoche

Wie zuvor in anderen Branchen, müssen die deutschen Lieferanten aber davon ausgehen, dass die Chinesen einen Großteil der Automatisierungstechnik bald selbst herstellen. Noch dominieren in der technisch extrem anspruchsvollen Robotik deutsche und japanische Produzenten. Bei den Werkzeugmaschinen, die Metallteile drehen und fräsen, holen die Chinesen aber schon rasant auf. Mittlerweile ist das Land der weltgrößte Hersteller – vor fünf Jahren lag es noch auf Platz vier.

„Wir werden hier bald Ähnliches erleben wie in anderen Branchen wie zum Beispiel bei den Betonpumpen: Chinesische Mitbewerber verbessern ihre Maschinen, bis sie gut genug sind für 90 Prozent aller Anwendungen und verdrängen mit günstigen Preisen die deutschen Hersteller“, prophezeit Experte Stieler. „Peking möchte den Werkzeugmaschinenbau als Schlüsselindustrie aufbauen. Dies wird durch großzügige staatliche Subventionen für Forschung und Entwicklung sowie günstige Finanzierungskonditionen – nicht zuletzt für Übernahmen ausländischer Wettbewerber – unterstützt.“ Ein Beispiel sei der staatseigene Branchenprimus Sinomach, der sich gerade daranmacht, den schwäbischen Werkzeugmaschinenbauer MAG zu übernehmen.

„Ziel Chinas ist es, bis 2015 Maschinen nicht mehr nur im unteren Preissegment anzubieten, sondern auch ,State of the Art‘-Technologie zu liefern“, also gängige Technik, warnt eine Studie des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau. Vor allem Maschinen aus deutscher Produktion stehen deshalb bei vielen Chinesen hoch im Kurs. „Sie sind noch immer besser als die einheimischen Produkte“, sagt Liangcai-Chef Wang.

Dramatische Folgen

Wie dramatisch die Folgen der Automatisierung für China selbst sein werden, zeigt Interroll. Das deutsch-schweizerische Unternehmen mit einem Umsatz von rund 225 Millionen Euro im vergangenen Jahr produziert in Suzhou Rollen für Förderbänder, die in Fabriken, auf Flughäfen oder im gerade eröffneten Paket-Zentrum der Deutschen Post in Shanghai zum Einsatz kommen.

Während das Unternehmen Autozulieferern und Logistikern hilft, ihre Produktion zu automatisieren, steht Interroll in China kurz vor der Vollautomatisierung. Geschäftsführer Sean Foong strahlt, wenn er seine neue Produktionsanlage vorführen kann, bei der vier hintereinander geschaltete Maschinen Teile selbstständig fixieren und stanzen.

Wang Wayne, Chef der Unternehmensberatung CDP (zum Vergrößern bitte Bild anklicken) Quelle: Egill Bjarke für WirtschaftsWoche

Seit Ende Mai produziert die Anlage 31.000 Rollen pro Woche – mit sechs Arbeitern. Weniger Menschen, das bedeutet weniger Fehler in der Produktion, weniger Ausschuss und konkurrenzfähigere Produkte. „Billigarbeit wird sterben“, glaubt Foong. „Das Cheap-Labor-Modell in China neigt sich dem Ende zu“, bestätigt auch sein Landsmann Wang Wayne, Geschäftsführer der Unternehmensberatung CDP in Shanghai.

Doch was wird aus den Scharen ungelernter Arbeiter, die durch die neuen Maschinen ihren Job verlieren? Laut Foxconn- bringt die Automatisierung nicht nur finanzielle Einsparungen: Durch die Umstellung der Prozesse würden zudem Mitarbeiter von einfachen, sich ständig wiederholenden Tätigkeiten entlastet. Das schaffe Kapazitäten für intellektuell anspruchsvollere Arbeiten mit höherer Wertschöpfung. Und würde auch dem Ruf des Apple-Zulieferers nützen, nachdem der wegen schlechter Arbeitsbedingungen immer wieder in die Schlagzeilen geraten war.

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