China Shanghais Freihandelszone enttäuscht Unternehmer

Die neue Freihandelszone in Shanghai ist eine Therapie ohne Sinn. Bisher sind vor allem deutsche Unternehmen von dem Projekt nicht überzeugt. Was noch getan werden muss.

Ein Transporter fährt durch den Hafen der Freihandelszone Shanghai Quelle: Reuters

Umzugskartons hat bei Kärcher in Shanghai noch niemand gepackt. Der Mittelständler aus dem schwäbischen Winnenden produziert in China Reinigungsgeräte für den privaten, vor allem aber für den professionellen Gebrauch. Das verspricht gute Geschäfte in einem Land, in dem Arbeitskräfte immer teurer werden. China-Chef Jürgen Uebbing rechnet deshalb mit zweistelligen Wachstumsraten.

Da kommt, so scheint es, die neue Freihandelszone in Shanghai, der Boommetropole im Reich der Mitte, wie gerufen. Unternehmen sollen hier laut Regierung Freiheiten genießen, die ihnen ansonsten in China verwehrt sind, darunter zum Beispiel ein unzensiertes, jederzeit zugängliches Internet. „Wir verfolgen das mit großem Interesse“, sagt der Kärcher-Manager Uebbing.

Doch auch knapp einen Monat nach der Eröffnung sind die Schwaben nicht in das angebliche Unternehmerparadies umgezogen. Von Euphorie ist nichts zu spüren. Kärcher-Statthalter Uebbing kann noch immer nicht abschätzen, was die neue Zone für das Unternehmen bedeutet, und harrt weiterer Informationen von der Regierung. Abwarten, beobachten, genauere Bestimmungen erhoffen bestimmen auch die Gemütslage der anderen deutschen Geschäftsleute in der Region. „Von einem Run in die Zone kann man nicht sprechen“, sagt Jan Noether von der Auslandshandelskammer in Shanghai. Zwar hätten sich rund 800 Unternehmen angemeldet, aber dabei handele es sich fast ausschließlich um solche, die aus China stammen.

Woher die Skepsis der Ausländer rührt, zeigen die wichtigsten Regularien für die neuen unternehmerischen Freiheiten. Zwar gilt für die wirtschaftliche Betätigung nicht chinesischer Firmen in der Freihandelszone eine sogenannte Negativliste. Das ist die größte Neuerung. Danach dürfen die Firmen erstmals in China alles unternehmen, was nicht verboten ist, also nicht auf der Liste steht. Bisher konnten sie sich nur auf Felder stürzen, die ausdrücklich genehmigt waren. Dadurch verkürzt sich in der Freihandelszone die bisher teilweise monatelange Zulassungsprozedur auf nur noch wenige Tage.

Gleichzeitig hat es die Verbotsliste aber in sich. „Sie ist länger, als viele gehofft haben“, sagt Joachim Glatter von der Anwaltskanzlei Taylor Wessing in Shanghai. So umfasst die Aufzählung mehr als 1000 Geschäftsaktivitäten, darunter den Verkauf von Antiquitäten, Medien und das Betreiben von Internet-Cafés. Das klingt eher nach Kontrolle und Zwang als nach Reformen.

Auch eine erhoffte Senkung der Körperschaftsteuer auf 15 Prozent ist ausgeblieben. Stattdessen müssen Unternehmen weiterhin 25 Prozent und Einzelpersonen bis 45 Prozent Steuern zahlen.

„Für produzierende Unternehmen ist die neue Zone – schon allein aus Platzgründen – nur bedingt interessant“, sagt Alexander Streit von der Unternehmensberatung Roedl & Partner in Shanghai.

Auch Manager des deutschen Chemieriesen BASF, der ebenfalls bereits in Waigaoqiao ansässig, fühlen sich nicht sonderlich angezogen. Die Zollerleichterungen in der Freihandelszone könnten aber auf mittelfristige Sicht den Warenverkehr im asiatisch-pazifischen Raum fördern.

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