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Chinas Flugzeugbauer gegen Boeing und Airbus Wie Comac zur dritten Macht am Himmel werden soll

Comac: Wie Chinas Flugzeugbauer zur großen Macht am Himmel wird Quelle: imago images

Nach zwei Abstürzen in Folge ist das Image von Boeing in China beschädigt. Mit dem staatlichen Flugzeugbauer Comac steht dort ein Angreifer bereit, der von der Krise profitieren will. Auch Airbus muss aufpassen.

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Die Flugzeugabstürze in Indonesien und Äthiopien mit insgesamt 346 Todesopfern sind auch in China ein großes Thema. Im Staatsfernsehen und im Internet werden Animationen gezeigt, in denen die Nase der Unglücksmaschine 737 Max scheinbar unkontrollierbar in der Luft auf und ab schwingt, bis es zum Crash kommt. 

Doch berichtet wird nicht nur über das Boeing-Desaster. Es geht auch darum, wie Chinas eigener Flugzeugbauer Comac aufgestellt ist. Der Staatskonzern hat den Auftrag, das Duopol von Boeing und Airbus am Himmel zu sprengen. 

„Der US-Luftfahrtriese Boeing steht vor einem seiner härtesten Tests“, schreibt die parteinahe Zeitung „Global Times“ über die jüngsten Abstürze und kommt zu dem Schluss: „Es wäre ein Fortschritt für die weltweite Luftfahrtindustrie, wenn Comac sicherere Flugzeuge und mehr Komfort bieten kann.“

Der Beweis, dass Comac dazu in der Lage ist, steht noch aus. Die Chinesen sind jedoch dabei, die Lücke mit harter Industriepolitik so schnell es geht zu schließen.

Wichtigste Waffe in der Aufholjagd gegen Boeing und Airbus ist die Comac C919. Deren Markteinführung wird derzeit mit Testflügen und dem Aufbau der Produktion vorbereitet.

Die C919 ist der erste chinesischen Mittelstreckenflieger, der über echte Turbinen-Triebwerke verfügt und ähnlich groß wie ein Airbus A320 oder eine Boeing 737 ist. In zwei Jahren soll der Alltagsbetrieb möglich sein. Rund 800 Bestellungen, die zum größten Teil von chinesischen Airlines stammen, liegen offiziell schon vor. 

Der Flieger ist Teil des chinesischen Industrieplans „Made in China 2025“ zur Entwicklung fortschrittlicher Industrie- und Technologiezweige. Pekings Strategie sieht vor, in vielen Sektoren die Technologielücke zu westlichen Firmen zu schließen und selbst Weltmarktführer hervorzubringen. Zunächst werden Produktionsanlagen modernisiert, später soll das Land dann zu einer „Industrie-Supermacht“ aufsteigen. 

Für die meisten internationale Flüge fehlt der C919 noch die Zulassung. Die braucht der Hersteller aber auch erstmal nicht. Allein der riesige Heimatmarkt kann Comac den Weg zu einem neuen Luftfahrt-Giganten ebnen.

Risiko für Airbus und Boeing

In China, dem bald größten Flugzeugmarkt der Welt, werden laut Schätzungen in den nächsten 20 Jahren mehr als 7000 neue Flugzeuge benötigt. Von diesem Kuchen müssen Boeing und auch Airbus, die sich bislang den chinesischen Markt allein aufteilen, bald ein großes Stück abgeben. 

Zwar brachte der europäische Flugzeugbauer Airbus erst in dieser Woche am Rande eines Staatsbesuchs von Chinas Staatschef Xi Jinping in Paris wieder eine Großbestellung der Chinesen unter Dach und Fach. Konkret geht es um 290 Mittelstreckenjets aus der A320-Familie und zehn Langstreckenjets der A350-Reihe. Doch: „Aufträge dieser Größenordnung wird es in Zukunft seltener geben“, prophezeit Zhao Jian, Professor an der Pekinger Transport-Universität. Der Aufstieg von Comac sei schließlich politisch gewollt. Staatliche Airlines werden deshalb die Weisung erhalten, sich mit Comac-Maschinen einzudecken.

Für die Airlines könnte das Nachteile bergen: Die C919 dürfte dank massiver staatlicher Hilfe zwar günstig zu haben sein, aber ein höherer Kerosinverbrauch wird diesen Kostenvorteil für Fluglinien schnell eliminieren.
Andere Beobachter gehen deshalb von einer langwierigeren Aufholjagd aus. „Natürlich ist es unser Ziel, ein dritter großer Spieler auf dem Markt zu werden“, sagt der chinesische Luftfahrt-Experte Yang Shao. Die C919 sei allerdings nur „der erste Schritt“. China habe derzeit noch mehr davon, mit den westlichen Konkurrenten zusammenzuarbeiten, als sie zu bekämpfen. 

Chinas erster Passagierjet hebt ab
Erstflug Comac C919 Quelle: dpa
Erstflug Comac C919 Quelle: dpa
Erstflug Comac C919 Quelle: REUTERS
Erstflug Comac C919 Quelle: AP
Erstflug Comac C919 Quelle: AP
Erstflug Comac C919 Quelle: dpa
Erstflug Comac C919 Quelle: AP

Peking hatte Airbus und Boeing bereits vor Jahren dazu verpflichtet, in China Endmontagefabriken zur Auslieferung ihrer Flugzeuge zu betreiben. Die westlichen Hersteller können so zwar umso mehr Maschinen verkaufen, geben aber auch viel Wissen an die Chinesen preis, die schnell lernen. 

Der nächste Schritt ist schon in Planung: So bald wie möglich will Comac zusammen mit Russland den Bau der C929 beginnen. Das Großraumflugzeugs soll Platz für 300 Passagiere bieten und zu 9000 Kilometer weit fliegen können – nochmal ein deutlicher Schritt nach vorn. 

Ob Boeings Situation in China künftig schwieriger wird, dürfte auch vom weiteren Verlauf des Handelsstreits mit den USA abhängen. Ab Donnerstag werden der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer und Finanzminister Steven Mnuchin zur nächsten Verhandlungsrunde in Peking erwartet. Ein möglicher Deal der beiden Länder könnte vorsehen, dass China bald deutlich mehr in den USA einkaufen muss. Große Aufträge für Boeing wäre dann wahrscheinlich. Platzen die Gespräche, könnte Peking den Druck auf den US-Konzern dagegen erhöhen.

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