Clemens gegen Robert Tönnies Frieden im Fleischkonzern lässt auf sich warten

Der Streit im Metzger-Clan Tönnies geht weiter. Eine angeblich bevorstehende Einigung im Streit um die Macht in Deutschlands größtem Fleischkonzern ist nicht in Sicht.

Prozess Tönnies Quelle: dpa

Clemens Tönnies hatte wieder einmal tief in die Trickkiste gegriffen, um den Druck auf seinen Neffen und Kontrahenten Robert Tönnies zu erhöhen. Dazu lancierte der Chef der gleichnamigen Großmetzgerei im westfälischen Rheda-Wiedenbrück in den vergangenen vier Wochen an verschiedene Medien die Behauptung, eine Einigung im Kampf um die Macht bei Deutschlands größtem Fleischkonzern befinde sich auf der Zielgeraden.

Jedes Problem sei in den vergangenen Wochen angesprochen und gelöst worden, eine Unterschrift unter einen Vertrag zur Beilegung der Streitigkeiten vielleicht schon bis Anfang August möglich. Zwischen den Zeilen klang mit: Sollte eine Einigung doch noch scheitern, dann kann das nur an seinem renitenten Neffen Robert und dessen möglichen Nachforderungen liegen.

Die Deutschen stehen auf Wurst und Fleisch

Die Wirklichkeit ist jedoch eine andere. Laut Informationen der WirtschaftsWoche aus dem Familienumfeld handelt es sich bei dem angeblich unterschriftsreifen Vertrag nur um einen Grobentwurf der Münchner Anwaltskanzlei Noerr, die Clemens Tönnies vertritt.

Vertrag ist nicht abgestimmt

Von einem bevorstehenden westfälischen Frieden kann keine Rede sein. Jede Seite des Vertrags trägt den Hinweis der Kanzlei Noerr: „Noch nicht final mit Mandant abgestimmt.“ Soll heißen: Der angeblich unterschriftsreife Text ist nicht einmal von Clemens Tönnies abgesegnet.

Das Geheimnis der Unternehmerfamilien
Die reichsten deutsche Unternehmerfamilien in Deutschland konnten ihr Vermögen in den vergangenen zehn Jahren weiter steigern: Seit 2001 wuchs ihr Vermögen um fünf Prozent auf 320 Milliarden Euro im Jahr 2012. Das belegt eine Studie des Center for Family Business (CFB) der Universität St. Gallen. Nicht nur die Quandt-Erbin Susanne Klatten (Foto) war mit ihren Beteiligungen erfolgreich. Quelle: AP
Die größten Wertsteigerungen können die Familien Jacobs, Herz, Reimann, Kühne (im Bild: Klaus-Michael Kühne) und Hopp vorweisen, die ihr Vermögen jeweils um mehr als drei Milliarden Euro steigern konnten. Quelle: dpa
Die Unternehmen der Familienmitglieder müssen laut Studie nicht immer rechtlich mit einander verbunden sein - auch mit den familiären Bunden alleine lässt sich ein gutes Geschäft machen. Besonders deutlich zeigt sich das in der Kooperation der beiden Beteiligungen der Quandt-Erbin Susanne Klatten, BMW und SGL Carbon, die beim Bau der Elektroautos i3 und i8 kooperieren. BMW-Großaktionärin Klatten hält über ihre Beteiligungsgesellschaft Skion knapp 27 Prozent der SGL-Anteile, BMW zusätzlich knapp 16 Prozent. Quelle: Reuters
Die erfolgreichsten Familiendynastien sind nach Ansicht der Forscher im Mittel 80 Jahre alt. Eine weitere Gemeinsamkeit der Erfolgreichen: etwa zwei Drittel ihres Vermögens investieren sie nach wie vor in das Ursprungsunternehmen. In weit mehr als der Hälfte aller Familien ist nicht ein Einzelunternehmer, sondern sind fünf oder mehr Familienmitglieder unternehmerisch tätig. In ihrem Besitz befinden sich im Schnitt 75 Unternehmen. Bei der Quandt-Familie (im Bild: Sefan Quandt, seine Mutte Johanna Quandt und seine Schwester Susanne Klatten) sind es sogar 22 Mitglieder, die Beteiligungen an 316 Unternehmen halten. Quelle: AP
Doch auch die größten Dynastien können ins Wanken geraten: Nur 65 der Unternehmerfamilien, die 2001 in der Liste der 100 reichsten geführt wurden, sind auch 2012 in der Rangliste vertreten. In 13 Familien sind die Gründe dafür finanzielle Probleme - wie beispielsweise in den Familien Kirch oder Merckle (Foto), die neben ihrem Patriarchen auch weite Teile ihres Vermögens verloren. Acht Familien verlagerten ihren Wohnsitz, fünf verwässerten durch Erbschaft ihr Vermögen, vier Unternehmer starben ohne Erben. Quelle: AP
Im Unterschied zu Private-Equity-Unternehmen investieren die Unternehmerfamilien aber oft langfristiger oder sogar unbegrenzt. Das kann sich auch auszahlen: Aus einer 100-Prozent-Beteiligung an Benckiser (bekannte Marken: Calgon, Calgonit), die rund zwei Milliarden Euro wert war, hat die Familie Reimann nach Fusion mit Reckitt im Jahr 1999 und dem folgenden Börsengang ein Unternehmen mit einem Wert von 4,8 Milliarden, an dem die Unternehmerfamilie immer noch zehn Prozent der Anteile hält. Quelle: PR

Mittlerweile soll der Stuttgarter Anwalt Mark Binz den Vertragsentwurf im Auftrag seines Mandanten Robert Tönnies sogar zurückgewiesen und eine deutliche Überarbeitung gefordert haben. Knackpunkt ist dem Vernehmen nach, dass die Anwälte von Clemens Tönnies im Entwurf die Gleichberechtigung des Onkels mit seinem Neffen verwässert haben.

Die aber hatten beide mündlich ausdrücklich vereinbart. Auch Punkte wie eine zu gründende Zwischenholding, die Ausgestaltung und Kompetenzen einer Doppelkonzernspitze aus Clemens und Robert Tönnies sowie die Frage, wie stark sich beide künftig ins Tagesgeschäft einbringen, sind umstritten. Keine Einigung gibt es auch über die Einbindung anderer Familienmitglieder.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Onkel und Neffe sind jeweils zur Hälfte an Deutschlands größtem Fleischkonzern mit einem Umsatz von 5,6 Milliarden Euro beteiligt. Robert fordert allerdings von seinem Onkel, der im Nebenberuf dem Fußballbundesligisten Schalke 04 vorsteht, einen fünfprozentigen Anteil zurück, den er ihm vor Jahren geschenkt hatte.

Clemens habe die Schenkung verwirkt, weil er hinterrücks ein eigenes Wurstimperium – die Zur-Mühlen-Gruppe mit Marken wie Böklunder und Gutfried – aufgebaut und auf eigene Rechnung in Russland Schweinemastbetriebe gegründet habe.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%