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Clemens Tönnies Von der Schlachtbank zum Fanblock

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Transparenz bei Schalke und Schwein

Clemens Tönnies Quelle: Nils Hendrik Müller für WirtschaftsWoche

Das Bundeskartellamt hat Ihnen Ende 2011 die Übernahme des münsterländischen Schlachters Tummel untersagt, weil es Tönnies für zu marktbeherrschend hält. Ist das Thema damit erledigt?

Nein. Der Beschluss hat aus unserer Sicht und auch aus Sicht unserer Anwälte erhebliche Mängel. Wir haben daher noch im alten Jahr Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf eingelegt.

Ihr Neffe Robert forderte Sie jetzt zu Jahresbeginn in einem Schreiben auf, Ihre privaten Beteiligungen in das Familienunternehmen einzubringen. Tun Sie das?

Bitte haben Sie Verständnis. Das müssen wir familienintern besprechen.

Außerdem verlangt Ihr Neffe eine Doppelspitze und einen unabhängigen Aufsichtsrat. Akzeptieren Sie das?

Wir haben großen Erfolg mit der aktuellen Unternehmensstruktur. Auch weil wir uns immer weiterentwickelt haben. Das tun wir sicher auch in Zukunft.

Beim Fleisch predigen Sie Transparenz, mit Schalke kontrollieren Sie einen Verein, dessen Bilanzen für Undurchschaubarkeit berüchtigt sind. Geld wandert von einer Tochtergesellschaft zur anderen, um dort aufzutauchen, wo es gerade gebraucht wird. Wie geht das zusammen?

Gar nicht! Und deshalb haben wir das bei Schalke komplett abgestellt und auch hier – wie bei unserem Fleischbetrieb – Transparenz eingeführt. Es stimmt, dass wir als Aufsichtsrat eine Entwicklung bei den Tochtergesellschaften mit getragen haben, die dazu führte, dass das ganze Konstrukt Schalke aus heutiger Sicht zu sehr verschachtelt war.

Warum?

Wir wollten uns eine Zeit lang wie ein Konzern aufstellen und hatten alle möglichen Ideen. Wir überlegten, eine eigene Softwaregesellschaft zu gründen, die Eintrittssysteme für die gesamte Liga entwickelte. Wir wollten den Catering-Bereich multiplizieren und andere Dinge mehr. Wir waren davon ein wenig verzaubert. Aber in der Praxis ist nichts passiert. Am Ende haben diese Gesellschaften zwar existiert, lebten aber von dem Umsatz, den Schalke machte. Das konnte nicht klappen. Also haben wir es geändert.

Vor zwei Jahren hatte Schalke angeblich 260 Millionen Euro Schulden, der Verein stand auf der Kippe.

Da geisterten viele verschiedene Zahlen durch die Welt, die meisten waren falsch. Aber das war der Zeitpunkt, zu dem ich richtig eingestiegen bin. Zusammen mit Geschäftsführer Peter Peters haben wir den Verein neu strukturiert. Wir haben Stück für Stück die Peripherie bereinigt.

Was meinen Sie damit?

Wir haben uns von allen möglichen Geldgebern getrennt, die uns in Wahrheit nur gemolken haben.

Darunter war auch Stephen Schechter, jener 2002 als Heilsbringer gefeierte Londoner Finanzier, der Schalke 85 Millionen Euro verschaffte, als Gegenleistung sich jedoch die Zuschauereinnahmen der nächsten 25 Jahre überschreiben ließ?

Die 85-Millionen-Euro-Anleihe war ein genialer Schachzug des damaligen Präsidenten Josef Schnusenberg. Denn kurz zuvor war die Münchner Kirch-Gruppe pleitegegangen, damit brachen der Liga Millioneneinnahmen aus dem Verkauf der Fernsehrechte weg. Wir mussten reagieren, brauchten liquide Mittel. Da kam Schechter gerade recht. Aber im Laufe der Zeit hat er immer stärker versucht, in den Verein hineinzuregieren. Er wollte bestimmen, wer im Management sitzt und wer nicht. Das geht nicht. Dann kamen plötzlich irgendwelche Zahlen an die Öffentlichkeit, die den Verein in einem ganz schlechten Licht stehen lassen sollten.

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