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Corona-Impfstoff Johnson & Johnson macht mit Impfstoff bereits Kasse – und jetzt gibt die EMA grünes Licht

Allein im ersten Quartal hat der Pharmakonzern Johnson & Johnson mit seinem Corona-Impfstoff rund 100 Millionen Dollar (rund 83 Millionen Euro) umgesetzt. Quelle: imago images

Der Corona-Impfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson kann in der EU uneingeschränkt verwendet werden, hat die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) bekannt gegeben. Schon bislang verdiente der Konzern gut an dem Impfstoff.

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Experten der Europäischen Arzneimittelbehörde haben am Dienstagnachmittag ihre Untersuchungsergebnisse zu einem möglichen Zusammenhang zwischen dem Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson und seltenen Gehirnvenenthrombosen vorgestellt. Demnach gebe es zwar eine mögliche Verbindung zu sehr seltenen Fällen von ungewöhnlichen Thrombosen, teilte die EMA mit. Die EU-Arzneimittelbehörde bewertet den Nutzen des Coronavirus-Impfstoffs aber höher als die Risiken. Ein entsprechender Warnhinweis solle beigefügt werden.

Zudem gebe es eine große Ähnlichkeit zu Fällen, die bei dem Impfstoff von AstraZeneca aufgetreten seien, teilte die EMA weiter mit. Die US-Behörden hatten vor einer Woche nach dem Auftreten seltener Thrombosen zu einer vorübergehenden Aussetzung von Impfungen mit dem Mittel geraten. Dort waren sechs Fälle von Hirnvenenthrombosen festgestellt worden, nachdem fast sieben Millionen Menschen mit dem Impfstoff behandelt worden waren, von dem nur eine Dosis benötigt wird. Johnson & Johnson riet daraufhin den europäischen Regierungen, ihre Dosen einzulagern, bis die EMA über ihre Verwendung entschieden hat und hatte die Auslieferung des Impfstoffs in die EU, die erst Anfang vergangener Woche begonnen hatte, verschoben. Nun, nach dem grünen Licht der EMA, will der US-Hersteller will die Markteinführung seines Corona-Impfstoffes in Europa fortsetzen.

Auch in den USA erwarten Experten noch diese Woche eine neuerliche Freigabe des Vakzins. Der oberste US-Virologe Anthony Fauci sagte im US-Fernsehen, er rechne für mit einer raschen Entscheidung zum weiteren Umgang mit dem J&J-Corona-Impfstoff. Er sei sich fast sicher, dass die zuständigen Gesundheitsbehörden bis Freitag eine Entscheidung träfen, sagte Fauci am Sonntag im Fernsehsender CBS. Eine Möglichkeit wäre, die Impfungen mit Einschränkungen oder einer Warnung wieder aufzunehmen, sagte er. Dass die Behörden das Mittel aus dem Verkehr zögen, glaube er nicht, sagte Fauci im Sender NBC. Berater der US-Zentren für Krankheitskontrolle und -vorbeugung wollen am Freitag zusammenkommen, um das weitere Vorgehen zu erörtern.

Johnson & Johnson hatte sich am Nachmittag vor der EMA-Entscheidung noch einmal von den Vorteilen seines Corona-Impfstoffs überzeugt gezeigt. „Wir glauben weiterhin an das positive Nutzen-Risiko-Profil unseres Impfstoffs“, sagte Forschungschef Paul Stoffels in einer Analystenkonferenz. Der Pharmakonzern sei bereit, die Auslieferungen des Vakzins in Europa wieder aufzunehmen. Das Unternehmen plane unverändert, in diesem Jahr 200 Millionen Dosen an die EU, Norwegen und Island zu liefern. Ein großflächiger Einsatz des Impfstoffs hat in Europa noch nicht begonnen.

Am Mittag hatte der Pharmakonzern derweil großartige Quartalszahlen vorgelegt. Allein mit seinem Corona-Impfstoff hat der Pharmakonzern im ersten Quartal rund 100 Millionen Dollar (rund 83 Millionen Euro) umgesetzt. Johnson & Johnson präzisierte seine Prognose und erwartet nun im Gesamtjahr ein bereinigtes Ergebnis von 9,42 Dollar je Aktie bis 9,57 Dollar. Zuvor hatte J&J 9,40 bis 9,60 Dollar erwartet.

Der Konzern verlangt 8,50 Dollar pro Dosis seines Impfstoffes – und damit deutlich weniger als Biontech (14,75 Dollar) und Moderna (18 Dollar). J&J will eine Milliarde Impfstoffdosen pro Jahr liefern. Bei der Wirksamkeit fällt J&J allerdings gegenüber Biontech und Moderna zurück: Einer weltweiten Studie zufolge hat der J&J-Covid-19-Impfstoff eine Wirksamkeit von 66 Prozent. Die Studie umfasste rund 44.000 Teilnehmer auf drei Kontinenten. Gegenüber Biontech und Moderna, die beide eine Wirksamkeit von über 90 Prozent belegen können, ist das wenig. Der Impfstoff von AstraZeneca kommt auf 60 bis 70 Prozent. Vor den ernsten Symptomen schützt das J&J-Vakzin allerdings zu 85 Prozent. Laut der Studie konnte die Impfung zudem zu 100 Prozent Krankenhausaufenthalte und Todesfälle verhindern.

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Während Johnson & Johnson, ebenso wie AstraZeneca, einen Vektor-Impfstoff entwickelte (zu dem auch der russische Sputnik-Impfstoff zählt), arbeiteten Biontech/Pfizer, Moderna und Curevac an mRNA-Impfstoffen. Letztere prägen unter anderem primär die Impfkampagne in den USA. Der größte Teil der Impfungen dort erfolgt mit den Wirkstoffen von Moderna und Biontech/Pfizer.

Mehr zum Thema: Die Antwort scheint für viele klar. Den mRNA-Vakzinen steht eine große Zukunft bevor. Doch was unterscheidet eigentlich die beiden Arten von Impfstoffen? Und was passiert dabei im Körper? Wie sich die Impfstoffe unterscheiden.

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