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Coronavirus-Folgen Industrie brechen Aufträge weg: „Der Tragödie erster Teil“

Die Bestellungen bei Investitionsgütern – zu denen Fahrzeuge, Maschinen und Anlagen gehören – brachen überdurchschnittlich ein. Quelle: dpa

Ein Minus von fast 16 Prozent musste die deutsche Industrie im März verbuchen. Im Epizentrum: die deutsche Autoindustrie. Und Ökonomen befürchten, dass es sogar noch schlimmer kommen könnte.

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Der deutschen Industrie ist das Neugeschäft wegen der Corona-Krise in einem nie dagewesenen Tempo weggebrochen. Sie sammelte im März 15,6 Prozent weniger Aufträge ein als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch mitteilte. Das ist der stärkste Rückgang seit Beginn der Statistik 1991. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Minus von 10,0 Prozent gerechnet. „Im Zuge des weltweiten Konjunkturschocks durch die Corona-Pandemie sowie der Maßnahmen zu ihrer Eindämmung sind die industriellen Auftragseingänge im März drastisch eingebrochen“, erklärte das Ministerium. „Es ist von kräftigen Produktionsrückgängen ab März wegen Corona auszugehen.“

Ökonomen befürchten, dass es sogar noch schlimmer kommt. „Der März ist der Tragödie erster Teil“, sagte DekaBank-Volkswirt Andreas Scheuerle. „Der Einbruch der Auftragseingänge zeigt die Wucht, mit der Corona auf die deutsche Industrie trifft. Und dennoch ist das erst die eine Hälfte der Wahrheit, denn zu dem Kollaps der Neuaufträge wird auch eine Welle von Auftragsstornierungen kommen.“

Die Bestellungen bei Investitionsgütern – zu denen Fahrzeuge, Maschinen und Anlagen gehören – brachen im März mit 22,6 Prozent überdurchschnittlich ein. „Das Epizentrum der Auftragsschwäche war die Automobilindustrie“, sagte Scheuerle. „Keine andere Industrie-Branche war von den Produktionsstopps stärker betroffen.“ Bei Vorleistungen gab es nur einen Rückgang um 7,5 Prozent, bei Konsumgütern sogar nur von 1,3 Prozent.

„Das Tief kommt dann möglicherweise im April, dann dürfte auch die Konsumgüterindustrie den Einbruch zu spüren bekommen“, erwartet LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch. „Eine Besserung ist nicht vor Mai zu erwarten, vorausgesetzt dass wir Lockerungen ohne erneutes Aufflammen der Pandemie sehen. Die Aufräumarbeiten werden die Wirtschaft noch Jahre beschäftigen.“

Die Aufträge aus dem Inland sanken im März um 14,8 Prozent zum Vormonat. Die Bestellungen aus dem Ausland gingen sogar um 16,1 Prozent zurück. Aktuelle Umfragen unter Industriebetrieben lassen nicht auf eine baldige Trendwende hoffen. Das Geschäftsklima in der deutschen Industrie fiel im April auf den niedrigsten Wert seit März 2009, wie das Ifo-Institut ermittelte. Die Ausbreitung des Virus und die Maßnahmen zur Eindämmung haben zuletzt Teile der Wirtschaft weitgehend lahmgelegt – auch weil Lieferketten unterbrochen wurden.

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