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Crommes Nachfolger Lehner Der Aufsichtsrat von ThyssenKrupp im Risiko

Stiftungschef Berthold Beitz berief den früheren Henkel-Chef Lehner als Nachfolger von Gerhard Cromme. Doch derzeit dürfte Lehner voller Sorge nach Basel blicken. Dort ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn.

Der ehemalige Henkel-Chef, Ulrich Lehner, wird neuer Aufsichtsratschef bei ThyssenKrupp. Quelle: REUTERS

Die Entscheidung von Beitz, Ulrich Lehner zum Chef des Kontrollgremiums des Stahl- und Technologiekonzerns zu berufen, lag eigentlich sehr nahe. Beitz kennt Lehner seit langem, beide pflegen ein Vertrauensverhältnis. Auch die Familie Henkel, der Lehner lange als Vorstandschef des Düsseldorfer Waschmittelkonzerns (Persil, Pattex) diente, ist Beitz seit langem vertraut. Konrad Henkel war ein alter Weggefährte und bevorzugte Gesprächspartner von Beitz. Außerdem kennt Lehner das Unternehmen ThyssenKrupp seit 2008, denn seitdem gehört er dem Aufsichtsrat an und hört seit langem die Klagen der Aktionäre gegen die milliardenschweren Fehlinvestitionen in Übersee in nutzlose Stahlwerke.

Diese Figuren bestimmen das Machtspiel
Gerhard Cromme, 69, der Aufsichtsratschef der ThyssenKrupp AG Seit seinem Einstieg Ende der 1980er Jahre saß er an allen wichtigen Schaltstellen des Essener Konzerns - und war für den Umbau des Traditionsunternehmens mitverantwortlich. Stets unter dem wachsamen Auge von Berthold Beitz, mit dem er sich abspricht. Cromme saß im Krupp-Chefsessel, schon bevor diese in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde , und noch bevor diese mit der Thyssen Stahl AG fusionierte. Seit 2001 ist er der Aufsichtsratsvorsitzende der ThyssenKrupp AG - und in dieser Position war er an allen wesentlichen Entscheidungen beteiligt, die schließlich zur Fehlinvestition der Stahlwerke in Brasilien und den USA führten. Nun dürften nicht wenige Aktionäre die Frage stellen: Was und wie viel wusste Gerhard Cromme genau? Quelle: dapd
Berthold Beitz, 99, Vorsitzender der Krupp-Stiftung Er ist ein Urgestein bei Krupp, für das Unternehmen arbeitet er seit bald 60 Jahren. Im Jahr 1968 übernahm Beitz den Vorsitz des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Dieser Stiftung, in die das Kruppsche Privatvermögen überführt wurde, gehört wiederum 25,3 Prozent an Thyssen-Krupp. Beitz ist somit einer der mächtigsten Manager in der deutschen Wirtschaft. Als Vorsitzender der Stiftung unternimmt Beitz auch informelle Intervention im ThyssenKrupp-Konzern, gemeinsam mit Cromme bildet Beitz ein gehärtetes Duo, an dem keiner im Konzern vorbeikommt. Beitz gab eine Biographie heraus, die er vor Drucklegung absegnete. Infolgedessen ist fast nur Positives über ihn dort zu lesen, wenig Selbstkritisches. Eine überragende Position nimmt Beitz in der Nazizeit ein. Er ist zwar kein Widerstandskämpfer, rettet aber - ähnlich wie Oskar Schindler - hunderten von Juden das Leben, in dem er sie als Direktor der Kapathen-Öl in Russland anstellt und somit vor dem Tod bewahrt. Quelle: dpa
Heinrich Hiesinger, 52, Vorstandsvorsitzender der ThyssenKrupp AG Vor seinem Aufstieg in den Chefsessel der ThyssenKrupp Anfang 2011 war Hiesinger bei Siemens für den Sektor Siemens Industry zuständig. Bei ThyssenKrupp hat sich der Schwabe vorgenommen, die alten Seilschaften zu kappen und den Konzern nach den Maßstäben des Weltmarktes zu richten. Dafür möchte Hiesinger Kosten senken und die Effizienz steigern. Die Losung lautet: Weg vom Stahl und dafür mehr Industrie- und Anlagenbau, Aufzüge und Marineschiffbau. Quelle: dpa
Guido Kerkhoff, 44, Finanzvorstand der ThyssenKrupp AG Gemeinsam mit Konzern-Chef Hiesinger steht Kerkhoff vor der Aufgabe, ThyssenKrupp wieder auf Vordermann zu bringen. Vor seinem Managerposten bei ThyssenKrupp war er Mitglied des Vorstands der Deutsche Telekom AG, verantwortete die Region Süd- und Osteuropa und ab April 2010 die Region Europa. Als Finanzchef der ThyssenKrupp AG möchte er am operativem Geschäft teilnehmen und die hierarchische Kultur im Konzern abschaffen. Quelle: dapd
Bertin Eichler, 61, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei der Thyssen Krupp AG, Vorstandsmitglied der IG Metall Eichler musste jüngst einräumen, dass er mit dem Aufsichtsrat von ThyssenKrupp auf Kosten des Unternehmens in der Ersten Klasse nach China, Thailand, in die USA und nach Kuba geflogen war. Sein Einwand: Es habe sich um dienstliche Reisen gehandelt. Eichler will sich zur Hauptversammlung im Jahr 2014 aus dem Aufsichtsrat zurückziehen. Zudem kündigte der Gewerkschafter an, die Differenz zwischen den Kosten der meist von Geschäftsreisenden benutzten Business-Klasse und der Ersten Klasse zu erstatten. Denn: „Es ist nicht alles richtig, was zulässig und üblich war“. Quelle: dpa
Diese Vorstandmitglieder mussten wegen der schweren Managementfehlern und Fehlinvestitionen auf Anordnung Crommes ihren Platz räumen: (von links nach rechts) Compliance-Vorstand Jürgen Claassen (54), Technologie-Vorstand Olaf Berlien (50) und Stahl-Vorstand Edwin Eichler (54).

Doch Lehner geht ein Risiko ein und mit ihm Berthold Beitz mit dem gesamten, durch eigenes Verschulden in die Schlagzeilen geratenen Traditionskonzern. Die Staatsanwaltschaft Basel ermittelt gegen Lehner, wegen eines Verdachts. Erwiesen ist noch nichts. Aber selbst gegen Lehner-Vorgänger Cromme, der lange befehdet wurde von Aktionären und Kontrahenten innerhalb der Konzerne Siemens und ThyssenKrupp, lief niemals ein staatsanwaltliches Ermittlungsverfahren während seiner Position als Aufsichtsratschef von ThyssenKrupp. Das ist im Unternehmen nun anders geworden. ThyssenKrupp hat bald einen Chefkontrolleur, gegen den ermittelt wird. Dieser Tausch wird bei vielen ThyssenKrupp-Managern als nicht gerade glücklich angesehen. Der Vorwurf gegen Lehner: Er soll im Verwaltungsrat des Pharmariesen Novartis dem scheidenden Konzernchef Vasella eine Abfindung in Höhe von 60 Millionen Euro genehmigt haben, nicht er allein, aber im Gremium. Und Lehner gehörte bei Novartis auch dem Vergütungsausschuss an. Die Staatsanwaltschaft Basel sagt, ohne Lehner zu namentlich zu nennen: Sie ermittele wegen des Verdachts einer „ungetreuen Geschäftsbesorgung“. Untreuevorwürfe sind keine gute Mitgift für einen Cromme-Nachfolger.

Am 19. März soll Lehner zum Chefkontrolleur gewählt werden. Die Arbeitnehmerseite steht hinter ihm. Sie erhofft sich von Lehner eine sanfte Umorganisation von ThyssenKrupp, keine harten Schnitte, so heißt es aus einem der Betriebsräte des Konzerns. Das war auch der Lehner-Stil bei Henkel. Bisher jedoch hatte sich Vorstandschef Heinrich Hiesinger etwas klarer ausgedrückt, er will den gesamten Konzern auf den Prüfstand stellen und kennt dabei keine Tabus. Es darf kein Tabu sein, Untreuevorwürfen gegen ThyssenKrupp-Manager nachzugehen. Staatsanwaltliche Ermittlungen dürfen nun kein Grund sein, solche Manager auch bei schwebenden Verfahren heraus zu komplementieren.

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Wenn schon der Aufsichtsratschef den Staatsanwalt aushält, dann gilt das von nun ab auch für andere verdächtige Manager, zum Beispiel wenn gegen sie wegen des Verdachts von Kartellverstößen ermittelt wird.

Ist das ein guter Start in die neue ThyssenKrupp-Ära?

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