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Datenschutz in der Industrie 4.0 Die lange Nacht der Forderungen

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Staat muss seine Hausaufgaben machen

 

Der Forderung nach einem einheitlichen Datenschutz schob der EU-Kommissar gleich den Ruf nach anderen Ausbildungsschwerpunkten („Wir brauchen an Hochschulen weniger – aber bessere – Juristen und mehr Informatiker.“) und nach einem „virtuellen Sachrecht“ hinterher: „ Die Daten hängen nicht an einer Postleitzahl, deshalb brauchen wir ein europäisches Recht.“

 

Widerspruch kam vom Podium keiner. Im Gegenteil, Siemens-Vorstand Russwurm ging sogar einen Schritt weiter: „Wer global tätig ist, sollte auch globale Datenregeln propagieren.“ Dabei schwebt ihm aber mehr eine Art Gütesiegel denn Detailregulierung vor. Nicht jede neu entwickelte Breitenanwendung könne eigene Datenschutzregeln bekommen. „Wir brauchen aber einen verlässlichen Rahmen für die Verwendung von Daten.“ 

Seine Angst: Stellt ein Unternehmen wie Siemens seine Programme im Rahmen einer Ausschreibung einem Kunden zur Verfügung, und dieser entscheidet sich aber für einen Wettbewerber, sei die rechtliche Lage, wann wem welche Daten gehören, unklar.

Welche Technologien uns besser leben lassen
Berührungslos greifen:Ein Chip erfasst Nervenreize. Denkt ein Proband „Greifen“, kann er eine Prothese fernsteuern. Quelle: ap
Magnetismus spüren:Werden kleine Magnete unter die Haut der Fingerkuppen implantiert ( 200 Euro), können Menschen elektromagnetische Felder wahrnehmen. Quelle: dpa
Besser hören:Ein Mikrochip im Innenohr ( 38.000 Euro) lässt Taube wieder hören. Quelle: dpa/picture alliance
Stimmung steuern:Hirnschrittmacher ( ab 31.000 Euro) senden elektrische Impulse ins Gehirn, um epileptische Anfälle, das Zittern von Parkinson-Kranken und Depressionen zu heilen. Quelle: dpa
Lähmung überwinden:Mit einer vollelektronischen Orthese ( 60.000 Euro) können Menschen gelähmte Gliedmaßen wieder benutzen. Quelle: dpa
Natürlich gehen:Mikroelektronik in modernen Prothesen wie der des deutschen Athleten Markus Rehm ( 30.000 bis 40.000 Euro) kontrolliert und steuert innerhalb von Millisekunden die Position des Kunstbeins beim Gehen, Rennen oder Treppensteigen. Quelle: dpa
Schneller rennen:Mit superleichten Karbonfedern ( 8.000 Euro) spurten Sportler besser als mit normalen Fußprothesen. Quelle: dpa

Um Fragen wie diese zu klären, sieht Festo-Chef Eberhard Veit nicht nur Brüssel, sondern auch Berlin in der Pflicht. „Der Staat muss seine Hausaufgaben in der Vor-Investition machen“, so Veit. „Das rentiert sich später in der Wirtschaft.“

Die lange Liste an Forderungen hatte vor der Podiumsveranstaltung bereits VDMA-Präsident Reinhold Festge in einer Rede eröffnet. „Wir brauchen eine Strategie für Industrie 4.0 in Europa. Wir brauchen eine politische Diskussion auf europäischer Ebene“, so Festge. „Die findet aber nicht statt, in allen EU-Wirtschaftsprogrammen taucht das Thema Industrie 4.0 nur am Rande auf.“ Um seinen Standpunkt vor dem Besuch aus Brüssel zu untermauern, hatte der VDMA-Präsident nochmals seinen im Februar vorgestellten „10-Punkte-Plan für die Umsetzung von Industrie 4.0 in Europa“ im Gepäck. Der Tenor des Abends ist klar: Der „digitale oder cyber-physische Binnenmarkt“ muss kommen. Und Günther Oettinger will das in Brüssel vorantrieben. Nur wie schnell es wirklich kommt, das weiß wohl der EU-Kommissar selbst noch nicht. 

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