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Deepwater Horizon und Fracking Und nach dem Meer das Grundwasser?

18 Milliarden Dollar zahlt BP wegen der Ölpest im Golf von Mexiko. Doch das Ende der Fahnenstange ist für Unternehmen damit noch nicht erreicht. Mit den Risiken steigen die potenziellen Kosten. Auch für die Aktionäre.

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Bei der Havarie der Deepwater Horizon entstand ein Umweltschaden in Milliardenhöhe – für die der Ölkonzern BP rund 18 Milliarden US-Dollar an Strafe zahlen muss. Quelle: ap

San Francisco 3,5 Milliarden Dollar hatte der Ölgigant BP seinerzeit einmal großzügig für Schadensersatzansprüche zurückgestellt. Seine Ölplattform Deepwater Horizon war im April 2010 in einem gigantischen Feuerball im Golf von Mexico versunken. Tragisch, aber keine (finanzielle) Katastrophe. Was sollte schon groß kommen?

Als die Exxon Valdez 1989 die Küste von Alaska mit Öl verpestete, da wurde Exxon zu fünf Milliarden Dollar Strafe verurteilt und jammerte sich mit einer Berufung nach der anderen durch die Jahre, bis die Strafe auf 2,5 Milliarden Dollar reduziert war. „Too big to fail“, zu groß um zu scheitern, schien schon vor der Finanzkrise 2007 zu gelten, nur eben für Unternehmen, die den Rohstoff für die Millionen Liter von Sprit liefern, die amerikanische Autofahrer jeden Tag durch die Einspritzanlagen jagen.

Doch die Zeiten haben sich gewaltig geändert und das in nur fünf Jahren. Jetzt summiert sich der Schaden für die Briten statt auf 3,5 Milliarden auf insgesamt 53 Milliarden Dollar, davon 18,7 Milliarden Dollar an Strafen.

Eine Entwicklung, die allen Beteiligten, Unternehmen, Aktionären und Bürgern zu denken geben muss. Die Risiken werden in jeder Hinsicht unüberschaubar. Bislang haben wir kilometertief in die Erde gebohrt, um Öl und Gas zu gewinnen. Jetzt fangen wir damit an, noch tiefer zu bohren, um mit Chemikalien versetztes Wasser in den Boden zu pressen, um auch das letzte Tröpfchen Öl für Autos und Flugzeuge zu gewinnen.

Diesmal geht es nicht mehr um Meerwasser, sondern um Trinkwasser. Es wird in zweierlei Hinsicht belastet. Zunächst werden Millionen von Litern pro Bohrloch verbraucht, um Öl und Gas zu fördern. Danach wird das Dreckwasser wird dann wieder in den Boden gepresst – idealerweise so tief, dass es nie wieder mit dem Grundwasser in Berührung kommt. Aus den Augen, aus dem Sinn. Früher nannte man so was bei uns „verklappen“.

Idealerweise ist aber nicht realistisch, wie Deepwater Horizon und Fukushima eindrucksvoll bewiesen haben, und die Eskalationsstufen werden immer weiter nach oben getrieben. In den USA haben bislang vier Bundesstaaten Trinkwasserverschmutzung im Zusammenhang mit Fracking gemeldet. Ganze Regionen in den USA, die niemals Erdbeben verzeichneten, haben plötzlich welche. Und überall da wird auch in großem Stil Fracking betrieben.


„Ob“ ist weniger die Frage als „wann“

Die US-Umweltbehörde EPA, nicht unbedingt als Freund der Öl- und Gasindustrie bekannt, hat in einer aktuellen Studie zwar festgestellt, dass die Frackingindustrie das Trinkwasser nicht systematisch belaste, aber die Betonung liegt auf „systematisch“. Es seien immer wieder Trinkwasserverunreinigungen gefunden worden, obwohl die Industrie versichert habe, es habe „niemals“ Zwischenfälle gegeben. Schlecht ausgeführte oder schlampig gewartete Bohrungen hätten giftige Chemikalien ins Trinkwasser freigesetzt. Oder Dreckwasser fand doch wieder einen Weg nach oben.

Auch die Deepwater Horizon hat nicht „systematisch“ das Meer verschmutzt. Aber Schlamperei und Vorsatz sind festgestellt worden. Wenn Sicherheitsmaßnahmen auf Profitgründen bis zum äußersten Rand des Erträglichen reduziert werden, sind solche Folgen unvermeidbar. Ein fallender Ölpreis setzt die Produzenten derzeit unter Druck zu sparen, wo eben möglich – und vielleicht darüber hinaus.

Ob es zu einer erheblichen und irreversiblen Trinkwasserverschmutzung in Ballungsgebieten kommen wird, ist weniger die Frage, als wann. Grundwasser folgt keinen Businessplänen und mit der Zeit kriechen die Chemie-Bohrlöcher immer näher an die Städte heran. Und bei weitem nicht alles Grundwasser wird durch Kläranlagen gereinigt. Das wissen auch die Farmer, die direkt aus dem Boden auf die Felder pumpen.

Die Folgen solcher Worst-Case-Szenarios sind realistisch gesehen genau so wenig abschätzbar wie die Langzeitfolgen des Atom-Gaus in Fukushima. Aber eines ist klar: 18 Milliarden Dollar an Strafe und 53 Milliarden Dollar an Kosten insgesamt sind viel. Aber auf keinen Fall das Ende der Fahnenstange. Die Einigung mit BP hat gezeigt, dass der Staat nicht einmal in den erzkapitalistischen USA bereit ist, die Gewinne zu privatisieren und die Kosten klaglos zu Lasten der Steuerzahler zu verstaatlichen. Das sollten Aktionäre bedenken.

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